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Albig appelliert ans Handwerk: Flüchtlinge am Bau ausbilden

Neumünster Albig appelliert ans Handwerk: Flüchtlinge am Bau ausbilden

Die Baubranche in Schleswig-Holstein sollte junge Flüchtlinge einstellen. Dafür hat sich Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gestern bei der Eröffnung der 61. Nordbau in Neumünster stark gemacht.

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Eröffneten die Nordbau (v.l.): Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen, die dänische Generalkonsulin Martine Gram Barbry und Regierungschef Torsten Albig.

Quelle: Sven Janssen

Neumünster/Kiel. Flüchtlinge zu beschäftigen, sei eine Chance für die Betriebe gegen den Nachwuchsmangel. Es gehe um nichts weniger, als motivierte und wissensdurstige Flüchtlinge zu Facharbeitern zu machen, sagt Albig. Das Land unterstütze die Bauwirtschaft dabei und arbeite mit Arbeitsagenturen, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und vielen anderen Partnern zusammen.

LN-Bild

Ministerpräsident bei Eröffnung der Nordbau: Das ist eine Chance gegen Nachwuchsmangel.

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Für den Baugewerbeverband Schleswig-Holstein ist Albigs Forderung nicht so leicht realisierbar. „Es ist nicht die Frage, dass wir nicht wollen“, sagt Hauptgeschäftsführer Georg Schareck. Es gebe viele unbesetzte Stellen am Bau. Die Branche aber habe sich zu einem Bereich mit hochtechnisierten Abläufen entwickelt, die Qualitätsstandards zu erfüllen hat. „Junge Flüchtlinge müssen deshalb neben Engagement die qualitativen Voraussetzungen für den Beruf und eine Portion technisches Verständnis mitbringen“, erläutert Schareck. Nach Angaben des Baugewerbeverbands lässt sich die Zahl an jungen Flüchtlingen, die im Norden in der Baubranche ausgebildet werden, derzeit an wenigen Händen abzählen. Beim Bauunternehmen Friedrich Schütt+Söhne in Lübeck heißt es, bisher habe man noch keinen einzigen Flüchtling einstellen können. „Es mangelte an der Sprache als Eintrittskarte“, sagt Kerstin Kersten von der Personalentwicklung bei Schütt.

Nun verweist das Baugewerbe darauf, dass sich die Situation verbessern kann, wenn erst eine größere Zahl an Flüchtlingen erfolgreich Deutschkurse bestanden hat. Bei der Handwerkskammer Lübeck laufen jedenfalls diverse Bemühungen, Flüchtlinge in die Betriebe zu bringen. Seit Mitte 2015 wurden 550 Flüchtlinge beraten, 240 wurden in Sprachkurse vermittelt, 225 in Praktika, 26 in eine Ausbildung.

Zurzeit sind für den gesamten Kammerbezirk 70 Lehrlinge mit der Staatsangehörigkeit Afghanistan, Iran, Irak und Syrien registriert, davon gerade mal 13 im Bauhauptgewerbe. Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, sagt: „Ohne ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache ist es schwer, im Betrieb Arbeitsabläufe zu verstehen. Es ist aber noch viel schwerer, dem Berufsschulunterricht zu folgen.“ Katschke ist davon überzeugt, dass junge Flüchtlinge hochmotiviert sind. „Deshalb bin ich sicher, dass wir in den nächsten Jahren viele von ihnen als Lehrlinge in unseren Betrieben finden werden.“

Bevor Unternehmen Flüchtlinge aufnehmen, müsste deren Aufenthaltsstatus geklärt sein, mahnt Ulrich Hoffmeister von der IHK Lübeck. „Innerhalb der Ausbildungszeit darf keine Abschiebung stattfinden.“

Passiert sei so etwas schon. Derzeit würden die Unternehmen in Schleswig-Holstein intensiv auf die Aufnahme von 1200 Flüchtlingen im nächsten Jahr vorbereitet. So sieht es ein Abkommen zwischen Land, Arbeitsagentur, Handwerk sowie Industrie- und Handelskammern vor. „Das ist kein Selbstläufer“, sagt Hoffmeister. „Aber wir kriegen das hin.“

Viele Flüchtlinge brächten Erfahrungen mit, die auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sind, bestätigt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesarbeitsagentur. „Welche das sind, das müssen wir gemeinsam mit den Betrieben, auch denen der Baubranche, herausfinden.“ Haupt-Koopmann schlägt vor, neue Wege zu gehen. „Indem wir etwa die beruflichen Erfahrungen von Flüchtlingen – in Form einer Teilqualifizierung – über ein Zertifikat formal bestätigen.“ Gefordert sei jedoch ein langer Atem. Geredet werde über „die Fachkräfte von übermorgen“.

60000 Besucher in Neumünster erwartet

Die Nordbau richtet sich nicht nur an Fachleute. Bis Sonntag werden in den Holstenhallen und auf einem Freigelände in Neumünster 60 000 Besucher erwartet. Die Nordbau ist zum 15. Mal in Folge ausgebucht. 848 Aussteller aus 15 Ländern präsentieren ihre Dienstleistungen und Produkte. Dänemark ist seit 41 Jahren Partnerland. Für Häuslebauer bietet die Messe ein umfangreiches Beratungs- und Informationsangebot. Schwerpunkt der Ausstellung sind diesmal Ziegel. Geöffnet ist die Messe noch bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet zehn Euro, das Kombiticket zwölf Euro.

Schüler und Studenten zahlen 3,50 Euro. Parkplätze befinden sich an der Messe. Außerdem ist ein Park&Ride-Shuttleservice eingerichtet (Beschilderung folgen).

 Curd Tönnemann

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