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Wirtschaft im Norden Altmaier stutzt Windenergie die Flügel
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Altmaier stutzt Windenergie die Flügel
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23:50 06.11.2013
Noch drehen sich Schleswig-Holsteins Windmühlen im Land. Doch geht es nach Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), soll der Ausbau der Windenergie im Norden massiv gedrosselt werden. Quelle: dpa
Berlin

Während eines Treffens mit zehn führenden Vertretern der Erneuerbaren Energien betonte Altmaier in Berlin, er sehe „erhebliche Kostensenkungspotenziale“. In Schleswig-Holstein sind zurzeit 8200 Arbeitsplätze von der Windenergie abhängig, 5000 in Mecklenburg-Vorpommern.

Ziel sei es, so Altmaier, die bisherige Vorgabe der Bundesregierung für den Bau von Anlagen auf See (Offshore) bis 2020 um rund ein Drittel auf maximal 6,5 Gigawatt zu senken. Zudem soll die Förderung für Windräder an Land (Onshore) regional auf weit weniger als die bislang üblichen 9,15 Cent pro Kilowattstunde gekürzt werden.

Kommentar zum Thema: Sicher war gestern

Dies bestätigte Thorsten Herdan, Teilnehmer der Runde und Geschäftsführer des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), den LN. Zwar stehe Altmaier nach wie vor hinter der Windenergie als Rückgrat der Energiewende. Allerdings habe der Minister deren Nutzung als „Hauptkostentreiber“ bezeichnet. Strom müsse bezahlbar bleiben.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) reagiert empört: „Es wäre völliger Quatsch, den Ausbau von Windenergie an Land zu begrenzen. Jeder Kaufmann investiert doch in die kosteneffizienten Technologien, so sollte es auch die Politik halten“, sagt Habeck. Ein Abwürgen von Onshore-Wind habe nur Sinn „wenn man die Energiewende ausbremsen oder teurer machen will“.

Erneuerbarer Strom aus Schleswig-Holstein sei gerade wegen des hohen Anteils von landerzeugter Windkraft immer noch rund drei Cent günstiger als der Bundesdurchschnitt, so Habeck. Sylvia Pilarsky-Grosch, Präsidentin des Bundesverbands Windenergie (BWE), äußerte sich besorgt. Die Windenergie-Industrie beschäftige in Deutschland zurzeit rund 118 000 Mitarbeiter. Diese Jobs könnten in Gefahr geraten. „Deutschland droht seine weltweite Marktführerschaft im Bereich der regenerativen Energien ohne Not aufs Spiel zu setzen“, sagt die Verbandspräsidentin. Es wäre international ein „verheerendes Signal“, wenn nicht einmal mehr Deutschland an die Energiewende glaube. „Die Politik verkennt die Chancen und redet nur noch über Kosten. Sie unterschätzt die Sensibilität von Investoren und macht die Energiewende damit kaputt.“

Nicole Knudsen, Leiterin der BWE-Landesgeschäftsstelle in Schleswig-Holstein, nennt Altmaiers Äußerungen „ganz, ganz fürchterlich“. Ein Ausbremsen des Windenergierausbaus wäre „politisch, gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch“ ein schwerer Fehler. Allein durch Windenergie aus Schleswig-Holstein würden schon jetzt 65 Millionen Tonnen CO2 eingespart, die Wertschöpfung im Land liege bei 250 Millionen Euro. Dabei mache der Ausbau der Windenergie in der EEG-Umlage lediglich 0,2 Cent pro Kilowattstunde Strom aus. Knudsen: „Herr Altmaier sollte lieber einmal offenlegen, welche Subventionen die Atom- und Kohleindustrie erhalten.“

„Es wäre völliger Quatsch, den Ausbau der Windenergie zu begrenzen.“
Robert Habeck (Grüne), Energieminister Schleswig-Holstein

Von Jörg Köpke und Oliver Vogt

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