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Angeltouren vor dem Aus?

Lübeck Angeltouren vor dem Aus?

Dorschquote für Hobbyfischer bremst Nachfrage – Anbieter in Existenznot.

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Dorsche angeln in der Ostsee – früher waren Kutter-Touren beliebt, jetzt sinkt die Nachfrage.

Quelle: Foto: Tim Jelonnek

Lübeck. Nur fünf Dorsche pro Kopf dürfen Touristen neuerdings aus der Ostsee holen: Erstmals gilt in diesem Jahr damit eine Fangbeschränkung zum Schutz der Bestände auch für Hobby-Angler. Für die Anbieter von Angeltouren im Norden ein Desaster.

„Einige Kollegen haben Umsatzeinbrüche von bis zu 70 Prozent“, klagt Willi Lüdtke, Vorsitzender des Verbandes der Bäder- und Hochseeangelschiffe. 30 Kutter-Kapitäne sind bei ihm Mitglied. Weitere 30 Betriebe gebe es in Mecklenburg-Vorpommern, sagt Lüdtke. „Die sind genauso betroffen.“ Lüdtke selbst hat in Burg auf Fehmarn auf seinen Schiffen „Karoline“ und „Südwind“ Platz für insgesamt 100 Angler. Bei ihm selbst lägen die Buchungsrückgänge bei 40 Prozent.

„Viele unserer Kunden kommen von weit her“, sagt Karl-Heinz Rohde von „Kalles Angelshop“ in Neustadt (Ostholstein). Wer aus Nordrhein-Westfalen oder noch weiter aus dem Süden anreise, den lockte bisher die Chance, bis zu zehn Dorsche auf einer Tour zu fangen. „Fünf reichen vielen nicht“, bedauert Karl-Heinz Rohde. Das sei ähnlich wie beim Lotto. Tatsächlich fange selten ein Kunde zehn Fische auf einmal. Aber die Quote gelte nun einmal pro Angler. „Selbst wenn der Nebenmann an Bord weniger fängt.“

Rohde macht keine Kutterfahrten, er vermietet Kleinboote an die Petrijünger. Zehn Stück hat er davon, erst voriges Jahr schaffte er neue an – für 60000 Euro. „Das war, bevor das mit der neuen Fangquote rauskam.“ Jetzt bangt der Geschäftsmann um seine Existenz. „Der Kredit muss schließlich bedient werden.“ Die Umsätze allerdings sprechen eine deutliche Sprache. Nachdem die Wasserschutzpolizei im Januar die Angelboote besonders massiv kontrolliert habe, sei die Nachfrage im Februar um 68 Prozent, im März sogar um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen.

Auch der Verkauf von Ködern und Angelzubehör ließ entsprechend nach.

Hinzu komme das vom Berliner Umweltministerium geplante Fangverbot auf dem Fehmarnbelt, das, wie Rohde ausführt, dem Schutz der Schweinswale dienen soll und mit der Dorschquote nichts zu tun hat.

„Die Touristen bringen das alles durcheinander“, meint der Angel-Anbieter. Es entstehe insgesamt der Eindruck, dass sich die Anreise in den Norden nicht mehr lohne. Dabei gebe es in der Lübecker Bucht noch Dorsche, die Bestände seien nicht so ausgedünnt wie anderswo. „Bei uns ist es noch besser als in der Kieler oder Hohwachter Bucht.“

Jetzt denkt Rohde schon daran, einige seiner Boote zu verkaufen. „An sich wollten wir einen neuen Mitarbeiter für die Bootsvermietung einstellen. Aber davon kann keine Rede mehr sein.“

Auch Cathrin Lüdtke von der gleichnamigen Reederei in Burg empfindet die stark nachlassende Nachfrage als existenzbedrohend. Bei ihr beträgt der Rückgang 30 Prozent. „Viele, die voriges Jahr schon gebucht hatten, haben abgesagt – dass die sich nächstes Jahr nochmal melden, bezweifle ich.“

Ulrich Elsner, Geschäftsführer der Küstenfischer Nord e.G. in Heiligenhafen (Ostholstein), vertritt zwar die Berufsfischer, weiß aber um die Probleme im Tourismusbereich. „Weil die Hobby-Angler jetzt auch eine Quote haben, wurde unsere Fangquote gegenüber 2016 nur um 56 Prozent statt vielleicht 80 Prozent gesenkt.“ Trotzdem gehe auch die Zahl der Berufsfischer kontinuierlich zurück. Die Entwicklung bei den Hobby-Anglern sieht Elsner mit Sorge. In „spätestens zwei Jahren“, schätzt er, werde es Kutterkapitäne, die Fangfahrten auf Dorsch für Angeltouristen anbieten, wohl nicht mehr geben. „Das ist ein touristisches Kleinod, das jetzt eingeht.“

Willi Lüdtke indes hofft noch auf eine Wendung zum Besseren. „Über Ostern war eine leicht steigende Nachfrage spürbar.“ Die Wende müsse aber bald kommen. „Noch so ein Jahr, und es gibt für uns keine Zukunft mehr.“

Angler-Demo vor Fehmarn

118 Millionen Euro lassen sich Angler ihre Ausflüge jährlich kosten. Summiert aus Anfahrt, Unterkunft, Verpflegung, Kutterfahrten und Köder, ergibt sich ein wirtschaftlicher Wert von etwa 40 bis 45 Euro für ein Kilo geangelten Dorsch.

Sonnabend findet im Fehmarnsund eine Boots-Demo von Anglern und Kutterbesitzern gegen die Einschränkungen der Freizeitfischerei statt. Abfahrt: 14.30 Uhr, Hafen Burgstaaken

Marcus Stöcklin

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