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Angst vor 24-Stunden-Streiks der Metaller

Lübeck Angst vor 24-Stunden-Streiks der Metaller

Es geht um die Löhne und Arbeitszeiten für 140000 Beschäftigte der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie: Heute treffen sich die IG Metall Küste und der Arbeitgeberverband Nordmetall in Lübeck. Wir sprachen mit den beiden Verhandlungsführern.

Lübeck. Wird es ein langer Konflikt?

 

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Thomas Lambusch, Präsident von Nordmetall.

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Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Küste.

Tarifrunde für den Norden

Am 15. November war der Auftakt zur Tarifrunde der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie in Hamburg. Die IG Metall vertritt 140000 Beschäftigte in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen , Mecklenburg- Vorpommern und Nordwestniedersachsen. Der Arbeitgeberverband Nordmetall vertritt 250 Betriebe.

Thomas Lambusch (Nordmetall): Das könnte passieren. Das Thema Arbeitszeitverkürzung macht es besonders schwierig, und die IG Metall hat den Manteltarifvertrag gekündigt, damit sind alle Rahmenbedingungen offen. Unsere Vorstellungen liegen Welten auseinander.

Meinhard Geiken (IG Metall): In anderen Bezirken haben die Arbeitgeber ein Angebot gemacht: Zwei Prozent mehr Lohn für 15 Monate, 200 Euro Einmalzahlung, aber auch nur, wenn wir deren Vorstellungen mitmachen: zurück zur 40-Stunden-Woche, flexible Arbeitszeit nach oben. Wenn man nicht bereit ist, auf unsere Wünsche einzugehen, wird das ein längerer Konflikt.

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr und eine individuelle Absenkung der Arbeitszeit. Wo könnte es Kompromisslinien geben?

Lambusch: Die sechs Prozent sind keine Zahl, mit der wir angesichts eines Durchschnittseinkommens von fast 60000 Euro in unserer Branche leben könnten. Beim Thema Arbeitszeitverkürzung ist die Forderung nach dem individuellen Anspruch ein Problem. Wenn der Großteil der Belegschaft das macht, können sie damit einen Betrieb lahmlegen. Dass damit auch noch ein Teilentgeltausgleich verbunden werden soll, geht gar nicht. Für weniger Leistung mehr Geld zu bezahlen, ist ein Unding.

Geiken: Wir verhandeln das im Paket. Einen Kompromiss kann es für uns nur geben, wenn wir uns in beiden Bereichen aufeinander zubewegen. Wir haben ja heute schon eine Situation, in der die Arbeitszeit nach oben teils erheblich ausgeweitet ist, wenn ich mir ansehe, wie viele Überstunden, Wochenenden und zusätzliche Schichten geleistet werden.

Welche Gründe führen Sie an?

Lambusch: Wir sind bei den Arbeitskosten weltweit an dritter Stelle. Weitere Steigerungen würden unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter einschränken. Für Teilzeitarbeit gibt es schon einen gesetzlichen Anspruch, wenn die Arbeitszeitverkürzung betrieblich vereinbart wird. Mit einem einseitigen Anspruch, wie ihn die IG Metall will, tun sich Unternehmen schwer, das wäre organisatorisch nicht machbar. Wenn uns dann Mitarbeiter ausfallen, weil sie den Anspruch geltend machen, kommen wir in ernsthafte Bedrängnis, Facharbeiter sind schon sehr knapp.

Geiken: Wir haben hier einen guten Mittelstand, guten Maschinenbau, hochqualifizierte Leute. Das muss sich im Angebot widerspiegeln, auch wegen des Fachkräftemangels. Wenn tarifgebundene Firmen eine Ausbildungsquote unterhalb des Krankenstandes haben, haben wir ein Nachwuchsproblem. Da muss man nachlegen. Und warum macht man Teilzeit-Mitarbeitern kein Angebot für Vollzeit?

Was fordern Sie von der Gegenseite?

Lambusch: Wir möchten das Arbeitsvolumen bei Bedarf auch nach oben ausdehnen können. Bisher dürfen 13 Prozent der Mitarbeiter mehr arbeiten, wenn sie das wollen. Wir wünschen uns, dass diese Quote erhöht wird. Mitarbeiterbefragungen zeigen, dass viele freiwillig mehr arbeiten wollen. Das würde dann als normale Arbeitszeit bezahlt, nicht als Überstunden. Über Flexibilisierung können wir sprechen, aber wir können es uns nicht erlauben, das Arbeitsvolumen nur einseitig nach unten zu senken.

Geiken: Ich gehe davon aus, dass wir eine ähnliche Mitteilung bekommen wie die anderen Bezirke. Das ist aber nicht ernst zu nehmen. Ich kann nur hoffen, dass die Arbeitgeber hier ein anderes Angebot vorlegen. Wir haben eine sehr gute wirtschaftliche Situation, die beste seit fünf Jahren, sagt Nordmetall selbst. Auch der Wirtschaft in der Region Lübeck geht es sehr gut, Dräger brummt, Baader gibt Sonderzahlungen, Storebest verdoppelt seine Kapazitäten. Die Branche muss attraktiv bleiben, das bedeutet auch, moderne Arbeitszeiten anzubieten.

Wann rechnen Sie mit einem Ende des Konflikts?

Lambusch: Anfang Januar wird es wohl Warnstreiks geben. Wenn die Lage eskaliert, könnte die IG Metall erstmals 24-Stunden-Streiks einsetzen, mit denen Betriebe nachhaltig geschädigt werden. Ich hoffe, dass es so weit nicht kommt, bin aber noch skeptisch, weil wir inhaltlich noch nicht weitergekommen sind. Unser Angebot wird die Gespräche hoffentlich voranbringen.

Geiken: Wir gehen davon aus, dass es vor Weihnachten keine weiteren Verhandlungen gibt. Dann ist es anscheinend wie immer: Die Arbeitgeber glauben, dass die Mitarbeiter nicht hinter unseren Forderungen stehen. Dann werden wir zeigen müssen, dass sie sehr wohl dahinterstehen. Das würde Warnstreiks im Januar bedeuten. Wir wollen einen Kompromiss, aber wenn die Arbeitgeber mit so einem Angebot kommen, ist das noch ein langer Weg.

Christian Risch

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