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Antennen-TV: Privatsender künftig nur noch gegen Gebühr

Lübeck/Hamburg Antennen-TV: Privatsender künftig nur noch gegen Gebühr

Das Fernsehen der Zukunft wird allein in HD angeboten – und das Privatfernsehen komplett als "Pay-TV" übertragen. Lübeck soll dafür eine Pilotregion werden.

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Bald sollen die Privatsender kostenpflichtig werden.

Quelle: dpa

Lübeck/Hamburg. Das alte Antennenfernsehen DVB-T steht vor dem Aus. Wer sein Fernsehprogramm über eine Haus- oder Zimmerantenne empfängt, musste sich mit der Umstellung auf digitales Fernsehen bereits eine Box kaufen, um die neue Technik empfangen zu können. Doch mit der offiziellen Umstellung auf DVB-T2 Anfang nächsten Jahres wird die alte Box nicht mehr funktionieren. Aber es kommt noch bunter: Antennen-Kunden können nach der Umstellung nur noch die öffentlich-rechtlichen Sender wie bisher ohne Zusatzkosten empfangen. Programme der Privaten in HD-Qualität – und nur noch die wird es geben – werden verschlüsselt.

Kommentar zum Thema: Für die Zuschauer ist das ärgerlich

Wer dann nicht in die Röhre schauen will, muss künftig für den Empfang von RTL, Pro7, Sat1 und Co. monatlich fünf bis zehn Euro an Gebühr bezahlen. „Wir gehen davon aus, dass die monatlichen Kosten bei einem mittleren einstelligen Eurobetrag liegen“, sagte RTL-Sprecher Konstantin von Stechow. Außerdem muss sich jeder Betroffene zum Umstellungstermin entweder ein neues Fernsehgerät kaufen oder eine neue Set-Top-Box. Die Boxen sollen 50 bis 100 Euro kosten.

Betroffen sind vor allem Schleswig-Holsteiner. Denn DVB-T ist im Norden mit einem Marktanteil von 19,4 Prozent ein beliebter Übertragungsweg fürs Fernsehsignal. Im Bundesschnitt liegt der Marktanteil nur bei der Hälfte. Nach Angaben von Media Broadcast, Deutschlands größtem Service-Provider der Rundfunkbranche, startet der Pilotbetrieb für das neue DVB-T2-Netz in der Region Lübeck bereits in diesem Frühsommer, pünktlich zur Fußball-EM. Kleiner Trost: „Während einer Testphase werden auch die Privatsender kostenlos zu sehen sein“, erklärt Sprecher Holger Crump.

Henning Jansen, Lübecker Obermeister der Informationstechniker-Innung, spricht von einer riesigen Verwirrung – nicht nur für den Kunden, sondern für den Fachhandel selbst. Der Informationsfluss sei bislang zäh. Auch technisch bereite die geplante Umstellung Schwierigkeiten. Die meisten heute käuflichen Fernsehgeräte seien für die neue Technik nicht gerüstet. Angesichts dessen glaubt Jansen, dass die ältere Generation kapituliert. „Sie wird möglicherweise auf private HD-Programme verzichten.“

Von der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein kommt keine Kritik an der Umstellung, im Gegenteil. „Mit der Einführung von DVB-T2 HD wird das terrestrische Fernsehen zukunftsfähig“, erklärt Direktor Thomas Fuchs. Deshalb sei nachvollziehbar, dass die meisten privaten Programme ein Extra-Entgelt verlangen. Das Projektbüro für die Einführung von DVB-T2 verteidigt die Privatsender ebenfalls. „Die Terrestrik passt sich dem erfolgreichen Geschäftsmodell bei Satellitenschüssel und Kabel nur an“, so Veit Olischläger.

Innungs-Obermeister Jansen empfiehlt frustrierten Antennenkunden, auf eine Satellitenanlage umzusteigen oder auf Kabelempfang. Im letzten Fall entstehen allerdings dauerhaft Kosten.

Von Curd Tönnemann

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