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Wirtschaft im Norden Arbeiten nach Feierabend
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20:10 30.08.2017
Lüneburg

. Wenn Janika Benecke Feierabend hat, geht sie Volleyball spielen, trifft Freunde oder sie geht arbeiten. An zwei Abenden pro Woche steht sie in einer Bar hinterm Tresen, zusätzlich zu ihrem Vollzeitjob. So will sie ihr Gehalt etwas aufbessern.

Die 26-Jährige ist Veranstaltungskoordinatorin in einem Hotel bei Lüneburg. Hauptberuflich plant sie Geburtstage, Hochzeiten und Tagungen und verdient damit netto 1500 Euro. Nicht besonders viel, aber sie könnte im Moment davon leben. Den Minijob hat sie vor fast drei Jahren angefangen, monatlich kommen so etwa 300 Euro dazu. „Nur wegen des Geldes würde ich das nicht machen“, sagt sie. „Ich mag den Kontakt mit den verschiedenen Gästen.“

Obwohl sie insgesamt fast 50 Stunden pro Woche arbeitet, empfindet sie das nicht als sehr anstrengend. Sie ist gelernte Hotelfachfrau und Fachwirtin im Gastgewerbe, hat vor dem jetzigen Job an der Rezeption und im Restaurant gearbeitet. Überstunden sind hier eher die Regel als die Ausnahme, „in der Branche ist man abgehärtet“. Benecke wirkt zufrieden mit ihrer Situation, sie muss nicht unbedingt jobben, sie macht es freiwillig und gerne.

Immer mehr Leute verdienen nebenbei auf 450-Euro-Basis etwas dazu. Derzeit gibt es nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fast 2,7 Millionen Angestellte in Deutschland, die zusätzlich zu einem Hauptjob einem Minijob nachgehen. Seit den Hartz-Reformen habe sich die Zahl mehr als verdoppelt, sagt Forscher Enzo Weber vom IAB.

Beim ersten Minijob ist brutto gleich netto, der Arbeitnehmer zahlt keine Abgaben für die Arbeitslosen-, Kranken- oder Pflegeversicherung. Eine Rentenversicherungspflicht wurde zwar 2013 eingeführt, „man kann sich aber mit einem einfachen Kreuz davon befreien lassen und das tun auch die meisten“, sagt Weber. Für Geringverdiener erscheint ein Minijob daher lukrativ. Bei der Rente könne es aber ein „böses Erwachen“ geben.

Und wie man am Beispiel von Benecke sieht, ist der Minijob nicht zwingend die Ergänzung zur Teilzeitstelle. „Von denjenigen, die einen Hauptjob mit einem Minijob kombinieren, arbeitet mehr als die Hälfte in ihrem Hauptjob in Vollzeit“, sagt der Arbeitsmarktforscher. Aus seiner Sicht sind Minijobs nicht mehr sinnvoll. Im Sinne einer nachhaltigen beruflichen Entwicklung müsste man Geringverdiener bei ihren Erstjobs entweder steuerlich oder bei den Sozialabgaben stärker entlasten, meint Weber. Würden Minijobs wegfallen, entstünden voraussichtlich auch mehr sozialversicherungspflichtige Jobs.

Bei den Hartz-Reformen wurden gegen die Massenarbeitslosigkeit alle Register gezogen. Weber meint: „Mittlerweile ist das nicht mehr nachvollziehbar. Es wäre angesagt, das abzuschaffen.“

LN

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