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Wirtschaft im Norden Arbeitslosigkeit im Norden weiter gesunken
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17:00 04.01.2019
Kiel: Bauarbeiter stehen auf einer Baustelle. Der Arbeitsmarkt im Norden ist weiter robust. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Die Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein ist so niedrig wie seit 1980 nicht mehr. Im Kreis Stormarn herrscht mit einer Quote von nur noch 2,9 Prozent praktisch Vollbeschäftigung. Am Freitag haben die Agentur für Arbeit und das Land die jüngsten Zahlen vorgelegt.

Mehr als eine Million Jobs in Schleswig-Holstein

Demnach waren im Dezember im nördlichsten Bundesland nur noch 79 100 Menschen ohne festen Job und damit 11,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug landesweit 5,1 Prozent. Im Dezember 2017 waren es noch 5,8 Prozent gewesen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs stieg auf knapp über eine Million.

Eine Quote wie seit 1980 nicht mehr

Die Arbeitslosenzahlen sind auch in Schleswig-Holstein so niedrig wie seit 1980 nicht mehr. In den 50er-Jahren hatte die Quote im kriegszerstörten Deutschland noch bei bis zu elf Prozent gelegen. Anfang der 60er-Jahre sank sie im Zuge des Wirtschaftswunders auf Werte zwischen 0,7 und 2,1 Prozent ab – Vollbeschäftigung. In den 80er-Jahren stieg sie durch die von den Ölkrisen ausgelösten Rezessionen wieder stark an. Hatte sie 1980 noch bei 3,3 Prozent gelegen, waren es 1982 schon 6,7, 1984 8,1 Prozent. Nach der Wiedervereinigung lag der Wert 1997 und 2005 erneut bei über elf Prozent – Massenarbeitslosigkeit. Vor allem die Zahl der Dauerarbeitslosen stieg. Jetzt liegt der Wert wieder bei nur 5,1 Prozent. In Stormarn kann man mit 2,9 Prozent bereits wieder von Vollbeschäftigung sprechen.

Mit weniger als drei Prozent Arbeitslosigkeit habe man in Stormarn ein sicheres Anzeichen dafür, „dass wir Vollbeschäftigung haben“, sagt Professor Stefan Kooths, Leiter der Konjunkturabteilung des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Das gelte mittlerweile auch für weite Teile Süddeutschlands. Bundesweit liege man nur noch etwa zwei Prozentpunkte darüber. Die restliche Arbeitslosigkeit komme meist dadurch zustande, dass Arbeitnehmer gerade ihren Job wechseln oder ausgelernte Azubis noch eine Stelle suchen würden.

Stormarn ist stark“, sagt FDP-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz. Die Zahlen dort seien „ein hervorragendes Signal“. Der Kreis profitiere von der Nähe zu Hamburg. Es bleibe wichtig, eine wirtschaftsfreundliche Ansiedlungspolitik für Unternehmen zu betreiben.

Wirtschaftsprofessor: Löhne und Preise werden steigen

Kooths schwört die Menschen im Land hingegen auf gravierende Umwälzungen ein. So werde die Position der Arbeitnehmer künftig deutlich stärker sein. Die Löhne würden steigen. Sie könnten wieder mit der Produktivitätssteigerung mitwachsen. Denn: Nur so könnten Unternehmen noch Arbeitskräfte gewinnen. „Wer wenig zahlt, bekommt hingegen schlichtweg die Fachkräfte nicht mehr, die er bräuchte, um weiter seine Geschäfte zu machen.“

Dass Arbeitskräfte knapp sind, werde sich auch lange Zeit nicht ändern, sagt Kooths. Um gegenzusteuern, müsse auf jeden Fall die Zuwanderung von Menschen aus dem Ausland vereinfacht werden. Die Politik sollte zudem generell in die Bildung investieren. Vor allem seien jetzt aber die Unternehmen selber gefragt. Sie müssten ihre Arbeitsplätze attraktiv machen und Nachwuchskräfte ausbilden. „Das ist eine Aufgabe der Wirtschaft.“ Zudem würden künftig wohl noch deutlich mehr Tätigkeiten von Maschinen übernommen werden. Die Verbraucher müssten sich wegen der höheren Löhne auf höhere Preise vor allem auch für Pflege-, Betreuungs- oder Handwerkerleistungen einstellen, sagt Kooths.

Betriebe setzen bislang vor allem auf Gesundheitsmanagement

Von Lohnerhöhungen allerdings spricht man bei den Wirtschaftsverbänden offenbar noch nicht gern. Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen belegten zwar erneut, dass sich die Fachkräftekrise weiter zuspitzt, sagt etwa Nico Fickinger vom norddeutschen Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie. Man versuche aber daher jetzt, immer mehr ältere Beschäftigte über 55 durch Gesundheitsvorsorge und eine gute Arbeitsplatzgestaltung im Unternehmen zu halten. Rüdiger Schacht, Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, spricht von „Herausforderungen“, vor die die „faktische Vollbeschäftigung“ die Mitgliedsunternehmen stelle. Sie setzten ebenfalls vermehrt auf ein betriebliches Gesundheitsmanagement oder auch auf flexible Arbeitszeiten und mehr Ausbildung. „Trotzdem finden sich für zahlreiche Stellen in den Betrieben keine qualifizierten Mitarbeiter“, sagt Schacht. Das Land gab am Freitag bekannt, dass in seiner Verwaltung allein bis 2029 gut 18 500 der 70 000 Beschäftigten in den Ruhestand gehen und durch Nachwuchskräfte ersetzt werden müssen. Man wolle dazu rechtzeitig die Ausbildungskampagne verstärken.

SPD-Landeschef Ralf Stegner mahnt die Union in der Großen Koalition in Berlin angesichts der Entwicklung, dass das neue Einwanderungsgesetz keinesfalls abschreckend wirken dürfe. Zudem müsse Schluss damit sein, gut integrierte Flüchtlinge und ihre Familien aus Deutschland abzuschieben. Sie würden hier gebraucht. Soziale Berufe in Kitas oder in der Altenpflege müssten attraktiver gemacht und das ganze soziale Sicherungssystem reformiert werden.

Für einzelne, ausgewählte Kreise und Städte ergibt das folgende Werte (im Vergleich zu Hamburg und dem Bundesdurchschnitt):

Wolfram Hammer

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