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20:42 21.10.2016
Streik statt Schnaps: Bei Jim Beam bleiben die Fässer stehen.
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Clermont

. Es geht nicht ums Geld, sondern um „Mangel an Respekt“ und „Work-Life-Balance“: Seit sechs Tagen werden zwei Bourbon-Destillerien des Whisk ey-Herstellers Jim Beam im US-Bundesstaat Kentucky bestreikt. Rund 250 Angestellte hatten die Arbeit niedergelegt, nachdem monatelange Vertragsverhandlungen zwischen dem Unternehmen und der lokalen Gewerkschaft keine Einigung brachten. Über ein neues Angebot soll in der Nacht zu heute abgestimmt werden.

Jim Beam gibt sich als gemütliches Traditionsunternehmen. Doch jetzt streiken die Mitarbeiter zweier Destillen. Quelle: Simone A. Mayer/dpa

„Wir fordern eine bessere Work-Life-Balance und eine Rückkehr zu den familiären Werten.“ Gewerkschaftsprecherin Jannelle Mudd

Jim Beam, nach Branchenführer Jack Daniels aus Tennessee eine der meistverkauften Whiskey-Marken weltweit, gibt sich gerne als gemütliches Traditionsunternehmen. „Die Beam-Familie hat eine lange Geschichte, die Dinge auf ihre eigene Art zu machen“, heißt es in der folkloristischen TV-Werbung mit Hollywood-Star Mila Kunis. Es wird der Eindruck vermittelt, als gehe es bei der Bourbon-Produktion noch genauso gemächlich zu, wie vor mehr als zwei Jahrhunderten.

Zu dieser beschaulichen Selbstdarstellung will der Streik überhaupt nicht passen. Die Belegschaften in den Destillerien in Clermont und Boston klagen über Überarbeitung und fühlt sich im Stich gelassen. „Vor allem fordern wir eine bessere Work-Life-Balance und eine Rückkehr zu den familiären Werten und dem Erbe, auf dem die Marke Jim Beam basiert“, sagte Jannelle Mudd, Mitarbeiterin und Präsidentin der örtlichen Gewerkschaftsvertretung, dem „Wall Street Journal“.

Seit Beginn der Firmengeschichte im Jahr 1795 ist viel passiert. Damals begann Johannes Jakob Böhm, ein Sohn deutscher Einwanderer, der sich später in Jacob Beam umbenannte, in Clermont mit der Bourbon-Herstellung. Generationen von Beams machten das Getränk weltberühmt. 2014 wurde das Unternehmen für 13,6 Milliarden Dollar vom japanischen Whisky-Riesen Suntory geschluckt. Der Deal sorgte bei patriotischen US-Kunden für viel Empörung. Auch auf die Firmenkultur wirkte sich die Übernahme aus, etwa durch einheitliche Arbeitskleidung – in Japan normal, in Kentucky nicht.

Ins klassische Schema eines Traditionsunternehmens, das von einem Großkonzern ausgepresst wird, passt der Fall aber nicht. „Das Geld ist nicht, worüber wir unglücklich sind“, erklärte Gewerkschafterin Mudd. Vollzeitkräften seien im Schnitt 23 Dollar pro Stunde angeboten worden. Der Mindestlohn in Kentucky liegt bei 7,25 Dollar. Doch die Arbeitsbelastung bringe die Angestellten ans Limit, so Mudd. Zum Teil seien Zwölfstundenschichten an sechs oder sieben Wochentagen Usus. „Alle von uns arbeiten hart und haben ein besseres Leben verdient.“

Der Hauptgrund, dass das Vertragsangebot abgelehnt und der Streik beschlossen wurde, sei „eine Atmosphäre mangelnden Respekts“ gegenüber den hart arbeitenden Gewerkschaftsmitgliedern gewesen, erklärte Mudd. Bei Beam Suntory, wie der Konzern seit dem Zusammenschluss mit den Japanern heißt, gibt man sich auf Nachfrage nach einer Stellungnahme zum Arbeitskampf schmallippig. „Wir melden uns mit einem Update, sobald es etwas Neues gibt“, heißt es von einer Sprecherin lediglich. Beide Seiten betonen, dass sie den Konflikt gerne so schnell wie möglich aus der Welt schaffen würden.

Produktionsengpässe dürfte es zwar nicht geben, da mögliche Ausfälle durch den Streik über die Destillerien in Frankfort und Loretto kompensiert werden können. Eine langwierige Auseinandersetzung um die Arbeitsbedingungen kann Beam Suntory aber trotzdem gar nicht gebrauchen. Denn das Geschäft boomt – in den USA haben die Verkäufe von Bourbon- und Tennessee-Whisky dem Branchenverband Distilled Spirits Council zufolge von 2010 bis 2015 um 32 Prozent zugenommen. 95 Prozent der weltweiten Bourbon-Produktion stammt aus Kentucky.

LN

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