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Auslandsgespräch soll nichts extra kosten

Straßburg/Lübeck Auslandsgespräch soll nichts extra kosten

Die EU will Roaming-Gebühren für Handys komplett abschaffen. Verbraucherschützer erwarten Widerstand.

Für das Telefonieren im Ausland sind derzeit noch satte Aufschläge fällig.

Quelle: Foto: dpa

Straßburg. Nachdem sie bereits seit Jahren die Kosten per Verordnung gedeckelt hatte, will die Europäische Kommission die Extra-Gebühren für Telefonate aus dem Ausland nun ganz abschaffen. Das Telefonieren mit dem Handy soll im EU-Ausland ab Juli 2016 grundsätzlich nicht mehr kosten als im Inland. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Telekomfirmen dann freiwillig auf die Extra-Gebühren (Roaming) für Handytelefonate, SMS und mobile Internetnutzung verzichten. Tun sie das nicht, müssten sie ihren Kunden unkompliziert die zeitweise Nutzung von Anbietern vor Ort ermöglichen. Für eingehende Anrufe beim Auslandsaufenthalt sollen die Extrakosten bereits ab Juli 2014 wegfallen. Auch für einen Festnetzanruf über EU-Grenzen hinweg dürften die Firmen nicht mehr verlangen als für ein Inlandsgespräch.

Einen Zwang für die Unternehmen zur Abschaffung der Roaming-Kosten sehen die Pläne zwar nicht vor. EU-Kommissarin Neelie Kroes glaubt aber, dass die Erlaubnis zur zeitweiligen Nutzung von Fremdanbietern im Ausland für die Firmen so unattraktiv ist, dass sie auf die Roaming-Aufschläge verzichten. „Wenn Sie reisen, können Sie einfach einen anderen Anbieter wählen, der Ihnen bessere Tarife gewähren wird — bei Nutzung der gleichen SIM-Karte, der gleichen Rechnung“, sagte Kroes.

Die Vorschläge benötigen die Zustimmung des Europaparlaments und der 28 EU-Staaten. Doch selbst wenn die Pläne der EU-Kommission dort eine Mehrheit finden, gilt: Der Griff zum Mobiltelefon oder Laptop könnte im Ausland weiterhin ein wenig mehr kosten als daheim. Denn „objektiv gerechtfertigte“ Extrakosten könnten die Unternehmen ihren Kunden weiter in Rechnung stellen.

„Wir finden diese Pläne durchweg positiv“, sagte Boris Wita, Experte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Es gibt keinen Grund dafür, an den Roaming- Gebühren festzuhalten, denn die Kosten für die gesamteuropäischen Netze haben sich längst amortisiert.“ Aus Verbrauchersicht wäre allerdings eine wesentlich schnellere Abschaffung wünschenswert, aber die politische Umsetzung dauere einige Zeit. Auch Andrea Sack vom Europäischen Verbraucherzentrum spricht von einer guten Nachricht. „Aber es wird mit Sicherheit noch etwas passieren. Ich erwarte, dass noch massiv Lobbyarbeit betrieben wird, um die Pläne abzumildern“, sagte sie. Sie frage sich, ob die Abschaffung der Roaming-Gebühren dazu führe, dass in Deutschland die Kosten steigen. Die derzeit gültige Verordnung zu Roaming-Gebühren laufe im Juli 2014 aus. „Man könnte die Abschaffung schon 2015 erreichen“, sagte Andrea Sack.

Ein anderer Teil des Gesetzespakets zur Neuordnung des Telekommunikationssektors ist die Frage der sogenannten Netzneutralität — der Grundsatz, dass Anbieter nicht bestimmten Internetinhalten Vorrang vor anderen einräumen sollen. Nur in bestimmten Ausnahmefällen dürften Inhalte verlangsamt oder gar blockiert werden, schreibt die EU jetzt vor.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, die Kosten für Verbraucher würden nicht sinken, wenn die Firmen die Gebühren an anderer Stelle erhöhten. „Vor solchen Überlegungen kann ich die Konzerne nur warnen.“ cri

Erfolgreiche Deckelung
70 Cent Roaming-Gebühr kostete das Herunterladen von einem Megabyte Daten noch bis Mitte dieses Jahres, seit 1. Juli sind es 45 Cent und ab Juli 2014 noch 20 Cent. Das ist der von der EU durchgesetzten Deckelung der Gebühr zu verdanken. Ausgehende Anrufe kosteten 29 Cent pro Minute, seit Juli 2013 sind es 24 Cent und ab Mitte kommenden Jahres 19 Cent. Auch die SMS-Gebühr sinkt.

LN

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