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Autofahrer bestätigen: Mein Wagen verbraucht mehr

Lübeck Autofahrer bestätigen: Mein Wagen verbraucht mehr

Die Hersteller veröffentlichen geschönte Werte, sagt eine Studie. Die LN haben sich umgehört.

Die Hersteller-Angaben zum Benzinverbrauch sind oft zu niedrig.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Der Bordcomputer von Janina Loth zeigt einen Verbrauch von 3,6 Litern auf 100 Kilometer an. „Das kann gar nicht passen“, sagt die Bürokauffrau, während sie den Tankdeckel ihres Ford C-Max abschraubt. „Dafür muss ich zu oft tanken.“ Sie verbrauche im Schnitt sechs bis sieben Liter – der Hersteller gibt einen kombinierten Verbrauch von nur 5,2 Litern an.

Statt auf den Computer zu hören, greift die 36-Jährige zur „alten Methode“: tanken, Kilometerstand ablesen, den Verbrauch errechnen.

Der reale Kraftstoffverbrauch neuer Autos liegt deutlich über dem vom Hersteller angegebenen Testverbrauch. Das ergab eine Untersuchung des Forschungsinstituts ICCT, das vor einem Jahr den Abgas-Skandal bei Volkswagen mit aufgedeckt hatte. Mit 42 Prozent Mehrverbrauch sei die Kluft dabei „so groß wie noch nie“, teilt das Institut mit.

„Das war mir schon immer klar“, betont Marco Schulz. Der Lübecker tankt an der Lohmühle gerade seinen BMW X1 voll. Dieser ist beim Hersteller mit einem kombinierten Verbrauch von 5,6 Litern gelistet.

Schulz winkt ab. „Das sind nur theoretische Werte. Die Hersteller geben immer zu wenig an. Ich verbrauche etwa zwölf Liter, fahre aber auch sehr offensiv.“

Drei Viertel der Diskrepanz zwischen Real- und Testverbrauch seien darauf zurückzuführen, dass Hersteller „immer systematischer Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen“, erklärt der ICCT-Geschäftsführer für Europa, Peter Mock. So würden zahlreiche für den Prüfstand verwendete Wagen gezielt für die Testsituation optimiert.

Michael Schulze aus Lübeck ist von diesem Vorgehen nicht überrascht. „Die Verbrauchswerte sind Prüfstandwerte. Logisch, dass da die Klimaanlage aus ist.“ Erst vor wenigen Wochen hat er sich den Mini Cooper S mit 192 PS als Firmenwagen für seine Glaserei gekauft. Statt 5,8 Liter verbraucht er ganze neun – rund 50 Prozent mehr. „Bei einer großen Maschine gibt man auch mal mehr Gas“, sagt der 54-Jährige. Er fordert strengere Testverfahren. „Da muss der Gesetzgeber etwas vorgeben. Wie soll man das sonst regeln?“

Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Bundesregierung gar aktive Mithilfe beim Steuerbetrug der Automobilkonzerne in Höhe von 2,2 Milliarden Euro in diesem Jahr vor, da die Kraftfahrzeugsteuer anteilig von den offiziellen CO2-Angaben abhänge. Der Verein fordert strafrechtliche Untersuchungen gegen die verantwortlichen Konzernchefs und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Die Mercedes-Benz E-Klasse von Martina Hauschild hat laut Hersteller einen kombinierten Verbrauch von 6,6 Litern. Die Fahrerin des Taxiunternehmens Kurzendörfer schafft es sogar, das mit 6,5 Litern zu unterbieten. „Das liegt daran, dass ich überwiegend Flughafentransfers fahre.“ Da sei sie viel auf Landstraßen unterwegs. In der Stadt schnelle der Verbrauch auf 8,5 Liter hoch. Die Herstellerwerte könnten da nur mit der „Eco-Taste“ erreicht werden. „Aber die benutze ich nicht. Ich finde es nervig, wenn das Auto im Stand ausgeht“, sagt sie.

Till Maeke fährt jeden Tag von Oldenburg bis nach Lübeck zur Berufsschule. Das sind in der Woche etwa 700 Kilometer, hauptsächlich Autobahn. Dort soll der Hyundai i30 maximal sechs Liter verbrauchen.

„An den Wert komme ich nicht ran“, sagt der 18-Jährige. Er verbrauche tatsächlich acht Liter. Doch diese Diskrepanz ist für ihn durchaus noch zu vertreten.

 Jan Dresing

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