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Wirtschaft im Norden Autofahrer tanken so günstig wie schon lange nicht mehr
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Autofahrer tanken so günstig wie schon lange nicht mehr
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15:53 19.01.2016
Marie Matthusen (21) fährt derzeit gerne tanken. Die Auszubildende aus Curau bezahlt für einen vollen Tank 43 Euro. Quelle: Fotos: Malzahn

Marie Matthusen (21) und Cenk Koc (21) fahren derzeit mit einem breiten Grinsen im Gesicht an die Zapfsäule. Während der Ratekauer das Auto an der Avia-Tankstelle in Lübeck mit Super betankt, blickt seine Freundin zufrieden zur Anzeigetafel. „Wir sind beide in der Ausbildung und fahren viel. Wir haben sonst 55 Euro für einen vollen Tank bezahlt, jetzt nur etwa 43 Euro. Das lohnt sich“, sagt sie.

Doch nicht nur für die Autofahrer, auch für die Wirtschaft ist der niedrige Ölpreis ein Grund zur Freude. Rüdiger Schacht, Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck, bewertet die Entwicklung als „willkommene Konjunkturspritze“: „Diese wirkt sich einerseits als Kostenentlastung in der Produktion aus, aber auf der anderen Seite auch als zusätzlicher Impuls bei der Nachfrage vor allem bei Dienstleistungen und Konsumgütern“, sagt Schacht. Für den Straßengütertransport und die Personenbeförderung auf der Straße gebe es Einsparungen.

Auch Hans-Jürgen Ruck, Vorsitzender der Fachgruppe Tankstellen im Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Schleswig-Holstein, sagt: „Der Umsatz ist leicht gestiegen — auch wenn die Tankstellen nur noch marginal am Kraftstoff verdienen.“ Zudem arbeiteten von den rund 14000 Tankstellen im Bundesland 9000 mit festen Agenturprovisionen, sodass sich die Schwankungen sowieso erst einmal nicht auf den Einkaufspreis auswirken werden. Aber die Autofahrer im Norden seien einfach in Tanklaune. „Der Preis des Öls tendiert noch weiter nach unten, wenn nun auch das iranische Öl auf dem Markt freigegeben wird“, so Ruck. „Dann ist Rohöl bald günstiger als Mineralwasser.“ Laut seiner Prognose wird nach dem Wegfall der Sanktionen gegen den Iran der Dieselpreis an der Zapfsäule noch bis auf 86 Cent fallen, der Preis für Super-Benzin auf 1,12 oder 1,13 Euro. Wie sich das auf längere Sicht entwickeln werde, könne jedoch niemand sagen. „Das Problem ist hierbei auch, dass viele Länder, die Öl fördern, ihre gesamte Wirtschaft darauf aufgebaut haben“, sagt Ruck. „Die negative Seite ist: Wenn da kein Geld mehr fließt, gehen diese Länder pleite.“

Die Fachvereinigung Spedition und Logistik (FSL) Schleswig-Holstein bewertet die Entwicklung „in erster Linie positiv“ für die Branche. Aber der Vorsitzende Thomas Rackow differenziert auch: „Die meisten Unternehmen vereinbaren in ihren Verträgen sogenannte Dieselfloater“. Das bedeutet: Schwankungen des Ölpreises werden ab einem bestimmten Prozentsatz an die Kunden weitergegeben — sowohl Senkungen als auch Steigerungen. „So profitieren die Unternehmen nur in einem kleinen Rahmen vom niedrigen Dieselpreis“, sagt Rackow.

Im Heizöl-Vertrieb sieht man die Entwicklung zweigeteilt. Zwar führen die derzeit niedrigen Angebotspreise von 43,10 bis 47,70 Euro bei einer Abnahme von 3000 Litern zu einer großen Nachfrage. „Aber uns macht auch das sogenannte Widerrufsrecht zu schaffen“, sagt Astrid Rüstow aus dem Bereich Verkauf bei der Nordoel GmbH. Wenn das Heizöl günstiger wird, können die Kunden das Angebot widerrufen und mit einer neuen Bestellung Geld sparen. „Der Lieferant bleibt dann auf der teureren Ware sitzen“, sagt Rüstow.

Lena Modrow und Beke Zill

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