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Azubi verunglückt: Chefs vor Gericht

Papenburg Azubi verunglückt: Chefs vor Gericht

Um Ausschuss zu vermeiden, wurden laut Anklage Sicherungen an Maschinen ausgebaut.

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Der angeklagte Geschäftsführer (von hinten zu sehen) bestritt beim gestrigen Prozessauftakt, vom Ausbau der Sicherung gewusst zu haben.

Quelle: Foto: dpa

Papenburg. Mit schockierenden Bildern eines tödlichen Arbeitsunfalls hat in Papenburg gestern der Prozess gegen Führungskräfte eines Unternehmens wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung begonnen. Angeklagt sind zwei Geschäftsführer, ein Prokurist, ein Abteilungsleiter und der Ausbilder eines tödlich verletzten 19-Jährigen. Der Auszubildende war im Juli 2010 bei Arbeiten von einer Glasschneidemaschine erfasst und zerquetscht worden. Ursache des Unfalls in einer Glasveredelungsfirma im emsländischen Dersum soll die Manipulation der Sicherheitseinrichtung an der Anlage gewesen sein.

Zum Prozessauftakt vor dem Amtsgericht bestritten die zwischen 34 und 66 Jahre alten Angeklagten, vom Ausbau der Sicherung gewusst zu haben. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass an einer solch langsam laufenden Maschine ein so schrecklicher Unfall passieren könnte“, sagte der Geschäftsführer.

Experten hatten nach dem Unfall unter der Maschine eine fehlende Lichtschranke entdeckt. Diese sollte die Anlage ausschalten, sobald ihr jemand zu nahe kam. Im Gericht gezeigte Bilder vom Unfallort ließen erkennen, dass der Auszubildende im Gefahrenbereich verletzt worden war und viel Blut verloren hatte.

Nach der Anklageschrift wären bei einer Unterbrechung der Maschine bearbeitete Glasstücke unbrauchbar geworden. Bei bis zu 60 gleichartigen Maschinen sollen auf Weisung zweier Angeklagte ebenfalls Lichtschranken entfernt worden sein. Trotz der drohenden Lebensgefahr sei der Azubi von seinem Ausbilder ohne Aufsicht an der Glasschleifmaschine eingesetzt worden.

Zwei Angeklagte zeichneten bei ihrer Vernehmung das Bild einer sozial eingestellten Firmenleitung, die sich stets um die Belange der Belegschaft kümmere. Sie entschuldigten sich bei den Eltern des Opfers, die als Nebenkläger auftraten. „Ich würde niemals aus Raffgier die Sicherheit umgehen“, sagte der Prokurist. Die Mutter des Opfers kritisierte dagegen, das Unternehmen habe sich nach dem Unfall zunächst nicht bei ihr gemeldet. Sechs Wochen nach dem Tod ihres Sohnes habe die Firma lediglich dessen Personalpapiere geschickt.

Angeklagt ist auch ein Beamter der Gewerbeaufsicht wegen versuchter Strafvereitelung im Amt. Er soll versucht haben, Mängel an der Maschine zu vertuschen. Der Prozess wird heute fortgesetzt, das Urteil soll am Freitag verkündet werden.

LN

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