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BER: Eine unendliche Geschichte

Berlin BER: Eine unendliche Geschichte

Seit zehn Jahren wird der Hauptstadtflughafen gebaut – Eröffnung endlich 2017?.

Berlin. Erinnern Sie sich an 2006? Das iPhone gab’s noch nicht, bei der Fußball-WM hieß der Teamchef Jürgen Klinsmann, und Barack Obama war Senator in Illinois. In jenem Jahr 2006 rammen an einem Spätsommertag mehrere Männer mit dunklen Anzügen ihre Spaten in den sandigen Boden vor den Toren Berlins. Baubeginn für „den modernsten Flughafen Europas“, wie es heißt. Champagner-Stimmung. „Ein glücklicher Tag für die Region“, jubelte Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister.

„Hinterher ist man

immer klüger.“ Michael Müller,

Regierender Bürgermeister

von Berlin

Inzwischen bauen die Verantwortlichen schon doppelt so lang am drittgrößten deutschen Flughafen wie damals gedacht; 2011 sollte der Prestigebau in Betrieb gehen. Inzwischen hat eine Serie geplatzter Eröffnungstermine den Flughafen für viele zum Symbol gemacht für politische Traumtänzerei und Blauäugigkeit, für Planlosigkeit und Verschwendung. Dafür stehen drei Buchstaben: BER – nach dem internationalen Kürzel des Luftfahrtstandorts Berlin.

Und wie wurde gelacht über den BER oder der Kopf geschüttelt – über Nachrichten wie diese: ein gigantischer Kabelsalat im Terminal, zu kurz geratene Rolltreppen, falsch gepflanzte Bäume, unauffindbare Räume, Licht, das sich nicht ausschalten lässt. Die offiziell genannten Kosten für den Flughafen sind seit Baubeginn von zwei Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro gestiegen, was nur zum Teil auf Erweiterungen des Projekts zurückgeht. Wowereit jedenfalls konnte sich wegen des Debakels nicht im Amt halten, auch die politische Bilanz Matthias Platzecks als Ministerpräsident Brandenburgs belastete es schwer.

In drei Jahren nahmen vier Flughafen-Geschäftsführer ihren Hut – die erstaunlichste Laufbahn rund um das Flughafenprojekt hat Hartmut Mehdorn, einer der Spaten-Männer von 2006.

Damals war er Chef der Deutschen Bahn, später führte er Air Berlin als größten Kunden der Berliner Flughäfen, dann die Flughafengesellschaft selbst. „Hinterher ist man immer klüger“, blickt Michael Müller auf das missglückte Krisenmanagement in Schönefeld zurück. Er ist der heutige Regierungschef in Berlin und Aufsichtsratsvorsitzender am Flughafen. Mit dem Wissen von heute sei es ein Fehler gewesen, die Generalplaner vom Flughafen zu entlassen. „Dadurch musste 2012 praktisch bei Null angefangen werden“, sagt Bürgermeister Müller.

Erst seit einem guten Jahr gibt es wieder so etwas wie einen Überblick über die Baustelle und einen halbwegs klaren Plan, wie daraus noch ein funktionierender Flughafen werden kann. Doch Flughafenchef Karsten Mühlenfeld und seine rechte Hand Jörg Marks stoßen immer wieder auf Altlasten – wie zuletzt das ungelöste Problem, dass am Übergang vom Terminal zum unterirdischen Bahnhof im Brandfall der Rauch nicht ordentlich abzieht.

„Es gibt noch eine Chance, 2017 zu eröffnen“, hält Mühlenfeld recht halbherzig den geltenden Zeitplan hoch. Noch aber fehlen wichtige Genehmigungen. Im Oktober soll es Gewissheit geben – nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Die Lufthansa hat sich derweil dafür ausgesprochen, die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER auf Sommer 2018 zu verschieben, um Schnee und Nebel auszuweichen.

LN

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