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Wirtschaft im Norden Bäume am Gleis: Nabu warnt vor Kahlschlag
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Bäume am Gleis: Nabu warnt vor Kahlschlag
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20:43 03.11.2017
Immer öfter sorgen umgestürzte Bäume für Zugausfälle in Norddeutschland – zuletzt am vergangenen Wochenende. Quelle: Foto: Bernd Settnik/dpa
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Kiel/Hamburg

Die schärfste Kritik kommt aus Niedersachsen. „Als Eigentümer der Gleise kommt die Bahn ihrer Verpflichtung nicht nach“, sagt Björn Pamperin, Sprecher des Eisenbahnunternehmens Metronom. „An unseren Strecken in Niedersachsen sind nicht mal sechs Meter freigeschnitten.“ Zudem würde die Bahn von der Mitte der Gleise messen. Abzüglich der Schienen und des Schotterbetts betrüge der Abstand zu Bäumen und Sträuchern somit letztlich nur vier Meter.

Gegenwind für die Bahn: Nachdem der Sturm den Zugverkehr im Norden erneut lahmgelegt hat, werden die Forderungen nach stärkerem Grünschnitt entlang der Gleise immer lauter. Von 15 Meter Abstand links und rechts der Schienen ist die Rede. Der Nabu warnt aber vor „Kahlschlag“.

Nach Auskunft der Bahn wird die Vegetation auf mindestens sechs Meter links und rechts der Gleise zurückgeschnitten (U-Schnitt, siehe Grafik). In Städten könne dieser Streifen oft nicht eingehalten werden, so eine Bahn-Sprecherin. Dort sei der Abstand wegen der Bebauung geringer. Für die Arbeiten müsse sich die DB Netz AG mit privaten Anliegern und den zuständigen Umweltbehörden abstimmen. Man sei dabei auf die Zustimmung aller Beteiligten angewiesen. An besonders gefährdeten Punkten werden Bäume darüberhinaus entsprechend ihrer Höhe und Entfernung zum Gleis auch über die sechs Meter hinaus beseitigt (V-Schnitt).

„Das reicht aus unserer Sicht nicht“, so Pamperin. Ein durchschnittlicher Apfelbaum im deutschen Garten sei vielleicht sechs Meter hoch, Eichen und Pappeln seien aber wesentlich höher. Das Unternehmen fordert daher 15 Meter Abstand rechts und links vom Schotterrand.

„Das wäre ein riesiger Kahlschlag“, warnt Ingo Ludwichowski, Landesgeschäftsführer des Nabu Schleswig-Holstein. „Damit würden wir eine Schneise der Verwüstung schlagen durch die wenigen Waldstücke, die wir haben.“ Die Stürme in diesem Herbst hätten besonders starke Schäden verursacht, da die Bäume noch belaubt gewesen seien. Das jedoch sei eher die Ausnahme.

Reinhard Meyer (SPD), Präsident des Deutschen Tourismusverbandes und bis Mai Verkehrsminister in Schleswig-Holstein, fordert die Deutsche Bahn (DB) auf, „die Bahnstrecken nachhaltig so zu gestalten, dass bei Stürmen Gleise, Oberleitungen und Signalanlagen nicht durch herabstürzende Bäume und Äste in Mitleidenschaft gezogen werden können“. Wenn diesem Ziel Gesetze oder Verordnungen im Wege stünden, müsse es zu entsprechenden Änderungen kommen – wie zum Beispiel bei Abstandsregelungen oder dem Baumschnitt. „Es darf nicht sein, dass jeder größere Sturm Riesenprobleme für den Reiseverkehr bringt“, betonte er. „Die Bahn könnte da schon mehr tun“, meint Dennis Fiedel, Sprecher vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein. Sie erfülle ihren eigenen Anspruch nicht.

Zuvor hatte schon der Fahrgastverband Pro Bahn einen besseren Freischnitt entlang der Hauptstrecken gefordert. So hatte es früher zehn Meter breite Brandschutzstreifen entlang der Gleise gegeben, erklärte Pro-Bahn-Chef Björn Gryschka aus Niedersachsen. Mit der Elektrifizierung sei dieser Abstand auf sechs Meter geschrumpft.

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) geht davon aus, dass solche Sturm-Szenarien häufiger auftreten. Sein Staatssekretär Thilo Rohlfs soll das Thema bei der Verkehrsministerkonferenz auf die Tagesordnung bringen. Buchholz: „Wir müssen eine Lösung finden, und zwar bundesweit.“

Von J. Paulat und R. Zweigler

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