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Banken: „Zeit der Kostenloskultur vorbei“

Berlin Banken: „Zeit der Kostenloskultur vorbei“

Verband rechnet damit, dass Kunden auch nach Ende der Niedrigzinsphase Gebühren zahlen müssen.

Berlin. . Bankkunden müssen sich auf dauerhaft höhere Gebühren für Dienstleistungen ihrer Geldhäuser einstellen. „Die Zeiten einer Kostenloskultur sind wahrscheinlich schon vorbei“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer, gestern auf dem Deutschen Bankentag in Berlin. „Ich glaube, dass dieser Trend anhalten wird.“

Dass Dienstleistungen etwas kosten, sei nicht nur wegen der Niedrigzinsen so: Deutsche- Bank-Chef John Cryan verwies darauf, dass die Preise für Bankprodukte in Europa im Vergleich zu den USA sehr niedrig seien.

Aus Sicht des Bankenverbandes müssen die deutschen und europäischen Institute ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Die Ertragslage sei noch nicht überall befriedigend, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Hans-Walter Peters. „Zunächst sind vor allem die Banken selbst gefordert, mit neuen und auch digitalen Geschäftsmodellen, neuen Ertragsfeldern, aber auch weiteren Kostensenkungen.“ 

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann forderte die Banken auf, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen. Zwar belasteten die niedrigen Zinsen die Ertragslage nachhaltig. Die Schwäche sei aber grundsätzlich struktureller Natur und habe bereits vor dem Niedrigzinsumfeld bestanden. Dennoch hielt Weidmann eine Debatte über das Ende der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für angebracht. „Angesichts der Aussicht auf eine fortschreitende, durchaus robuste wirtschaftliche Erholung“ sei diese Diskussion „legitim“, sagte Weidmann.

Bundestagspräsident Norbert Lammert warnte die Finanzindustrie vor neuen, riskanten Geschäftsmodellen. Inzwischen gebe es zwar „neue Einsichten, aber auch neue Versuchungen“, sagte der CDU-Politiker. In den vergangenen 25 Jahren habe sich das Volumen der Finanztransaktionen verfünfzigfacht. Die Finanzwirtschaft habe die Realwirtschaft um ein Vielfaches überholt.

Mit Blick auf eine sich abzeichnende Lockerung der Finanzmarktregulierung in den USA mahnte der Bankenverband Wettbewerbsgleichheit an: „Wir können in der Regulierung nicht schlechter dastehen als die internationalen Häuser“, sagte Peters, der auch Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank Berenberg ist. EU-Vizekommissar Valdis Dombrovskis sprach sich dafür aus, die globale Finanzarchitektur zu erhalten. Die Probleme einiger europäischer Banken mit faulen Krediten sind aus seiner Sicht keine Vorboten einer neuen Krise.

Die Chefin der europäischen Banken-Abwicklungsbehörde, Elke König, sieht die Institute inzwischen insgesamt besser aufgestellt. Sie verwies aber auf Altlasten. Zusammenschlüsse könnten ein Weg sein, Probleme zu lösen. 

Die Deutsche Bank peilt laut Chef John Cryan derzeit keine Fusionen mit anderen europäischen Instituten an. Dabei gibt es in Deutschland nach Meinung von Commerzbank-Chef Martin Zielke Bedarf nach Fusionen.

Verbandschef Hans-Walter Peters rechnet damit, dass sich im Zuge des EU-Austritts von Großbritannien die Auslandsbanken schnell entscheiden werden, sich in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten niederzulassen. Die Institute könnten nicht riskieren, in London zu bleiben. Viele Auslandsinstitute dürften sich mit einer Vollbanklizenz niederlassen; wo genau in Europa, sei offen: „Ich hoffe nicht, dass es zum großen Wettbewerb in Europa kommt.“ 

Auch Weidmann warnte davor, im Werben um die aus London abziehenden Finanzinstitute in einen Unterbietungswettbewerb bei der Regulierung zu verfallen. Der Brexit beeinflusse aber auch den Zugang von Instituten aus der EU zum Finanzplatz London: „Wir legen deutschen Banken nahe, frühzeitig Kontakt zu den britischen Aufsichtsbehörden zu suchen.“

LN

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