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Wirtschaft im Norden Bau von Kreuzfahrtriesen — eine große Chance für Werften
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Bau von Kreuzfahrtriesen — eine große Chance für Werften
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21:20 08.04.2016
Das Kreuzfahrtschiff „Ovation of the Seas“ lag im März dieses Jahres bei der Werft Blohm + Voss im Hamburger Hafen. Quelle: Fotos: Bockwoldt/dpa, Fotolia
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Hamburg

. Die bei Urlaubern immer beliebter werdenden Kreuzfahrten bescheren deutschen Werften volle Auftragsbücher. Weltweit gebe es Aufträge für 55 Kreuzfahrtschiffe mit einer Tonnage von knapp sieben Millionen Tonnen, sagte der Schifffahrtsexperte von der Bremer Agentur für Struktur- und Personalentwicklung (AgS), Thorsten Ludwig, gestern in Hamburg. Nur eins werde davon in Japan gefertigt. Alle anderen entstünden in Europa, wobei allein auf die niedersächsische Meyer-Werften-Gruppe 19 und auf die sich neu im Markt etablierende Lloyd-Werft-Gruppe drei Modelle entfielen.

Die Beschäftigten erwarten, dass nun möglichst bald der Bau der Schiffe starten kann.“Meinhard Geiken, IG Metall Küste

Bis 2018 kämen voraussichtlich rund 30 Schiffe auf den Markt, sagte Ludwig, der seine Studie im Auftrag der IG Metall erstellt hat. Im Vergleich zu anderen Schiffbausparten sei das „exorbitant toll“.

Und auch für die Zukunft sei er zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass sich dieses Niveau, zehn Schiffe pro Jahr weltweit, bis ins nächste Jahrzehnt fortsetzen wird.“ Fast die Hälfte sei dabei für den asiatischen Markt bestimmt. Seien dort Anfang des Jahrtausends noch vorwiegend Schiffe genutzt worden, die auf den Nordamerika- und Europarouten ausgedient hätten, würden nun „große Neubauen mit exklusiven Angeboten speziell für den asiatischen Markt produziert“.

Der große Wettbewerbsvorteil für die deutschen und europäischen Kreuzfahrtschiff-Werften bestehe in ihrem hohen Spezialisierungsgrad, „dass man hier langjährige Erfahrung im Bau komplexer, großer Systeme hat“, sagte Ludwig. Hinzu komme, dass auch die Zulieferindustrie auf höchstem Niveau arbeite. Möglich sei dies jedoch nur mit qualifiziertem Personal, vor allem Facharbeitern, betonte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. „Es reicht nicht aus, wenn man Ingenieure hat, die durch ihre Ingenieurskunst ganz tolle Sachen entwickeln. Man muss auch Menschen in den Betrieben haben, die diese Ingenieurskunst umsetzen können.“

Trotz rosiger Aussichten rechnet Schiffbauexperte Ludwig perspektivisch mit Konkurrenz aus China. „Man geht davon aus, dass 2030 zwischen 7,5 und acht Millionen Chinesen im Jahr eine Kreuzfahrt buchen werden.“ Derzeit seien es noch eine Million. Es sei also davon auszugehen, dass China diesen Markt auch mit dem Bau von Kreuzfahrtschiffen bedienen wolle. Ein Indiz sei, dass sich 2014 der größte chinesische Schiffbaukonzern CSSC, die italienische Fincantieri und die britisch-amerikanische Carnival Corporation als größtes Kreuzfahrtunternehmen der Welt verständigt haben und nun prüfen, inwiefern in China das Design und die Produktion von Kreuzfahrtschiffen für den chinesischen Markt aufgebaut werden kann.

„Nach den massiven Problemen beim Bau von zwei Aida-Schiffen bei Mitsubishi in Japan sind die Versuche der asiatischen Konkurrenz, in den stark wachsenden Markt einzusteigen, vorerst gescheitert“, sagte Meinhard Geiken. Er begrüßte, dass der asiatische Genting-Konzern im vergangenen Jahr die Lloyd Werft gekauft und auch die drei Nordic Yards Werften in Mecklenburg-Vorpommern übernimmt. „Die Beschäftigten in Bremerhaven, Rostock-Warnemünde, Stralsund und Wismar erwarten, dass nun möglichst bald die Strukturen geschaffen werden, damit die Konstruktion und der Bau der Schiffe starten können.“ Allerdings fehle nach wie vor ein Unternehmenskonzept. „Wir brauchen da Transparenz.“ Nach Gewerkschaftsangaben beschäftigen die Meyer Werft und die Lloy dWerft-Gruppe im Kreuzfahrtbereich allein in Deutschland 5500 Mitarbeiter. In der gesamten Schiffbauindustrie arbeiteten derzeit 90000 Menschen, etwa 15

000 davon direkt auf den Werften.

LN

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