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Wirtschaft im Norden Bauarbeiter müssen nicht mehr für ihre Unterkunft zahlen
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21:15 10.01.2017
An vielen Großbaustellen – hier die auf dem zukünftigen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg – wohnen Bauarbeiter in Unterkünften. Quelle: Foto: Zb
Lübeck

Bauarbeiter sind seit dem Jahreswechsel besser gestellt: Der Chef ihres Bauunternehmens muss ihnen auf Montage jetzt nicht nur eine Unterkunft stellen, sondern diese auch komplett bezahlen. Anders als bisher dürfen Firmen nichts von der sogenannten „Auslöse“ abziehen. „Im Container übernachten und das auch noch selbst bezahlen – damit ist jetzt Schluss“, erklärt Uwe Hahn, Bezirkschef der IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU).

Bisher habe folgende Regelung gegolten: Wer mehr als einen Tag für den Betrieb unterwegs war, bekam vom Arbeitgeber eine „Auslöse“ von 34,50 Euro pro Kalendertag und musste davon häufig selbst die Unterkunftskosten bestreiten. „Zu diesem Preis ein Zimmer in der Großstadt zu finden, war meist ein Ding der Unmöglichkeit“, erklärt Hahn. Wenn der Chef die Unterkunft selbst organisierte, konnte er den Beschäftigten bis zu 6,50 Euro von der Tagespauschale abziehen – auch für den Bau-Container.

Die neue Regelung sei nun ein Durchbruch. „In den meisten Branchen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Arbeitgeber die Übernachtung bezahlt, wenn man für die Firma unterwegs ist. Das gilt jetzt endlich auch für den Bau“, sagt Hahn. Zwar hätten manche Bauunternehmen betriebsintern schon heute vernünftige Unterkunftsregelungen. Die vom Chef organisierte und bezahlte Übernachtung gelte nun jedoch erstmals bundesweit für alle Betriebe.

Im Kreis Ostholstein sind es 222 Betriebe mit 1430 Mitarbeitern, in Lübeck 130 Betriebe mit 1700 Mitarbeitern, im Kreis Segeberg 293 Betriebe mit 2400 Mitarbeitern. Im Kreis Herzogtum Lauenburg betrifft es 208 Baufirmen mit 1590 Mitarbeitern, in Stormarn 212 Firmen mit 2070 Mitarbeitern.

Die Regelung ist Teil des Tarifvertrags für das Bauhauptgewerbe, den IG BAU und Arbeitgeberverbände 2016 unterzeichnet haben. Darin sei für Auswärts-Jobs auch eine Verpflegungspauschale von 24 Euro pro Arbeitstag festgeschrieben. Durch eine Betriebsvereinbarung kann sie bis auf 28 Euro erhöht werden. Die neue Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) sei einerseits eine Absicherung für die Bauarbeiter, andererseits aber auch eine Stärkung der Baubetriebe vor Ort, sagt IG-BAU- Regionalleiter André Grundmann. „Die Regelung müssen alle Unternehmen befolgen, auch die tarifungebundenen“, so Grundmann. Auch Baufirmen aus Osteuropa, die als Subunternehmer hier arbeiteten, müssten sich daran halten.

Der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein begrüßt die neue Regelung. „Das dient der Angleichung des Wettbewerbs zwischen Bauunternehmen und ist ein Fortschritt auf dem Weg, den Markt transparenter zu machen. Deshalb finden wir das gut“, sagt Hauptgeschäftsführer Georg Schareck. Im Baugewerbeverband sind 1000 Betriebe mit insgesamt 22000 Mitarbeitern organisiert. „Unser Ziel war es, damit Schlupflöcher zu stopfen“, fügt er hinzu. Auch Schwarzarbeit werde so eingedämmt.

Nach Angaben der Bau-Innung Lübeck sind hiesige Betriebe nicht betroffen, weil sie kaum weit entfernte Baustellen haben. Es gehe eher um große, tarifungebundene Unternehmen. Baufirmen in Mecklenburg-Vorpommern etwa sind seit 2005 nicht mehr im Tarifvertrag, so der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein. Die neue Regelung gelte aber auch für sie.

Christian Risch

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