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Wirtschaft im Norden Bauboom im Norden versetzt die Tourismusbranche in Euphorie
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21:16 27.06.2016
Das Hafenhotel „Meereszeiten“ (Mitte) war in Heiligenhafen (Ostholstein) erst der Anfang. Noch in diesem Jahr eröffnen an der Promenade zwischen Yachthafen und Strand zwei weitere Hotels. Der Ort erfindet sich – wie derzeit viele andere an der Küste – neu. Quelle: Hafenhotel Meereszeiten

Der Tourismus in Schleswig-Holstein eilt derzeit von einer Erfolgsmeldung zur nächsten. Alle Welt, so scheint es, will in diesem Jahr nach Schleswig-Holstein. Und wenn man der Statistik glaubt, wollen die meisten davon an die Ostsee. Dabei hatte die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen in ihrer Prognose Anfang des Jahres zwar von einem anhaltenden Trend zum Inlandsurlaub gesprochen. Gleichzeitig aber warnte das Institut vor Überschwang: Die Terrorangst der Bundesbürger sei mutmaßlich so groß, dass ein erheblicher Anteil von Menschen seinen Urlaub 2016 wohl auf Balkonien verbringe.

Doch Pustekuchen. Die Übernachtungs- und Gästezahlen in Schleswig-Holstein brechen Rekorde. Wirtschafts- und Tourismusminister Reinhard Meyer (SPD) findet beinahe im Wochenrhythmus Gelegenheit festzustellen, wie großartig die von ihm mitausgedachte „Strategie 2025“ bereits greift. Sie beinhaltet, das Urlaubsland Schleswig-Holstein endgültig zu einem Ganzjahresziel zu machen – neben dem nicht ganz unbescheidenen Ziel von 30 Millionen Übernachtungen jährlich. Und das, obwohl die Kirche der Landesregierung mit der Drohung, gegen die Bäderordnung zu klagen, zuletzt ein paar verkaufsoffene Sonntage an der Küste abknapste.

Gestern durfte sich der Minister durch die jüngste Konjunkturumfrage der IHK Schleswig-Holstein bestätigt sehen. Danach hat sich das nördlichste Bundesland zwischen November 2015 und April 2016 zu einem der gefragtesten Reiseziele auch in der Nebensaison entwickelt. Für diesen Zeitraum liegt der IHK-Index auf einer Skala von 0 bis 200 bei durchschnittlichen 136,3 Punkten und damit noch einmal 8,9 Punkte über dem Vorjahreswert. Dieser aktuelle touristische Klimaindex liegt dabei nur noch knappe 0,2 Punkte hinter dem herausragenden Sommer-Ergebnis von 2015. Zugleich übertrifft er den Wert der IHK Nord, der die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein gemeinsam abbildet, um fünf Index-Punkte.

Eine Sorge aber bleibt der Branche: Der spürbare Fachkräftemangel habe im Gastgewerbe weiter zugenommen, so die IHK-Umfrage. Er wird von den meisten Befragten als größtes Risiko für die Entwicklung ihrer gastronomischen Betriebe bewertet. Die Zahl der Arbeitsplätze blieb konstant.

Den größten Optimismus unter den Geschäftsleuten versprühen derweil die geplanten Investitionsvorhaben – nachdem schon in den vergangenen Jahren ordentlich aufgeholt wurde. Nicht immer sind es kommunale Vorhaben, den Riesenanteil an Investitionen haben – natürlich – Unternehmer. Aber es sind eben die Kommunen, die sich nicht wie früher in den Weg schmeißen, sondern ihrerseits den roten Teppich ausrollen.

Heiligenhafen baut an einem neuen touristischen Zentrum, unweit von Fischerei- und Seglerhafen. Die ersten Ferienhäuser des „Strand-Resort“ haben bereits eröffnet. Im August folgt die Eröffnung der „Bretterbude“ und zum Winter das „Beach Motel“, beides Hotels nach dem Vorbild von St. Peter-Ording (Nordfriesland). Von Pelzerhaken bis Rettin (Ostholstein) ist eine neue Promenade entstanden. Auch Grömitz hat noch einmal Großes vor und überplant das ehemalige Freibadgelände unmittelbar am Strand. In Lübeck schließlich holt das Projekt „Waterfront“ den Priwall endgültig aus dem Dornröschenschlaf. In der Ferienanlage entstehen voraussichtlich bis Ende 2018 rund 1500 Betten. Vis-a-vis lässt Investor Horst Rahe (Louis C. Jacob) das zweite A-ja-Hotel in Schleswig-Holstein auf dem ehemaligen Aqua-Top-Gelände entstehen.

„Die Ansprüche unserer Gäste haben sich verändert. Deshalb müssen wir unser Angebot auch ständig weiterentwickeln“, gibt Katja Lauritzen, Geschäftsführerin des Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT), die Marschrichtung vor. Die Kapazitäten werden gebraucht. Die Ostseeküste ist für die Hochsaison fast ausgebucht.

Curd Tönnemann

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