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Bauern freuen sich auf ein gutes Kartoffeljahr

Ehndorf Bauern freuen sich auf ein gutes Kartoffeljahr

Viel Regen, hohe Erträge – Absatz für Produktion von Chips und Pommes steigt.

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Mitarbeiter Christian Schümann (24) im Kühlraum. Diese Kartoffeln gehen geschält und in Folie eingeschweißt an die Gastronomie.

Ehndorf. Wie schön doch Kartoffelpflanzen sind. Hüfthoch steht das zarte, buschige Grün, es treibt weiße Blüten. Thilo Kracht (46) ist mit seinem Nissan Pickup rausgefahren aufs Feld, hineingewatet in die Pflanzen. Eine hat er herausgezogen, in den Wurzeln hängen viele kleine Knollen.

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Viel Regen, hohe Erträge – Absatz für Produktion von Chips und Pommes steigt.

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„Am liebsten esse ich Kartoffeln mit Schale, dazu Sour Cream oder Quark und Schinken.“ Thilo Kracht, Kartoffelbauer

„Die müssen noch wachsen“, stellt der Kartoffelbauer aus Ehndorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit Kennermiene fest. „Aber im Ansatz ist das sehr vielversprechend.“ Almonda heißt die Sorte, im September soll sie geerntet werden und dann, so Kracht, geht sie geschält und in Würfel geschnitten an die Konservenindustrie.

Fertig geschälte Kartoffeln, vorwiegend für die Gastronomie sowie Knollen für Pommes und Chips machen mittlerweile den Hauptanteil am Umsatz der Kracht Kartoffel GmbH & Co. KG in Ehndorf aus. „Der Anteil, den wir an den Großhandel und Lebensmittelketten zum Verbrauch im Familienhaushalt verkaufen, wird jedes Jahr geringer“, so der Landwirt. „Früher war das mal die Hälfte des Umsatzes, heute sind es noch 20 Prozent.“

Bundesweit geht der Pro-Kopf-Verbrauch zurück: Wurden 2010 noch etwa 65 Kilo Kartoffeln verzehrt, waren es 2014 nur noch 58 Kilo.

Der Bundesbauernverband konstatiert dementsprechend einen kontinuierlichen Rückgang der Anbaufläche. Auf 234100 Hektar wurden voriges Jahr in Deutschland noch Kartoffeln gezogen, 11000 Hektar weniger als 2014. Zugleich wurden mit 9,9 Millionen Tonnen 15 Prozent weniger Kartoffeln geerntet. Immer mehr Landwirte würden sich vom Anbau des einstigen Hauptnahrungsmittels der Deutschen verabschieden. „Kartoffelanbau ist kostenintensiv und pflegeaufwendig“, sagt Karsten Lorenz vom Bauernverband in Brandenburg, wo der Rückgang besonders spürbar ist.

Auch in Schleswig-Holstein haben längst viele Bauern den Kartoffelanbau aufgegeben, weiß Thilo Kracht. „Über die letzten 25 Jahre hat bestimmt die Hälfte aufgehört.“ Sein Betrieb sei entsprechend gewachsen. „Bei uns Kartoffelbauern gilt freie Marktwirtschaft, subventionierte Preise gibt es nicht.“ Kracht beliefert inzwischen Groß- und Einzelhändler bis nach Bremen und in den Raum Hannover. Zu seinen Kunden gehören Großhändler wie Chefs Culinar, Lebensmittelketten wie Edeka und der Hamburger Großmarkt.

Sein Umsatz steigt. Den Rückgang bei den Haushaltskartoffeln zum Selberschälen könne er durch wachsende Nachfrage bei Chips und Pommes auffangen. „Der Gesamtabsatz ist gleich geblieben.“

Die Kracht Kartoffel GmbH, die er Anfang der 90er-Jahre mit seinem Bruder gründete, hat heute 25 Mitarbeiter, vier Hallen Trocken-Lagerraum für 8000 Tonnen Kartoffeln und einen eigenen Schälbetrieb samt Kühlhaus.

Auf 190 Hektar baut Kracht Kartoffeln an, pro Jahr erntet er 19000 Tonnen. „Bis zu 4000 Tonnen kaufen wir noch zu.“ Auf weiteren 500 Hektar wachsen Raps und Getreide. Diese Früchte machen jedoch nur zehn Prozent des Umsatzes aus.

Natürlich, so Kracht, sei der Kartoffelanbau aufwendig. „Jedenfalls, wenn man hohe Erträge und eine ordentliche Schalenqualität haben will.“ Vernünftiges Pflanzgut, das überwiegend an der schleswig-holsteinischen Westküste produziert werde, sei Voraussetzung.

Auch Kracht sieht jedoch die Abkehr des Verbrauchers von der selbst zu schälenden Kartoffel mit einer gewissen Sorge. Kartoffeln würden von jungen Leuten als Nahrungsmittel nicht mehr geschätzt, glaubt er. „Spaghetti und Pizza haben ihren Platz eingenommen.“ Dabei seien Kartoffeln gesünder: „Sie enthalten gesundes Eiweiß, Vitamin C und machen nicht dick.“

Es könne theoretisch sein, dass der Pro-Kopf-Verbrauch eines fernen Tages so weit sinke, dass das Geschäft nicht mehr lohne. „Dann müssen wir eben etwas anders machen.“

Dieses Jahr aber werde voraussichtlich ein gutes Kartoffeljahr. „Viel Regen, hohe Erträge“, freut sich Kracht schon jetzt. Montag laufe bei ihm die Frühkartoffelernte an. „Leyla und Princess, das sind die frühen Sorten.“ Später kommen Belana, Linda und Almonda an die Reihe. Alles überwiegend festkochende Sorten.

Die isst Bauer Kracht auch selbst. „Am liebsten gut gewaschen und mit Schale, dazu Sour Cream oder Quark und Schinken. Lecker.“

Nahrhafte Knolle

Die Kartoffel stammt aus Südamerika, wo sie ursprünglich vorwiegend in den Andenregionen wuchs. Sie enthält zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und Stärke.

Im 16. Jahrhundert gelangte die Kartoffel nach Europa. Ende des 17. Jahrhunderts kannte man sie in Teilen Österreichs und Bayerns, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde sie in Sachsen und Preußen kultiviert. Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) bemühte sich, die nahrhafte Knolle bei der Bevölkerung einzuführen.

Weltweit gibt es rund 5000 Kartoffelsorten. Jährlich werden mehr als 350 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Damit zählt das Nachtschattengewächs zu einem der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Erde. Zu den größten Anbauländern gehören China, Indien und Russland.

Marcus Stöcklin

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