Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Bauern im Norden skeptisch
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Bauern im Norden skeptisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:04 10.10.2018
Die Dürre im Sommer machte den Bauern schwer zu schaffen. Die Landwirte Steffen Haak (l.) und Harder Ratjen stehen auf einem Feld mit vertrockneten Winterroggen bei Aukrug-Homfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin/Kiel

Wer schnell hilft, hilft doppelt, sagt das Sprichwort. Doch die von der Dürre betroffenen Landwirte im Norden schauen skeptisch auf die von der Politik zugesagten raschen Hilfen für notleidende Betriebe. Zwar versprach Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erst kürzlich im Gespräch mit den LN: „Wir wollen, dass die Hilfen zielgenau und rasch dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden.“ Und inzwischen ist auch die entsprechende Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern unterzeichnet worden, doch mit der Umsetzung des 340-Millionen-Unterstützungsprogramms – je zur Hälfte vom Bund und den Bundesländern finanziert – geht es offenbar nicht so schnell voran, wie das die Landwirte erhoffen. Die Kieler Landesregierung hat zehn Millionen Euro für Hilfen bereit gestellt.

Die Einschätzung von Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Landesbauernverbandes Schleswig-Holstein, klingt allerdings ernüchternd. „Dieses Hilfsprogramm ist nicht geeignet, den betroffenen Betrieben kurzfristig zu helfen“, sagte er den LN. Hintergrund ist ein reichlich kompliziertes Antragsverfahren, bei dem die Landwirte nicht nur ihre Schadensberechnung vorlegen müssen, sondern auch die Liquidität in den vergangenen drei Jahren. Auch werde eine Übersicht über kurzfristig verwertbares Vermögen und etwaige Einkünfte vom Ehepartner verlangt. Die Masse der Betriebe im Norden werde kein Geld aus dem Hilfsprogramm erhalten, erwartet deshalb Klaus-Peter Lucht, Milchbauer mit 150 Kühen aus Mörel im Kreis Rendsburg-Eckernförde und zugleich Vizepräsident des Bauernverbandes im Norden. Er hält das Antragsverfahren für „zu kompliziert“. Viele Berufskollegen würden deshalb vermutlich auf staatliche Hilfen verzichten.

Aus dem Kieler Landwirtschaftsministerium hieß es, das „Online-Antragsverfahren“ für die Dürrehilfen werde „Mitte Oktober“ gestartet. Anträge könnten dann bis Ende November gestellt werden. Nähere Informationen werde es voraussichtlich am Freitag auf der Homepage des Ministeriums geben. Am Dienstag trafen sich die Spitzen des Landesbauernverbandes mit dem neuen Ressortminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zum Gespräch. Die staatlichen Dürrehilfen sollen ein Thema gewesen sein.

Das Landwirtschaftsministerium in Kiel verweist zudem darauf, dass für notleidende Betriebe „noch in diesem Jahr Abschläge auf die endgültige Dürrehilfe ausgezahlt“ werden sollen. Und Stephan Gersteuer meint zuversichtlich, jeder, der einen berechtigten Antrag stelle, werde auch Hilfe bekommen. In diesem Fall gelte das „Windhund-Prinzip“ nicht.

Reinhard Zweigler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!