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Wirtschaft im Norden Bauern steht schwieriges Jahr bevor
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12:27 07.12.2017
Abgesoffen: In riesigen Pfützen steht der abgeerntete Mais auf Feldern in der Nähe von Barnitz. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Auf den Feldern von Detlef Möller in Klein Wesenberg (Kreis Stormarn) steht das Wasser. Manchmal knöchelhoch, in den Senken sogar kniehoch. Der 53-Jährige, der auf 200 Hektar Raps, Weizen, Gerste, Mais und Roggen anbaut, spricht von einem „extremen Jahr“. Mehr als 1000 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter seien schon gefallen. „Das ist viel zu viel“, sagt Möller. „So etwas haben wir noch nicht erlebt.“ Den Mais hat er nicht vollständig ernten können. Und auch das Wintergetreide konnte nur zur Hälfte gesät werden, weil die Flächen nicht befahrbar waren. „Auf Feldern, die unter Wasser stehen, gibt es keine Ernte“, sagt Möller.

 

„So etwas haben wir noch nicht erlebt.Ackerbauer Detlef Möller (53)

„Die Situation ist sehr angespannt, die Stimmung mäßig“, erklärt Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Vor allem die schweren Böden nordöstlich der Linie Bad Oldesloe-Breitenfelde-Büchen hätten nicht bearbeitet werden können. „Das Wintergetreide konnte zum Teil nicht bestellt, die Gülle nicht ausgebracht werden.“ Manchen Kollegen, die es zwar geschafft hätten, Getreide zu säen, sei die Saat ausgelaufen. „Ein Totalausfall“, sagt Koll.

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Nach Angaben der Landwirtschaftskammer hoffen nun viele Landwirte auf das Frühjahr. Sie wollen im März Hafer, Ackerbohnen sowie Sommerweizen und -gerste anbauen. „Dafür brauchen wir aber einen knackigen Winter, der das Wasser ablaufen lässt“, so Sprecherin Daniela Rixen. Sie befürchtet zudem, dass das Saatgut knapp wird. „Die Ackerbauern haben zwei schwere Jahre hinter sich. Und 2018 kündigt sich auch schon so an.“ Risikomanagement werde für die Landwirte immer wichtiger, so Rixen. Schließlich sei nach Meinung von Klimaforschern damit zu rechnen, dass extreme Wetterereignisse zunehmen.

„Um die Verluste zu minimieren, setzen viele Kollegen jetzt auf Sommergetreide“, bestätigt Koll. Allerdings seien die Erträge deutlich geringer als beim Wintergetreide. „Es ist absehbar, dass wir geringere Erlöse haben werden.“

Schlimm ist die Lage auch an der Westküste. Besonders betroffen sind nach Angaben des Kreisbauernverbandes Südtondern die Kartoffelbauern. Weil sich die Nässe staut, beginnen die Kartoffeln im Boden zu faulen. Aber auch Möhren und Kohl versinken im Schlamm. Unterdessen hat Nordfrieslands Kreisveterinär Tierhalter aufgefordert, das Vieh in trockenen Ställen unterzubringen. Selbst Schafe und Galloways bräuchten einen trockenen Platz, an dem sie sich hinlegen könnten, betont Kreissprecher Hans-Martin Slopianka. Man habe bereits sieben Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen Tierhalter eingeleitet.

Für die Gülle, die seit Mitte Oktober wegen der nassen Böden nicht ausgebracht werden konnte, ist inzwischen eine Notlösung gefunden worden. Auf Antrag können Bauern provisorische Güllelager einrichten, sogenannte Behelfslagunen. Dabei müsse sichergestellt sein, dass Grund- und Oberflächenwasser geschützt sind – durch Spezialfolien. Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einer „Ausnahmesituation, die die Landwirte belastet und zu akuter Gefahr für die Umwelt werden kann, wenn Güllebehälter überlaufen“.

Wie viele Landwirte in der Region Lübeck Ausweichquartiere für die Gülle brauchen, ist nicht bekannt. „Wir überlegen schon, ob es Notlösungen geben kann“, sagt Koll. Die Behelfslagune könne für den einzelnen Landwirt zwar die Rettung sein, meint sein Kollege Lutz Schlünzen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Lübeck-Ostholstein. „Aber sie kostet Geld.“

 Von Julia Paulat

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