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Wirtschaft im Norden Bauern wollen 70 Prozent der Wildschweine töten
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Bauern wollen 70 Prozent der Wildschweine töten
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22:01 11.01.2018
Die Bestände an Wildschweinen sind im Norden hoch, deswegen könnte sich die Seuche rasch ausbreiten. Quelle: Foto: Friso Gentsch/dpa
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Kiel

Wildschweine gelten als wichtige Überträger der Seuche, erklärte Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz gestern auf einer Pressekonferenz in Kiel. Seit 2014 breite sich die Schweinepest aus der Ukraine kommend über Russland und Polen aus. Auch in Tschechien habe es einen ersten nachgewiesenen Fall gegeben.

Mehr Wildzäune, die eine Wanderung der Tiere nach Westen verhindern, vor allem aber die Erlaubnis des Landes, Wildschweine hier auch mit Großfallen und Nachtsichtgeräten jagen zu dürfen – das seien die Forderungen an das Kieler Umweltministerium, so Schwarz. Außerdem müssten Berufspendler etwa aus Polen dafür sensibilisiert werden, keine fleischlichen Nahrungsmittel aus der Heimat mitzubringen. In Schinken beispielsweise könne das Virus bis zu sechs Monate lang überleben, sagt Vorstandsmitglied Dietrich Prittschau. An den Autobahnraststätten sollten daher beispielsweise auch Lkw-Fahrer darauf hingewiesen werden, Essensreste von aus Polen mitgebrachten Mahlzeiten oder Snacks nicht in die Mülleimer auf der Raststätte zu entsorgen, sondern später sicher im Hausmüll. Wildschweine, die die offen zugänglichen Mülleimer auf den Raststätten nachts durchwühlen würden, könnten sich sonst womöglich an den Essenresten infinzieren.

Die Raststätten sollten ohnehin am besten eingezäunt und Lkw, die die Grenze passieren, regelmäßig desinfiziert werden, fordert Schwarz. Käme es hierzulande zu einem Ausbruch der Seuche, wäre der Export von Schweinefleisch aus ganz Deutschland sofort verboten, die Tiere in betroffenen Ställen würden getötet werden. Damit drohten Milliardenschäden, rechnet der Bauernverband vor. Vor allem kleine Betriebe könnten in ihrer Existenz bedroht sein.

Im Kieler Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ist man angesichts der Forderungen noch zurückhaltend. Eine Jagd mit Nachtzielgeräten, wie sie auch das Militär in Gebrauch hat, habe man verworfen, hieß es aus der Behörde von Grünen-Minister Robert Habeck. Welche Maßnahmen stattdessen ergriffen werden sollen, will der Minister heute in einer Pressekonferenz erklären.

Auch die Gülle macht Landwirten Sorgen

Große Probleme bereitet den Bauern im Norden die seit Monaten angehäufte Gülle, die wegen der nassen Böden nicht ausgebracht werden konnte. „Die Behälter sind zum Überlaufen voll“, sagt Bauernpräsident Werner Schwarz. Seit dem 15. April 2017 habe es nur eine einzige Woche gegeben, in der weniger als zwei Liter Regen pro Quadratmeter gefallen seien.

Neun Gülle-Notlager mit einem Gesamtvolumen von 10 000 Kubikmetern wurden laut Umweltministerium in Kiel bisher in Schleswig-Holstein eingerichtet. Es habe aber auch Fälle gegeben, in denen Landwirte den Dünger ungenehmigt ausgebracht hätten, berichtet Sprecherin Nicola Kabel. Dank einer Sondergenehmigung dürfen Bauern vom 16. Januar an damit wieder auf den Acker. Normalerweise herrscht eine Sperrfrist vom 1. November bis zum 31. Januar. Auf Dauer brauche man mehr Lagerkapazitäten und für die Schaffung Unterstützung vom Staat, fordert Schwarz.

 Wolfram Hammer

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