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Wirtschaft im Norden Baustelle strapaziert Geduld der Fluggäste
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Baustelle strapaziert Geduld der Fluggäste
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07:16 22.09.2017
Das Vorfeld des Hamburger Flughafens wird in mehreren Etappen erneuert. Zurzeit ist eine Fläche direkt am Terminal 1 an der Reihe. Quelle: Hamburg Airport
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Hamburg

Passagiere berichten, dass sie bis zu einer Stunde in der gelandeten Maschine ausharren mussten, bevor sie zum Flughafengebäude gebracht wurden. Dort hätten sie dann auch noch längere Zeit auf ihr Gepäck warten müssen. Auf der anderen Seite sei es wegen fehlender Busse zu verspäteten Abflügen gekommen. Auf der Facebook-Seite des Flughafens äußern sich zahlreiche Betroffene empört über das Chaos. „Man hat uns aus dem Flieger aussteigen lassen, um uns dann mehr als 20 Minuten bei morgendlicher Kühle auf einen Bus warten zu lassen“, berichtet ein Fluggast. „Ich habe noch nie so lange auf meinen Koffer gewartet. Unmöglich. Das Warten dauerte länger als der Flug von Brüssel“, schreibt ein Mann, und ein anderer Passagier schimpft: „Der schlimmste Flughafen in ganz Europa. Nichts funktioniert: Abfertigung, Gepäck, Sicherheitskontrolle . . . alles dauert ewig.“

Airport-Sprecherin Janet Niemeyer räumt ein, dass die Situation in Hamburg nach wie vor schwierig sei. Der Hauptgrund sei eine Großbaustelle auf dem Vorfeld. Seit Mitte Juli wird ein 34500 Quadratmeter großer Abschnitt direkt am Terminal 1 grunderneuert, die 40 bis 60 Jahre alten Betonplatten müssen ausgetauscht werden. „Vier Fluggastbrücken sind dadurch momentan nicht nutzbar“, sagt Niemeyer. Die Folge: Es müssten mehr Flugzeuge als sonst mit Bussen angefahren werden, um die Passagiere hin- oder zurückzubringen. „Wir haben zu Spitzenzeiten doppelt so viele Busfahrten wie sonst“, berichtet sie. Es seien zwar zu Beginn der Bauarbeiten zehn neue Busse angeschafft und 26 zusätzliche Fahrer eingestellt worden, dennoch ließen sich Wartezeiten nicht ganz verhindern.

Zu Stoßzeiten sei es durch die Baustelle auf dem Vorfeld so voll, dass es zu Behinderungen und Staus komme. „Flugzeuge haben immer Vorfahrt“, erklärt sie. „Dadurch kann es vorkommen, dass Busse und Gepäckwagen irgendwo fünf Minuten warten müssen.“ Zudem müssten Umwege gefahren werden, Baustellenfahrzeuge verdichteten den Verkehr zusätzlich. Niemeyer spricht von „Zuständen wie im morgendlichen Berufsverkehr auf der Autobahn 7“. Und diese könnten noch eine Weile anhalten. Erst Mitte 2018 seien wieder alle Fluggastbrücken einsetzbar, berichtet sie. Dann sei die Baustelle nicht mehr direkt am Terminal, sondern in hintere Bereiche des Vorfelds „weitergewandert“.

Die Probleme bei der Gepäckentladung seien zum Teil auch auf die Staus zurückzuführen, dazu komme Personalmangel. Im August und September seien jeweils 20 neue Bodendienst-Mitarbeiter eingestellt worden – die Fluktuation sei aber hoch. „Wir suchen weiter Personal, aber das geht nicht so schnell“, sagt Niemeyer. So müssten die Bewerber einer strengen Sicherheitsüberprüfung standhalten, die allein sechs Wochen dauere. Zudem konkurriere der Flughafen mit Branchen wie der Gastronomie oder dem Handwerk, die ebenfalls Personal suchten.

Auch die Bodendienst-Mitarbeiter selbst fordern Verstärkung. Sie haben sich in einem offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gewandt. „Wir arbeiten seit Jahren mit zu wenig Personal“, heißt es in dem Schreiben, das von 330 Beschäftigten unterzeichnet wurde. „Viele von uns gehen seit Jahren körperlich an ihre Grenzen. Jetzt sind wir an einem Punkt, wo diese Grenzen überschritten sind und unsere Gesundheit massiv in Gefahr gerät.“

 Von Janina Dietrich

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