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Behörde kämpft mit dem Abgas-Skandal

Flensburg Behörde kämpft mit dem Abgas-Skandal

Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg soll die Autoindustrie kontrollieren und steht im Fokus wie nie zuvor.

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Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg ist vor allem für die Verkehrssünderdatei bekannt.

Quelle: Volkmar Schulz/keystone

Flensburg. . Über zwei Dinge kann sich das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg derzeit nicht beklagen: mangelnde Arbeit und mangelnde Aufmerksamkeit. Das „stille Haus an der Förde“, wie die Bundesoberbehörde bisweilen genannt wird, erfährt seit Monaten im Zuge des Abgas-Skandals von Volkswagen eine internationale Berühmtheit, die es seit der Gründung 1951 wohl nicht einmal durch die Verkehrssünderdatei erlangen konnte.

Seit Anfang des Jahres wacht das KBA über den Rückruf von europaweit 8,5 Millionen manipulierten Dieseln. Von Medien, Politikern und unter der Hand auch von der Autoindustrie hagelt es bisweilen heftige Kritik. Und selbst von einer anderen Oberbehörde – dem Umweltbundesamt (UBA) – kommt inzwischen Gegenwind: Das UBA bereitet nach eigenen Angaben angesichts des Dieselskandals eigene Messungen vor. Dies könnte auf eine Entmachtung des KBA und des ihm übergeordneten Bundesverkehrsministeriums hinauslaufen.

Während Journalisten die sehr zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit des KBA kritisieren und die Politik gerne die Tauglichkeit des Prüfsystems infrage stellt, hat die Kritik der Automobilindustrie eine andere Stoßrichtung: „Das KBA ist im Zuge der millionenfachen Rückrufe von Autos ein enger Flaschenhals“, heißt es etwa aus dem Wolfsburger VW-Autokosmos. Auch beim Autobauer Opel ist man in diesen Wochen ob der Abhängigkeit von Flensburg nervös.

Für die Autobauer ist die Leistungsfähigkeit des KBA immens wichtig. Denn ohne grünes Licht aus Flensburg kann kein Rückruf durchgeführt und kein enttäuschter Kunde beschwichtigt werden.

Dabei haben die Autobauer der Behörde die Mehrarbeit selbst eingebrockt. Insider der Branche sehen im KBA jedoch ein „chronisch unterbesetztes Haus“, welches die nun aufgekommenen Zusatzbelastungen nicht stemmen kann. Ein Grund sei, dass das KBA in den vergangenen Jahren viele Stellen verloren hat – Zahlen kennen sie aber keine. „Sicherlich kann das KBA nichts dafür, dass derzeit so viele Autos zu Nachprüfungen kommen, aber die Situation zeigt, dass die Behörde dem Problem nicht gewachsen ist“, heißt es.

Neben den besagten 8,5 Millionen VW aus dem Dieselgate bereiten dem KBA im April auch noch 630 000 Autos anderer Hersteller, darunter Audi, Mercedes, Opel, Porsche und VW-Nutzfahrzeuge, mit überhöhten Stickoxidwerten Arbeit. Am Ende steht ein „freiwilliger“ Rückruf. Auch Opel steht im Verdacht, bei Emissionsangaben getrickst zu haben. Der Autobauer weist aber jede Schuld von sich. Im Moment prüft das Bundesverkehrsministerium Unterlagen. Sollte sich herausstellen, dass es keine legale Erklärung für die beim Opel-Modell Zafira eingebaute Abschalteinrichtung gibt, kommt noch mehr Arbeit auf das KBA zu.

Die zur Verfügung stehenden Prüfstände und mobilen Messanlagen der Technischen Dienste sind laut KBA bereits jetzt „vollständig ausgelastet“, von einem Flaschenhals könne aber „keine Rede“ sein.

Derzeit sind von den 900 Mitarbeitern des KBA etwa 160 in der zuständigen Abteilung Fahrzeugtechnik beschäftigt. Die Genehmigung und Überwachung ist Teil des Aufgabenspektrums dieser Beschäftigten.

Tatsächlich als „Prüfer“ sind den Angaben zufolge aber deutlich weniger KBAler aktiv: Während 2011 acht für Nachprüfungen und Rückrufe tätig waren, sind es in diesem Jahr immerhin 13. Für 2017 sieht der Plan eine deutliche Aufstockung auf 29 vor.

Bereits vor der aktuellen Fülle an Nachprüfungen und Rückrufen verzeichnete das KBA ein wachsendes Arbeitsaufkommen: „Der Typgenehmigungsbereich des Kraftfahrt-Bundesamtes lief auch in den Jahren 2013 und 2014 auf Hochtouren“, heißt es im aktuellsten Jahresbericht der Behörde. 19 901 erteilte Typgenehmigungen in 2014 markierten das bisher höchste jährliche Genehmigungsvolumen.´ Nicht nur für Außenstehende wirkt es kurios, dass das KBA bisher keine Messungen vornehmen kann. „Tests werden ausschließlich von den benannten technischen Diensten durchgeführt“, sagt ein hoher Manager aus der Branche. Nun soll  das KBA aber eigene Prüftechnik aufbauen. Im Herbst werden zwei mobile Anlagen für Messungen auf der Straße einsetzbar sein, kommen soll auch ein eigenes Prüflabor. Das Errichten eigener Prüfstände dauere erfahrungsgemäß zwischen ein und drei Jahren, sagt der Manager. Auch Erfahrung und Expertise seien nötig. „Man baut so einen Prüfstand nicht auf und dann läuft alles.“

LN

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