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Wirtschaft im Norden Bei Ann Bartsch dreht sich alles um den Stahl
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20:28 30.09.2017
Hinein mit dem Ausdrehwerkzeug: Zerspanungsmechanikerin Ann Bartsch (25) wechselt das Teil aus Stahl. Quelle: Fotos: Rüdiger Jacob
Malente

Ann Bartsch ist gelernte Zerspanungsmechanikerin. Die dreieinhalbjährige Ausbildung hat die 25-Jährige bei der Firma Drehtechnik Hermann im ostholsteinischen Malente absolviert. Ihr Motiv, einen technischen Beruf zu wählen, wird die Herzen vieler Frauen höher schlagen lassen: „Es ist sehr reizvoll zu zeigen, dass auch eine Frau in einem typischen Männerberuf bestehen kann. Daneben mag ich es, selbstständig an vielfältig einsetzbaren Dingen zu bauen“, sagt die Zerspanungstechnikerin, die sich heute an einen typischen Arbeitsschritt macht.

Die 25-jährige Mechanikerin arbeitet in einem typischen Männerberuf.

Azubis gesucht

2008 gegründet, wird das inhabergeführte Unternehmen in Malente heute in der zweiten Generation geleitet. Die Inhaberfamilie Hermann ist im Baden-Württembergischen Wittling bereits seit 1938 im Bereich der Drehtechnik tätig. Das Malenter Unternehmen beschäftigt 23 Mitarbeiter und hat einen Auszubildenden. Für das Ausbildungsjahr 2018 werden noch zwei angehende Anlagen- und Maschinenführer gesucht.

Konzentriert wechselt Bartsch ein Werkzeug für ein neu zu fertigendes Teil. Es ist ein sogenanntes Ausdrehwerkzeug, das sie einsetzt und welches gebraucht wird, um kleine Scheiben für einen Zahnradhersteller zu produzieren. Das Teil, das Bartsch wechseln muss, besteht aus Stahl und hat einen Durchmesser von einem Zoll, also 25,4 Millimeter. Die junge Frau steht an einem Langdreher. So heißt die 5 mal 2 Meter große Maschine. „Das Auswechseln geschieht beim Einrichteprozess“, erklärt die Mechanikerin. Danach werden Rundstähle mittels eines Lademagazins in den Arbeitsraum der Maschine geführt. Das geschieht vollautomatisch. Mit Bohrern oder Wendeschneidplatten und Ausdrehwerkzeugen werden sodann die geforderten Konturen erstellt. Nachdem die gewünschte Form fertig ist, sticht sie die Maschine ab und wirft das fertige Produkt aus. Beim Zerspanungsprozess, also während Späne vom Material abgedreht werden, fließt ständig Öl auf das Werkzeug. „Das kühlt und schmiert zugleich“, erklärt Bartsch. Der Stahl wird übrigens bei Stahlhändlern eingekauft.

Nachdem die Maschine die Scheiben ausgeworfen hat, werden sie stichprobenartig vermessen, von den Ölresten gewaschen und anschließend verpackt und ausgeliefert. Wohin die Reise dann geht, verraten die Experten nicht. „Geheimhaltungspflicht“, sagt Techniker Jens Grotheer.

Das Werk verlassen Einzelteile für Zulieferer – Produkte nach Kundenwünschen in der Automobilindustrie, in der Medizin- und Luftfahrttechnik sowie der Hydraulik- und Pneumatikbranche. Und noch etwas wird in Malente gefertigt: Strapazierfähige Hufeisenstollen. Diese Erfindung stammt aus dem Hause Hermann. Welches Material dabei so erfolgreich verwendet wird, bleibt ebenfalls ein Geheimnis des Traditionsunternehmens. Immerhin sind die rostfreien Hufeisen europaweit gefragt, sogar Pferde aus den USA tragen Stollen aus dem heimischen Malente.

Rüdiger Jacob

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