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KOMMENTAR Bei Dräger hat die Zukunft begonnen

Unternehmen hat Produktion und Logistik am Standort Revalstraße konzentriert – Hohe Einsparungen.

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Moderne Produktion: Ein gelber Routenzug fährt durch die Halle B 23 in Drägers „Zukunftsfabrik“.

Quelle: Fotos: Lutz Roessler

Lübeck. Arbeitsplätze, so weit das Auge reicht: Riesig wirkt die 120 mal 70 Meter große Halle B 23, ein Kernstück der neuen „Zukunftsfabrik“, beim Blick von oben.

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Unternehmen hat Produktion und Logistik am Standort Revalstraße konzentriert – Hohe Einsparungen.

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Dräger-Mitarbeiter montieren hier Anästhesie- und Beatmungsgeräte und andere Technik für die Intensivstationen von Krankenhäusern. Kleine „Routenzüge“ mit gelben Anhängern fahren auf gelb markierten Fahrstraßen, den „Logistik-Highways“, zwischen den 330 Arbeitsplätzen hindurch. Sie liefern kleinere Bauteile in schwarzen Körben, größere auf Paletten, direkt an den Stationen ab – oder transportieren halbfertige Produkte zur Weiterbearbeitung zum nächsten Arbeitsplatz. „Milkruns“ heißen die Gefährte auch, angelehnt an die Tätigkeit der Arbeiter, die früher durch die Orte fuhren, die leeren Milchkannen mitnahmen und durch volle ersetzten.

„Wie Buslinien fahren diese Routenzüge in einer festen Taktung durch die Produktionshallen“, erklärt Produktionsleiter Stephan Kruse – insgesamt 17 Züge auf acht festen Linien. Hier, in Halle B 23, wird in Multiproduktlinien gearbeitet, das heißt, mehrere verschiedene Produkte können hier bearbeitet und montiert werden, nicht wie früher nur ein bestimmtes. „Das macht uns wesentlich flexibler“, sagt Kruse.

Alle Hallen sind verbunden mit dem Logistikzentrum, von wo aus ständig Nachschub an die Arbeitsplätze geliefert werden kann. Kernstück ist ein Hochregallager, in dem 130000 Behälter vollautomatisch abgerufen werden können. „Wie das Herz den Körper mit frischem Blut versorgt, so verteilt die Logistik Material in der Produktion. Dadurch haben wir eine hohe Geschwindigkeit in der Ausgabe“, erklärt Kruse.

Eine einheitliche Werkstruktur mit vernetzten Produktions- und Logistikprozessen, das war das Ziel der „Zukunftsfabrik“. 30000 Quadratmeter Hallenfläche sind neu entstanden, 17000 Quadratmeter wurden umgerüstet. „Durch den kontiniuierlichen Materialfluss können wir die Lagerbestände um 14 Millionen Euro reduzieren“, erklärt Vorstand Rainer Klug.

Ökologische Aspekte seien wichtig gewesen beim Bau. Es gebe hochmoderne Belüftungs- und Beleuchtungsanlagen, Regenwasser werde nach der Reinigung zurückgeführt. Ein Blockheizkraftwerk der Stadtwerke versorge die Fabrik und auf den Hallendächern seien Photovoltaik-Anlagen auf 1800 Quadratmetern installiert worden. Nicht zuletzt entlaste die Fabrik den innerstädtischen Autoverkehr in Lübeck, so Klug, weil die vielen Transporte zwischen Moislinger Allee und Revalstraße nun wegfallen. Durch die Verlagerung sind 140 Arbeitsplätze eingespart worden. Die insgesamt knapp 5000 Mitarbeiter in Lübeck verteilen sich nun etwa zu gleichen Teilen auf die beiden Standorte. In der Moislinger Allee bleiben neben der Verwaltung unter anderem auch Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung.

Konzernchef Stefan Dräger dankte allen Beteiligten. Mit der „Zukunftsfabrik“ sei der Standort Lübeck weltweit wettbewerbsfähig, „und wir werden alles dafür tun, dass das auch so bleibt. Unser Geschäftsmodell ,Technik für das Leben’ bleibt intakt“, so Dräger.

Seine Ururgroßmutter, so Dräger, habe damals vor dem Neubau in der Moislinger Allee gewarnt: Eine Fabrik so weit vor den Toren der Stadt, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, könne doch keinen Erfolg haben. Doch ihr Mann, der Firmengründer, sei Optimist gewesen und habe an die „grüne Wiese“ geglaubt – der Erfolg gab ihm recht. Sollte Dräger noch einmal erweitern wollen – hinter der Logistikhalle in der Revalstraße gibt es noch genügend grüne Wiese.

Vertrauen in Lübeck

Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Deutschland den Rücken gekehrt und ihr Heil dort gesucht, wo sie vermeintlich bessere Zukunftschancen wittern, wo sie weniger Lohn und Steuern zahlen müssen. Dräger hat mit seiner „Zukunftsfabrik“ jetzt ein Zeichen gesetzt, dass es auch anders geht. Dass Wachstum und wirtschaftliche Stärke hier, wo das Familienunternehmen seine Wurzeln hat, sogar besser zu erreichen sind als in der Ferne.

Drägers „Zukunftsfabrik“, das neue Herzstück des Konzerns, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation, Modernität und Standorttreue Hand in Hand gehen können. Hier kräftig zu investieren, zeigt auch das Vertrauen des Unternehmens in Lübeck und all das, was es zu bieten hat: eine prima Infrastruktur, gute Mitarbeiter und Hochschulen, die den Nachwuchs ausbilden. Wertvoll ist auch der „Zukunftstarifvertag“, den Dräger mit der IG Metall ausgehandelt hat. Er bietet Unternehmensführung und Arbeitnehmern mehr Flexibilität.

Der Wermutstropfen ist, dass das Unternehmen mit seinen teuren Hightech-Produkten gerade in vielen Schwellenländern zuletzt viel weniger verdient als erhofft. Dort muss Dräger zurück in die Erfolgsspur. Die Einsparungen durch die neue „Zukunftsfabrik“ werden die Verluste im Ausland jedenfalls nicht wettmachen.

Christian Risch

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