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Wirtschaft im Norden Bei Esso und Shell kostet jetzt sogar die Luft Geld
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23:14 02.05.2016
Bei den alten Luftdruckmessgeräten (Bild) dosierte der Autofahrer den Reifendruck über Plus- und Minustasten. An den neuen fest installierten Messsäulen, die an einigen Tankstellen Luft nur gegen Bezahlung abgeben, wird der ideale Luftdruck zuvor programmiert. Quelle: Lilienthal, Umfrage: J. Konerding
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Lübeck

Achtung, Autofahrer: Luft wird jetzt so teuer wie Diesel. Jedenfalls an einigen Esso- und Shell-Tankstellen. Die Mineralölkonzerne bestätigen, dass sie für die Dienstleistung an neu installierten Druckluftautomaten einen Euro kassieren. Die alten mobilen „Luftpumpen“ sollen von der Bildfläche verschwinden. Sie seien immer wieder geklaut worden, heißt es bei Esso. Die ersten Automaten, die fürs Reifenauffüllen Geld verlangen, sind bereits bundesweit installiert, einige davon in Schleswig-Holstein. Angefangen hatte alles vor drei Jahren mit einem Pilotversuch in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen.

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Autofahrer zahlen einen Euro für die Kontrolle des Reifendrucks an neuen Messgeräten.

„Die alten Handgeräte sind gestohlen worden, obwohl wir sie angekettet haben“, begründet Esso-Sprecherin Gabriele Radke die Maßnahme. Viele mobile Geräte seien auch mutwillig zerstört worden, schimpft sie. Dem Konzern seien deshalb Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Die neuen kostenpflichtigen Luftdruckautomaten, von denen bei Esso die ersten auch in Schleswig-Holstein stehen, würden von den Kunden gut angenommen. „Der Euro wird nicht für Luft verlangt. Wir brauchen ihn für die Wartung der angemieteten Geräte“, rechtfertigt die Sprecherin den Tarif. Zudem seien die neuen Luftdruckautomaten viel genauer als die kleinen Handgeräte, die Messung digital statt analog. Und noch eines zur Verteidigung: Der Automat laufe sechs Minuten lang. Durch Umstellen des Apparats könne in der verbleibenden Restzeit staubgesaugt werden.

Shell legt Wert auf die Feststellung, dass das Überprüfen des Reifendrucks kein Geld kostet. Erst das Auffüllen des Reifens werde mit einem Euro berechnet, teilt Sprecher Axel Pommeränke mit. In Schleswig-Holstein habe Shell noch keine kostenpflichtigen Luftdruckgeräte.

An HEM-Tankstellen (Tamoil) gibt es die Luft für die Reifen weiter gratis. Tamoil macht damit gleich Druck auf die Wettbewerber. „Der richtige Reifendruck ist entscheidend für die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge. Wo kämen wir denn hin, wenn wir für ein paar Euro mit der Sicherheit unserer Kunden spielen?“, fragt Geschäftsführer Carsten Pohl. Aral spricht an seine Pächter immerhin die Empfehlung aus, die Luftdruckkontrolle kostenlos zu lassen. Lediglich einige wenige Eigentümer-Stationen könnten dazu nicht verpflichtet werden, sagt Konzernsprecher Detlef Brandenburg. „Das sind bei Aral nur wenige Ausnahmen.“

Dem ADAC Schleswig-Holstein bleibt beinahe die Luft weg. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn es Luft an den Tankstellen weiter kostenlos geben würde“, sagt Sprecher Björn Stähler. Zumal es um die Sicherheit des Straßenverkehrs gehe. Autofahrer, die für die Luftdruckkontrolle nicht bezahlten wollen, sollten auf Tankstellen ausweichen, die weiterhin kein Geld für diesen Service verlangen, rät der ADAC genauso wie die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Verbraucherschützer Michael Herte sagt zur Rechtslage: „Tankstellen sind nicht dazu verpflichtet, eine Reifenauffüllstation anzubieten.“ Es handele sich um einen freiwilligen Service.

Der Dieselkraftstoff war gestern in Lübeck zum Literpreis von einem Euro oder knapp drüber zu haben.

Von Curd Tönnemann

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