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Belt: Bauverträge unterzeichnet, aber es bleiben hohe Hürden

Kopenhagen/Puttgarden Belt: Bauverträge unterzeichnet, aber es bleiben hohe Hürden

Jetzt macht die regionale Wirtschaft Dampf – Noch keine Entscheidung über Vergaberügen.

Kopenhagen/Puttgarden. Die Verträge für den Bau des 17,6 Kilometer langen Fehmarnbelttunnels, eines der größten Infastrukurprojekte in Europa, sind unter Dach und Fach. Das ist die gute Nachricht für die Befürworter. Letzte juristische Hürden für das Projekt aber sind damit noch nicht aus dem Weg geräumt. Das ist die gute Nachricht für die Gegner.

Die Vertragsunterzeichnung zwischen den Baukonsortien und dem dänischen Staat hatte sich zuletzt um fast drei Wochen verzögert. Zwei deutsche und eine italienische Baufirma hatten gegen das Vergabeverfahren überraschend Beschwerde eingereicht – und die Dänen düpiert. Jetzt wurden die Verträge geschlossen, ohne dass von der zuständigen dänischen Behörde (Klagenævnet for Udbud) abschließend über die Beschwerden entschieden ist. Das dänische Staatsunternehmen Femern A/S wollte sich dazu nicht äußern. Für das klagende Unternehmen Hochtief bestätigte Unternehmenssprecher Bernd Pütter, dass die Vergaberüge weiter Bestand hat. Weil eine gerichtliche Klärung ausstehe, sei die Unterzeichnung der Bauverträge „eher eine Absichtserklärung“, reagierte der tunnelkritische Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Werde das Projekt gestoppt, „wären wahrscheinlich horrende Entschädigungen fällig“, sagte Malte Siegert.

Die regionale Wirtschaft freute sich unterdessen, dass die Tinte unter den Verträgen trocken ist. „Nun sprechen wir wirklich nicht mehr über das Ob, sondern nur noch über das Wann“, sagte Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer der Baltic FS aus Ostholstein. „Erst jetzt haben die Siegerkonsortien einen Anlass, sich wieder mit uns an einen Tisch zu setzen und konkret über die Angebote zu sprechen, die wir ihnen bereits gemacht haben.“ Tatsächlich hat die Baltic FS, ein Zusammenschluss interessierter regionaler Unternehmen, den Baukonsortien Angebote in Höhe von 120 Millionen Euro gemacht.

Bauen können die Dänen trotz der Vertragsunterzeichnung noch lange nicht. Denn auf deutscher Seite fehlt der Planfeststellungsbeschluss. Mit ihm wird frühestens Ende 2017 gerechnet. Mögliche Klagen gegen den Belttunnel – womit zu rechnen ist – könnten den Baustart noch einmal um ein bis zwei Jahre verzögern. Die Kieler Landesregierung geht deshalb genauso wie die Kopenhagener Regierung davon aus, dass die ersten Bagger erst 2019 rollen. Für die Dänen ist dieses Datum von eminent wichtiger Bedeutung. Zum einen sind EU-Fördergelder bei einem späteren Baustart in Gefahr, zum anderen dürften die jetzt ausgewählten Bauunternehmen die vertraglich vereinbarten Preise danach neu verhandeln. Das würde die Refinanzierung des Tunnelbaus (durch eine Maut) gehörig durcheinander bringen. Im Idealfall geht der Tunnel 2027 in Betrieb.

Das Volumen der jetzt unterzeichneten Verträge liegt bei vier Milliarden Euro. Die reinen Baukosten für den Tunnel belaufen sich auf 6,2 Milliarden Euro. Die Differenz erkläre sich durch kleinere Aufträge, die erst nachgeordnet vergeben werden, teilte Felix Irmer, Sprecher von Femern A/S mit. Dazu zähle die Installation der elektrischen und mechanischen Anlagen im Tunnel sowie zur Tunnel-Stromversorgung. Deutschland zahlt für den Ausbau der Hinterlandanbindung auf der eigenen Seite nochmal rund zwei Milliarden Euro.

Der kombinierte Straßen- und Eisenbahntunnel zwischen Puttgarden (Ostholstein) und Rødbyhavn (Lolland) wird von drei Konsortien aus fünf europäischen Staaten gebaut, darunter sind Franzosen und Niederländer. Unter den deutschen Unternehmen befinden sich neben Hochtief und Züblin (sie heben den Tunnelgraben im Meer aus) auch Wayss&Freytag und Max Bögl. Diese Firmen bauen am südlichen Teil des Ostseetunnels mit.

Ein Rekord-Tunnel

Mit 17,6 Kilometern soll zwischen Puttgarden und Rødbyhavn der längste für Eisenbahn und Straße konzipierte Absenktunnel der Welt entstehen. So haben es Deutschland und Dänemark im Jahr 2008 in einem Staatsvertrag besiegelt. Die Tunnelstrecke soll mit dem Auto in zehn Minuten und mit dem Zug in sieben Minuten zurückgelegt werden können. Heute verkehren auf dem Fehmarnbelt Fähren.

Die Reederei Scandlines will mit ihren Schiffen auch nach der Tunneleröffnung – frühestens 2027/28 – weiterfahren.

Curd Tönnemann

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