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Wirtschaft im Norden Belttunnel-Befürworter bejubeln das klare Signal aus Dänemark
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Belttunnel-Befürworter bejubeln das klare Signal aus Dänemark
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22:14 04.03.2016
Die Tunnelelemente werden in eine am Meeresboden ausgehobene Mulde gelegt. Dann wird die Röhre mit Sand und Steinen bedeckt. Quelle: Femern A/s

Es war der Tag der Tunnel-Bejubler. Von überall her meldeten sie sich zu Wort, um dieser Entscheidung aus Kopenhagen Anerkennung zu zollen: Die Dänen bauen am Belt. Der Jubel mag auch so groß ausgefallen sein, da das Projekt zuletzt beinahe von Tag zu Tag mehr auf der Kippe zu stehen schien. Erst liefen die Baukosten davon, dann wurden sie wieder eingefangen. Die Planung verzögerte sich, EU-Gelder gerieten in Gefahr. Seit gestern: vergessen.

„Dänemark glaubt weiter an das Projekt. Und wir tun es auch.“ Torsten Albig (SPD)

„Das schafft Ruhe um das Gesamtprojekt“, sagte Thomas Hansson, Vorsitzender von String, einer deutsch-dänischen-schwedischen Regionalkooperation, zum dänischen Bekenntnis. „Dänemarks Politiker haben bewiesen, dass der Bau des Fehmarnbelttunnels trotz der Zeitverzögerung auf deutscher Seite weiterhin höchste Priorität in Dänemark genießt“, erklärte Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwerin und Chairman des Fehmarnbelt Business Councils (FFBC). „Auf dieses Signal aus Kopenhagen hat die Wirtschaft im Hansebelt gewartet“, jubelte die IHK Lübeck. Das dänische Bekenntnis sei sehr positiv, sagte die Kieler Europaministerin Anke Spoorendonk (SSW). „Ich freue mich, dass eine breite politische Mehrheit in Kopenhagen die Ampel dauerhaft auf grün gestellt hat“, erklärte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). „In Dänemark glaubt man weiterhin an das Projekt. Und wir tun es auch.“

Die Landtagsopposition verpasste es nicht, die Landesregierung sogleich in die Pflicht zu nehmen. Torsten Albig und Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) schafften es einfach nicht, ihre eigenen Leute zu überzeugen, mahnte Christopher Vogt (FDP). Es sei schon bemerkenswert, wie in Deutschland „immer stärker versucht wird, demokratische Entscheidungen zu großen Infrastrukturprojekten im Nachhinein zu torpedieren“. Wenn die Landesregierung so weitermache wie bisher, „droht uns auf internationalem Parkett eine peinliche Blamage“, sagte der Liberale. Mit den bisherigen politischen Querschüssen aus dem Kieler Regierungslager müsse Schluss sein, forderte der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Günther. Um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen, sei nun ein klares Signal aus Schleswig-Holstein erforderlich. „Die Vorarbeiten sind abgeschlossen. Jetzt steht die Umsetzung an“, sagte Günther zum Beltprojekt. Kritik kam erneut vom Naturschutzbund (Nabu). Der Grad der Selbsttäuschung bei allen Projektbeteiligten sei erschreckend, kritisierte Malte Siegert.

Die Planer lüfteten gestern das Geheimnis um die bevorzugten Bieterkonsortien für die Hauptbauverträge. Danach sind Unternehmen aus Deutschland, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Belgien am Tunnelbau beteiligt. Aus Deutschland dabei sind Wayss &Freitag, Max Bögl (Tunnel, Tunnelfabrik, Tunnelportale) sowie Hochtief und Züblin (Aushub des Tunnelgrabens). Die Verträge mit den Konsortien sollen bis Mitte Mai geschlossen sein.

Der Belttunnel wird mit 17,6 Kilometern der weltweit längste Absenktunnel für einen kombinierten Schienen- und Straßenverkehr. Er besteht aus 79 Einzelelementen von je 217 Metern Länge und zehn Spezialelementen mit einem Untergeschoss (für Betrieb und Wartung). Jedes einzelne Tunnelelement wiegt 73000 Tonnen, das entspricht 14 000 Elefanten. Die Menge an Stahl, die für den Tunnel benötigt wird, entspricht etwa 50 Eiffeltürmen. Am Belttunnel sollen bis zu 3000 Menschen Beschäftigung finden. Die Bauzeit ist mit achteinhalb Jahren veranschlagt.

Von Curd Tönnemann

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