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Belttunnel: Kritiker wittern Morgenluft

Kiel Belttunnel: Kritiker wittern Morgenluft

Umweltschützer verlangen von Berlin Neubewertung des Vorhabens – Projekt war in Sondierungsrunde kein Thema.

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Der Tunnel soll im Jahr 2029 eröffnet werden. Der Termin war bereits mehrfach verschoben worden.

Quelle: Foto: Femern A/s

Berlin/Kiel. Erst als zehnter Tagesordnungspunkt wurde gestern Abend in der Berliner Jamaika-Sondierungsrunde, in der auch der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Bündnis ’90/Die Grünen) und Noch-Landtagsfraktionschef und FDP-Vize Wolfgang Kubicki sitzen, der Verkehr aufgerufen. Der zuletzt wieder in die Schlagzeilen geratene Fehmarnbelttunnel kam dabei dem Vernehmen nach gar nicht zur Sprache. Doch genau das hatten Tunnel-Gegner, beispielsweise der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), verlangt. Angesichts neuer Verkehrsprognosen und neuer Finanzplanungen müsse das Projekt dringend einer „Neubewertung“ unterzogen werden, verlangte der Nabu-Fehmarnbeltexperte Malte Siegert. Und er kündigte an, die Umweltorganisation werde das „höchst umweltschädliche Mammutvorhaben in einem EU-Meeresschutzgebiet ohne solide finanzielle Basis“ juristisch angreifen. Die zahlreichen Tunnel-Kritiker wittern Morgenluft.

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) reagierte entspannt. Die Forderungen des Nabu komme nicht überraschend, und er bedauerte, dass der Verband „nicht die großen Chancen und Potenziale dieser Querung“ sehe, sagte er den LN. Zugleich verwies der Minister auf den Staatsvertrag zwischen Dänemark und Deutschland über die Errichtung der Verbindung zwischen beiden Ländern. Es sei längst nicht mehr die Frage, ob der Tunnel gebaut werde. Außerdem habe die Landesregierung das Großprojekt festgeschrieben und stehe „geschlossen“ dazu.

Der Nabu begründete seine Kritik jetzt damit, dass die für den Bau und Betrieb des Tunnels gegründete dänische Femern A/S neben bislang geplanten 7,1 Milliarden Euro „offensichtlich noch eine weitere Milliarde als finanziellen Puffer“ einplanen würde. Damit jedoch wäre die Refinanzierungsbasis des Vorhabens „komplett weggebrochen“. Hinzu kämen unseriöse Verkehrsprognosen. Allein ein Drittel der prognostizierten 10 000 Fahrzeuge täglich seien kein Verkehr zwischen Kopenhagen und Hamburg, sondern „kleiner Grenzverkehr“, zum Beispiel zum Einkaufen. Für Dänen gebe es dafür jedoch spezielle Fährtickets, so dass der geplante Tunnel von diesen Grenzpendlern nicht genutzt würde. Dagegen erklärte der Vorstandschef von Femern A/S, Claus F. Baunkjaer: „Die Finanzierung des Fehmarnbelttunnel ist robust und solide. Das Finanzierungsmodell und die Verkehrsprognosen haben umfassende Überprüfungen durchlaufen. Wir haben im veranschlagten Budget von 7,1 Milliarden Euro bereits eine Milliarde Euro an Rücklagen eingerechnet.“

Die ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken. Sie hält das Projekt für „äußerst wacklig“ und verweist auf die enormen Verzögerungen bei Planung und Ausführung des Großprojekts. So werde die Baureife nicht vor Ende 2020 erreicht werden können. Allerdings müssten die avisierten Bauzuschüsse der EU in Höhe von 568 Millionen Euro bereits bis 2020 ausgegeben werden. „Das kann nicht gelingen“, meint Hagedorn. Die Verantwortung dafür trage allein „die schlampige Planung der Femern A/S“.

Reinhard Zweigler

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