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Beluga-Chef Stolberg: „Ich habe den Überblick verloren“

Bremen Beluga-Chef Stolberg: „Ich habe den Überblick verloren“

Zweiter Prozesstag vor dem Bremer Landgericht — Ex-Mitarbeiter erheben Vorwürfe.

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„„Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt persönlich bereichert.“ Reeder Niels Stolberg

Bremen. . Irgendwas ist bei der renommierten Bremer Schwergutreederei Beluga schon vor ihrer Insolvenz 2011 mächtig schief gelaufen. Kreditbetrug und Bilanzfälschung, frisierte Zahlen, Briefkastenfirmen, Scheinumsätze und Nebenabsprachen — die Liste der Vorwürfe ist lang. Gestern am zweiten Tag des Prozesses vor dem Bremer Landgericht hatten die Angeklagten das Wort — allen voran Niels Stolberg, der einst gefeierte Top- Unternehmer, der 2011 ganz tief fiel. Der 55-Jährige gab vor Gericht mitnichten klein bei. Er und seine Anwälte sind sicher, dass sich der Vorwurf des Kreditbetrugs im Prozessverlauf auflösen wird. „Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt persönlich bereichert, und den Banken ist kein Schaden entstanden“, argumentiert der „Entrepreneur des Jahres“ 2006. Noch in der Krise suchte er sein Heil im Wachstum.

Stets war es rasant bergauf gegangen mit Beluga, einer Reederei, die mit 72 Schiffen im Schwerguttransport zur Weltspitze aufrückte. „Schließlich war ich ja ein erfolgreicher Unternehmer, hatte immer ein Gespür für Chance und Risiko“, so Stolberg im Rückblick. Doch irgendwann verließ ihn genau dieses Gespür, was er auch zugab. „Ich kann nicht bestreiten, dass ich ab 2009 teilweise den Überblick und die Kontrolle über das Unternehmen verloren habe.“

Ohne „Wenn und Aber“ gestand er den Vorwurf der Bilanzfälschung ein. Aber sein unbestrittenes soziales und kulturelles Engagement lässt er sich nicht in den Schmutz ziehen. Im Gegensatz zu anderen habe er keine „Goldbarren im Keller gestapelt“, sondern sich gesellschaftlich engagiert.

Das beeindruckte auch einige Mitarbeiter von damals. Drei von ihnen sitzen auch auf der Anklagebank. Als „charismatisch und begeisterungsfähig“ beschrieben sie ihren Ex-Chef. Aber auch die Kehrseite wurde deutlich. Stolberg war zu Hochzeiten — als Beluga etwa 2008 68,8 Millionen Euro Gewinn einfuhr — erfolgsverwöhnt und von sich und seinem Weg mehr als überzeugt.

Wer unter dem großen Erfolgsdruck nicht richtig spurte, bekam das zu spüren. „Das habe ich so noch nie erlebt“, schilderte ein 42-jähriger mitangeklagter Diplomkaufmann und Ex-Beluga-Manager den Tag, als er Stolberg einmal eine einfache Gewinn- und Verlustrechnung vorlegte. Stolberg habe ihn aggressiv angeschrien und „einmal komplett rund gemacht“. Er sei damals „gebrochen“ worden. Das System Stolberg beschrieb er als „Zuckerbrot und Peitsche“.

Das kratzt am Image, denn Stolberg waren nach eigenen Worten das menschliche Miteinander und ein gutes Firmen-Klima wichtig. Für den Prozess wichtiger ist aber, dass der 42-jährige Mitangeklagte für die Staatsanwaltschaft durchaus Kronzeuge sein könnte. Denn er sprach von einem „kriminellen System“ bei Beluga und bezeichnete die Anklagepunkte des Kreditbetruges als im Grundsatz „korrekt“.

Auch ein weiterer Angeklagter zeigte sich geständig. Er habe die Bilanz 2009 unzutreffend angegeben und unrichtige Angaben zu wirtschaftlichen Verhältnissen der Beluga-Gruppe gemacht. Doch immer wieder verwiesen die Ex-Beluga-Manager auf die letzte Verantwortung Stolbergs. Der will mit „offenem Visier“ kämpfen und gibt den Kurs vor: „Ich stand als Kapitän auf der Brücke bei Beluga.“

Helmut Reuter

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