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Wirtschaft im Norden Berlin will Schutz gegen Wölfe und Hilfe für Dorsch-Fischer
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21:12 13.04.2017
Im Zweifel auf Seiten der Schafe: Christian Schmidt (CSU), Bundesminister für Landwirtschaft. Quelle: Foto: M. Kappeler/dpa
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Herr Minister, können Sie unbeschwert Ostereier essen, wo nahezu jedes zweite Küken getötet wird, weil es männlich und damit nicht profitabel ist?

Das ist ethisch und moralisch nicht hinnehmbar. Deshalb will ich es auch stoppen.

Sie könnten das Kükentöten sofort verbieten.

Sie meinen per Gesetz verbieten? Das wäre ein sicheres Programm zur Verlagerung der Produktion von Legehennen, also von Brütereien, ins Ausland. Dort würde das Kükentöten weitergehen. Um im österlichen Bild zu bleiben, das wäre eine Pilatus-Strategie: Ich wasche meine Hände in Unschuld. Das ist nicht meine Strategie. Ich setze vielmehr auf die in Deutschland entwickelte Technologie der Geschlechtsbestimmung im Ei, mit der das Ausbrüten und Töten männlicher Küken entfällt.

Die Angst vor dem bösen Wolf steckt in den Menschen nicht erst seit Grimms Märchen. Gehört der Wolf zu Deutschland?

Diese Frage hat der Wolf beantwortet. Er ist hier. Die Tiere auszurotten, wie das unsere Vorfahren getan haben, ist kein gangbarer Weg. Dennoch dürfen wir nicht vor den Konflikten die Augen verschließen. Wir müssen Wolfsmanagement betreiben. Vor allem müssen die Herden von Schafen, Ziegen, Rindern und Pferden vor dem Wolf geschützt werden. Deshalb wird die Anschaffung von Schutzzäunen und wehrhaften Hunden für die Herden auch staatlich gefördert und Tierverluste, die Wölfe verursacht haben, entschädigt.

Wie sollen die Schafherden auf den Deichen im Norden geschützt werden? Es gibt den Vorschlag, einen 50 Kilometer breiten Korridor entlang der Küsten Wolf-frei zu halten.

Diese Schafe sind enorm wichtig für die Pflege der Deiche. Ich werde den Vorschlag eines Korridors prüfen und mit Bundesumweltministerin Hendricks diskutieren. Wölfe gehören, wie jede andere Gattung auch, in das Gesamtgefüge unseres Ökosystems. Mir ist aber wichtig, dass die Sorgen der Tierhalter sehr ernst genommen werden. Im Zweifel stehe ich auf Seiten der Schafe.

Warum wird der Wolf nicht dem Jagdrecht unterworfen, dann könnten Jäger für seine Regulierung sorgen?

Der Wolf ist und bleibt kein jagdbares Wild. Einzelne gefährliche Tiere können bereits heute nach strengen Regeln abgeschossen werden. Wir kommen aber an den Punkt, wo wir im Rahmen der Bestandskontrolle über eine begrenzte Abschussfreigabe reden müssen.

Was dem Schäfer der Wolf, ist dem Fischer der Kormoran. Die schwarzen Vögel sind mittlerweile an manchem Gewässer eine Plage. Müssen notfalls die Bestände reduziert werden?

Dazu haben wir bereits heute die Möglichkeit. Das können die Landesbehörden veranlassen. Ich verstehe die Sorgen der Fischer gut.

Die Fangquote für Dorsch in der westlichen Ostsee wurde dramatisch um 56 Prozent reduziert. Was tut der Bund, damit Dorsch-Fischer nicht aufgeben müssen?

Wir haben in Brüssel hart um diese Quote gerungen. Wissenschaftler hatten eine Reduzierung um 88 Prozent verlangt. Erfreulicherweise scheinen sich die Bestände rascher zu erholen als angenommen. Und die betroffenen Fischer unterstützen wir mit Beihilfen, wenn sie ihre Kutter zeitweise oder völlig stilllegen wollen.

Wieso dürfen Hobby-Angler in der Schonzeit im Februar und März drei Dorsche pro Tag angeln, Berufsfischer dürfen in dieser Zeit gar nichts fangen?

Wir müssen sehen, dass vom Hochseeangeln auch die Fischer profitieren, die mit ihren Booten Touristen aufs Meer fahren. Wichtig ist, dass wir die Tagesrate für die Freizeitfischer auch außerhalb der Laichzeit auf fünf Dorsche begrenzt haben. Nur gemeinsam können Berufs- und Freizeitfischerei zur Bestandserholung beitragen.

Umweltministerin Barbara Hendricks will in den geplanten sechs Naturschutzgebieten in Nord- und Ostsee das Angeln in erheblichem Umfang verbieten. Sind Sie auch dafür?

Überhaupt nicht. Dazu darf es nicht kommen. Das wäre unangemessen. Deswegen habe ich meinen Ministervorbehalt geltend gemacht. Ich habe den Eindruck, dass Frau Hendricks verstanden hat, dass sie sich bewegen muss.

Interview: Reinhard Zweigler

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