Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Beschäftigte von Baltic Elektronik: „Wir bleiben hier!“

Grevesmühlen Beschäftigte von Baltic Elektronik: „Wir bleiben hier!“

In Grevesmühlen demonstrierten gestern Mitarbeiter beider Baltic-Betriebe für den Standorterhalt / Auch die Körber-Tochter Metalltechnik steht jetzt vor dem Verkauf.

Voriger Artikel
Segelwäscherei wird verkauft
Nächster Artikel
Baltic: Prettl und Körber schweigen

Die 61-jährige Gudrun Mahncke arbeitet inzwischen seit 40 Jahren bei Baltic Elektronik in Grevesmühlen.

Grevesmühlen. Lautstark hallte es gestern Nachmittag immer wieder durch Grevesmühlen. „Wir bleiben hier! Wir bleiben hier!“, skandierten die Beschäftigten der Firma Baltic Elektronik auf ihrem Weg vom Betrieb am Grünen Weg zum Marktplatz. Sie demonstrierten für den Erhalt des Standortes und den ihrer Arbeitsplätze. Unterstützt wurden sie von Mitarbeitern der Firma Baltic Metalltechnik. Nach Veranstalterangaben waren gut 150 Menschen auf der Straße. Zu Demonstration und Kundgebung aufgerufen hatte die IG Metall Lübeck Wismar. Baltic Elektronik und Baltic Metalltechnik gehören der Körber AG in Hamburg an. Noch.

Dabei ist der Elektronik-Betrieb bereits Anfang Dezember an die Prettl Electronics Lübeck GmbH verkauft worden. Der Vorstand der Körber AG habe die Verträge unterzeichnet. Der Aufsichtsrat und die Kartellbehörden müssten aber noch zustimmen, erklärte Frank Ritter (41), Vorsitzender des Betriebsrates, gegenüber den LN. Der Aufsichtsrat tage am Donnerstag. Da es keine klaren Aussagen des erwerbenden Lübecker Unternehmens zum Standort Grevesmühlen mit seinen 130 Mitarbeitern gibt, sehen sie sich vor einer ungewissen Zukunft.

Auch für die Baltic Metalltechnik GmbH stehe der Verkauf unmittelbar bevor, erklärten gestern im LN-Gespräch der Betriebsratsvorsitzende Daniel Jenner (39) sowie sein Stellvertreter Theodor Körner (61). Davon sei die Belegschaft gestern informiert worden. Bei dem potenziellen Käufer soll es sich um einen sogenannten Finanzinvestor aus dem süddeutschen Raum handeln, der den Betrieb laut Theodor Körner „verwertet und verwaltet“. Heißt: Es sei nicht ausgeschlossen, dass Baltic Metalltechnik nach Ablauf einer jetzt offenbar vereinbarten Standortsicherheit und Beschäftigungsgarantie für zwei Jahre erneut verkauft werden könne. Außerdem sollen im ersten Jahr nach Besitzerwechsel 40 der 150 bestehenden Arbeitsplätze abgebaut werden.

Dass ihnen nicht das gleiche Schicksal droht und die verbleibenden Mitarbeiter künftig gar nach Lübeck zur Arbeit fahren müssen, dafür ging gestern auch Gudrun Mahncke auf die Straße. Die 61-Jährige arbeitet inzwischen seit 40 Jahren bei Baltic Elektronik in Grevesmühlen. Wie viele andere auch trug sie ein Schild bei sich, das die Anzahl der Jahre ihrer Betriebszugehörigkeit auswies. „Die Masse der Belegschaft kann auf über 20 Jahre Betriebszugehörigkeit verweisen“, erklärte Frank Ritter. Gudrun Mahncke zeigte sich gestern tief enttäuscht vom Körber-Konzern. Die Belegschaft habe das Vertrauen, das der Firmengründer Kurt A. Körber (†) bei der Übernahme des Grevesmühlener Betriebes Anfang der 1990er Jahre in sie gesetzt hatte, nie enttäuscht. „Wir sind immer mit Herzblut bei der Sache gewesen, aber seit zwei Jahren geht es abwärts“, zeichnete sie die Tendenz auf.

Frank Ritter sagte den Menschen dazu auf dem Grevesmühlener Marktplatz: „In diese Situation sind wir gekommen, weil Körber notwendige Investitionen verschlafen hat.“ Es könne nicht sein, „dass wir in den letzten 24 Jahren unsere Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe nach Hamburg getragen haben und jetzt um eine gerechte soziale Absicherung kämpfen müssen“. Er verwies außerdem darauf, dass der Betriebsrat ein tragfähiges Konzept entwickelt habe, das „unsere Arbeitsplätze und unseren Standort in Grevesmühlen sichern könnte“.

Mit seiner Enttäuschung über den Körber-Konzern hielt auch Theodor Körner nicht hinterm Berg: „Sie können uns bei der Entwicklung zum Technologiestandort in Deutschland nicht mehr gebrauchen.“ Daniel Friedrich, Geschäftsführer der IG Metall Lübeck Wismar gab sich kämpferisch und forderte die Baltic-Beschäftigten auf, während der Weihnachtsfeiertage Kraft zu tanken für den weiteren Arbeitskampf ab Januar: „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen!“ Frank Ritter betonte: „Unsere Arbeitsplätze bleiben hier!“

Unterstützer sind jetzt gefragt
Monatelang hat die Körber AG die Mitarbeiter in Grevesmühlen vertröstet. Es werde weitergehen, hieß es. Doch geht es wirklich weiter? Antworten gibt es bis heute nicht. Ein offener Dialog zwischen der Konzernleitung und den Menschen, die mit ihrer Arbeit für die Gewinne sorgen, sieht anders aus. Verständlich, dass die Mitarbeiter Angst haben, wütend sind. Einige der Männer und Frauen haben Erfahrungen mit Firmenpleiten, haben bei ODS erlebt, was es heißt, zum Spielball der Finanzjongleure zu werden. Die Betriebe in Grevesmühlen boten viele Jahre Sicherheit. Die ist verschwunden. Der Angst um die Existenz gewichen.
Die Mitarbeiter haben heute ein Zeichen gesetzt, jetzt ist auch die Politik gefragt. Natürlich ist der Einfluss begrenzt, aber die Männer und Frauen, die um ihre Arbeitsplätze fürchten, brauchen Unterstützung — keine Lippenbekenntnisse, sondern konkrete Hilfe.

Cornelia Roxin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft im Norden
DAX
Chart
DAX 13.123,00 -0,34%
TecDAX 2.587,25 +0,13%
EUR/USD 1,1763 +0,25%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

RWE ST 20,14 +2,43%
E.ON 9,94 +0,80%
BASF 94,35 +0,68%
VOLKSWAGEN VZ 169,07 -1,42%
FRESENIUS... 62,23 -0,99%
THYSSENKRUPP 21,95 -0,68%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 235,81%
Commodity Capital AF 189,83%
Allianz Global Inv AF 130,33%
Polar Capital Fund AF 107,09%
Apus Capital Reval AF 100,80%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.