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Wirtschaft im Norden Betriebsrat gegen Piloten: Lufthansa streitet am Boden
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02:12 01.12.2016
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Frankfurt a. M

Beschäftigte der Lufthansa empfangen die Piloten mit Trillerpfeifen. „Streik beenden! Schlichtung jetzt!“ oder „Solidarität sieht anders aus!“, steht auf ihren Bannern. Der Lufthansa-Betriebsrat Frankfurt Boden hatte zu der Gegendemonstration der Pilotenkundgebung aufgerufen. Gekommen sind gestern aber vor allem leitende Angestellte aus der Konzernverwaltung. Sie machen Front gegen die Dauerstreiks und fordern die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit in der 14. Streikrunde auf, endlich in eine Schlichtung einzuwilligen.

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Zu: „Albigs Kita-Brief kostete 62700 Euro“ vom 16. November

Flughafenarbeiter finden sich wenige in den Reihen der Demonstranten, die auf jede Rückendeckung der anderen im Konzern tätigen Gewerkschaften verzichten müssen. Verdi und die Kabinengewerkschaft Ufo haben die Reihen zur VC geschlossen, Grabenkriege untereinander wollen sie auf jeden Fall vermeiden.

Demo-Organisator Rüdiger Fell vom Betriebsrat Boden schildert seine Schwierigkeiten bei der Mobilisierung der Arbeiter: „Die funktionieren natürlich auch immer noch so, dass sie sagen, wir müssen den Schulterschluss machen. Die haben das so verstanden, dass das hier eine Demonstration Mitarbeiter gegen Mitarbeiter ist. Ist es aber nicht!“ Die Gehaltsforderung der Piloten von insgesamt 22 Prozent auf fünf Jahre kritisieren die Demonstranten dennoch als „Durchsetzung von Partikularinteressen auf Kosten aller anderen Kolleginnen und Kollegen“.

Edwin Dahmer, Angestellter bei der Frachtgesellschaft Lufthansa Cargo, wirft den Piloten vor, dass es ihnen nicht um die Lohnerhöhung gehe, sondern um Einfluss auf die Unternehmenspolitik. Die sei aber Sache der Konzernleitung. „In der heutigen Zeit müssen sich alle bewegen, um dem Konkurrenzdruck anderer Airlines standzuhalten.“ Dahmers Cargo-Kollege Christopher Dehio verlangt von den Piloten, den „ruinösen Streik“ zu beenden. Der Forderung nach Teilhabe am Unternehmensgewinn hält er die dringend notwendigen Investitionen in neue Flugzeuge entgegen.

Die kritisierten Piloten versammelten sich schließlich vor einer Bühne vor der Lufthansa-Konzernzentrale. VC-Präsident Ilja Schulz fordert seine Kollegen und das Bodenpersonal zum Durchhalten auf: „Wir haben viele Zuschriften gekriegt, aus der ganzen Welt, vom Cockpitpersonal, aber auch vom Boden, die der Meinung sind, dass der Weg gegeneinander vorzugehen, der Falsche ist. Dass wir zusammenstehen müssen.“ Als die Vorstandsmitglieder Harry Hohmeister und Bettina Volkens die Bühne betreten, skandieren die Piloten „Angebot, Angebot“.

Personalchefin Volkens verkündet ein neues Lohnangebot, mit dem Lufthansa die Piloten in die Schlichtung holen will. Es beinhaltet eine Erhöhung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent und bietet zusätzlich eine Einmalzahlung an. Ein Pilot in der Menge, der anonym bleiben möchte, zeigt sich skeptisch. Bis heute habe die Konzernleitung in den Angeboten immer wieder Formulierungen im Kleingedruckten benutzt, die mit Vorsicht zu genießen seien.

Der Kapitän fürchtet mit vielen anderen seiner Kollegen, dass die Lufthansa immer weiter zu einer Billig-Airline gemacht werde. Wer die Strukturen des Luftfahrtkonzerns kenn e, müsse aber wissen, dass man da mit mit dem irischen Billigflieger Ryanair nicht konkurrieren könne. Das hat auch ein Gegendemonstrant bereits erlebt: Er habe schon mal ein Ticket bei der Konkurrenz gekauft, weil es billiger war als im eigenen Betrieb mit Rabatt, erzählt der Mann.

„Das halten wir zur Not noch fünf Jahre durch“

Im Tarifkonflikt mit den Lufthansa-Piloten droht eine endlose Hängepartie. „Wir gehen davon aus, dass die Auseinandersetzung sehr lange dauert“, sagte der Lufthansa-Kapitän und frühere Chef der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), Thomas von Sturm, der „Zeit“. „Das halten wir zur Not noch fünf Jahre durch“. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung könnte es in den nächsten Tagen auch Ausstände bei der Tochter Germanwings geben.

Gestern setzten die Piloten ihre Streiks fort. Die Lufthansa strich wegen der Ausstände 890 Flüge, davon waren rund 98 000 Passagiere betroffen. Die Flieger der Töchter Eurowings und Germanwings hoben wie geplant ab. Heute will die Airline wieder nahezu nach Plan fliegen. Nach den Streiks am Dienstag und gestern werde es nur noch zu vereinzelten Flugstreichungen kommen. Rund 40 Flüge werden demnach ausfallen.

Arbeitsniederlegungen der Vereinigung Cockpit treffen den Flugbetrieb bei dem Konzern seit vergangener Woche immer wieder. Bislang sind laut Lufthansa an den sechs Streiktagen mehr als 525 000 Passagiere von insgesamt 4461 Flugausfällen betroffen. Lediglich am Sonntag und Montag legten die Piloten eine Pause ein. Das Unternehmen geht von einem Schaden von 10 bis 15 Millionen Euro täglich aus.

Von Maximilian Perseke und Uwe Anspach

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