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Bewerber fehlen — Auszubildende gesucht

Lübeck Bewerber fehlen — Auszubildende gesucht

Derzeit läuft die Bewerbungsphase für Lehrstellen. Viele Betriebe warten jedoch vergeblich auf Post. Einige Branchen sind besonders stark betroffen.

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Schichtleiterin Tina Böge (l.) betreut die Arbeit der Auszubildenden Sabrina Gisela.

Quelle: Fotos: Neelsen, Malzahn

Lübeck. Die Bewerbungsverfahren für das Ausbildungsjahr 2016 sind in vollem Gange, da ist nur ein Problem: Es gibt zu wenig Bewerber. Schon in den letzten Jahren fehlten Auszubildende. Dabei haben es einige Branchen besonders schwer. Für den Bereich Gebäudereinigung, den Verkauf von Lebensmitteln oder die Bodenverlegung gibt es nur wenige Interessierte.

„Wir kämpfen um jeden Lehrling, die Situation ist mehr als traurig“, sagt Günther Eberlien. Mit seiner Frau führt der Fliesenlegermeister seit 15 Jahren den gleichnamigen Betrieb im Gewerbegebiet Stockelsdorf-West. In diesem Jahr konnten sie keinen Auszubildenden einstellen, und auch auf die Stellenanzeige für 2016 gab es noch keine Bewerbung. „Wir haben einen Praktikanten, den wir gerne hätten“, sagt Monika Eberlien. „Das würde erst 2017 klappen, er geht noch zur Schule.“ Dass der Betrieb Praktikanten und Auszubildende hat, war nicht immer so. „Es war schlimm, keiner wollte“, sagt die 54-Jährige. Das Ehepaar ging in die Offensive. Sie riefen in ihrem Gewerbegebiet die Straße des Handwerks ins Leben. Bei dem Projekt werden alle zwei Jahre Schulen in die Betriebe eingeladen.

„Handwerk muss man Jugendlichen praktisch näherbringen, nicht mit Flyern.“

„Im Handwerk gibt es Aufstiegschancen wie in keinem anderen Beruf“, sagt Eberlien. „Vom Hauptschulabschluss kann man sich über die Ausbildung und den Meister bis zum Studium hocharbeiten.“ Auch Lehrling Maximilian Baumgarten träumt davon. „Erst muss ich aber den Gesellenbrief machen“, sagt der 18-Jährige, der in dem Betrieb seine Ausbildung macht. Der Weg bis dahin war steinig: Nachdem es mit dem Schulabschluss nicht geklappt hat, absolvierte er erst ein einjähriges Praktikum, dann folgte ein Berufseinstiegsqualifizierungsjahr. Nebenbei erhielt er Stützunterricht. „Ich bin dankbar für die Möglichkeiten hier“, sagt Baumgarten. „Es macht Spaß — der Job ist vielfältig und man sieht, was man geschafft hat.“

Diese Vorteile betont auch Ulf Grünke, Sprecher der Handwerkskammer Lübeck: „Hier gibt es Erfolgserlebnisse, das ist handfeste Arbeit.“ Die Branche werde oft verkannt. „Es wird immer schwieriger, die Ausbildungsstellen zu besetzen“, klagt Grünke. „Das liegt am demografischen Wandel.“ Derzeit sei die Situation komfortabel — es gibt mehr Plätze als Bewerber.

Über 2000 Ausbildungsstellen lägen insgesamt bereits vor, sagt Markus Dusch, Chef der Agentur für Arbeit Lübeck. Die Möglichkeiten seien vielfältig — allein in Lübeck und Ostholstein werden 140 unterschiedliche Ausbildungsberufe angeboten. „Ich empfehle ein ausführliches Gespräch in der Berufsberatung“, sagt Dusch. „Je früher das passiert, umso besser sind die Chancen, den gewünschten Ausbildungsplatz zu bekommen.“ Betriebe sollten flexibel sein, Zeugnisnoten spiegelten nicht alle Fähigkeiten wider. Es sei wichtig, Menschen mit „Startschwierigkeiten“ eine Chance zu geben.

„Ich habe gar nicht die Wahl“, sagt Bettina Schüler von der gleichnamigen Bäckerei. Ihr Mann hat vor 23 Jahren seinen Lehrbetrieb übernommen. Aktuell suchen Schülers für 2016 fünf Auszubildende — Bewerber gibt es keine. Die Erfahrung zeigt: Die meisten kommen kurz vor knapp mit dieser Motivation: „Bevor ich gar nichts mache.“ Eine schwierige Situation für den Betrieb. „Letztes Jahr hatte ich nur fünf Bewerbungen — ich musste alle nehmen.“ Die Schulabgänger seien schlecht informiert. „Arbeiten in der Bäckerei bedeutet mehr als Brötchen.“ Es gebe auch Snacks oder sogar Pasta, Getränke und vieles mehr.

Diese Abwechslung gefällt Sabrina Gisela. Die 18-Jährige hat am 1. August in der Bäckerei Schüler ihre Ausbildung zur Lebensmittelverkäuferin angefangen. „Die Arbeit ist vielseitig“, sagt sie.

„Ich mag den Kundenkontakt.“ Manche Freunde würden sie fragen, wie sie so früh aufstehen kann — schon um 5.30 Uhr oder um 8 Uhr startet der Arbeitstag. „Trotzdem kann ich den Job empfehlen.“ Motivierte Auszubildende zu finden, ist ein großes Glück, sagt Bettina Schüler. „Mir ist mittlerweile nur wichtig, dass derjenige sympathisch ist und Lust drauf hat — es kommt nicht auf Noten an.“

Wege zur Ausbildung
Für eine Berufsberatung können bei der Agentur für Arbeit unter Telefon 0800/4555500 Termine vereinbart werden. Beschreibungen unterschiedlichster Berufe, Tipps für die Bewerbung und alles andere rund um die Ausbildung gibt es unter www.planet-beruf.de. Einen Berufs-Check, bei dem zwölf Fragen beantwortet werden müssen, gibt es auf der Internetseite www.ausbildung.de. Als Ergebnis werden passende Berufe vorgeschlagen.
Ausbildungsplätze können Interessierte unter jobboerse.arbeitsagentur.de suchen. Angebote im Handwerk gibt es unter www.lehrstellen-radar.de. Die Stellen der Industrie- und Handelskammer sind unter www.ihk-lehrstellenboerse.de zu finden.
„Uns liegen bereits über 2000 Lehrstellen vor
. Die Möglichkeiten sind vielfältig. “
Markus Dusch, Arbeitsagentur

Kim Meyer

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