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13:21 11.02.2016
Susanna Paschen (32) mit dem neuen Dräger-Atemalkohol-Testgerät für zu Hause, dem „Alcotest 3820“.
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Lübeck

Es ist so etwas wie ein Abschied. Susanna Paschen (32), Maschinistin bei Dräger, pustet ins Röhrchen. Alkoholtest, wie er früher einmal war. Ergebnis: 0,0 Promille. Aber das alte Glas-Alcotest-Röhrchen, seit 1953 im Einsatz, hat ausgedient. Gestern liefen bei Dräger in Lübeck die letzten 9000 Stück vom Band.

„Das Röhrchen war mit einem Preis von über fünf Euro pro Stück vergleichsweise teuer“, begründet das Dräger-Projektmanager Mirco Spitzbarth. „Die Enden des Röhrchens mussten abgebrochen werden, dabei bestand immer eine gewisse Verletzungsgefahr. Und dann musste man noch einen Beutel aufstecken. Alles recht aufwendig.“

Zumindest im Vergleich zu heute. Die Alkoholtestgeräte, die etwa die deutsche Polizei überwiegend einsetzt, sind deutlich moderner. Spitzbarth: „Da steckt man nur ein Plastikmundstück auf, das kostet ein paar Cent und ist völlig unkompliziert.“ Während sich das Röhrchen bei Alkoholgenuss verfärbte, erkennt heute ein elektrochemischer Sensor den Ethanolgehalt im Atem.

Die neueste Generation dieser Testgeräte kam 2013 auf den Markt. Eingesetzt werden sie bereits in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und bei der Bundespolizei (an Flughäfen und Bahnhöfen). Auch die französische Polizei ist komplett mit den neuesten Geräten ausgestattet.

International ist Dräger führend bei Produktion und Vertrieb von Atemalkohol-Testgeräten. Dabei kam den Dräger-Ingenieuren die Idee zum ersten Testverfahren im Zusammenhang mit eigenem Alkoholgenuss — nach einer Betriebsfeier. Und als 1953 erstmals 1,5 Promille als Grenzwert für absolute Fahruntüchtigkeit festgelegt wurden, kamen die Dräger-Prüfröhrchen gerade recht.

„Seither haben unsere Testgeräte eine Menge zur Sicherheit im Straßenverkehr beigetragen“, ist Dräger-Vorstand Rainer Klug überzeugt. Das Leben zu schützen sei die erklärte Konzern-Philosophie. Seit 1953 wurden in Lübeck mehr als 30 Millionen Alcotest-Röhrchen produziert. Zuletzt hatte noch die Luftwaffe von Sri Lanka eine größere Menge geordert. Jetzt aber haben auch die Behörden des Inselstaates auf moderne, genauere Geräte umgestellt. Für die alten Alcotest-Röhrchen gebe es keinen Markt mehr, erklärt Firmensprecher Herbert Glass.

Mehr und mehr setzt sich hingegen das Gerät für den privaten Alkoholtest zu Hause durch. Das „Alcotest 3820“ sieht aus wie ein Rasierapparat, kostet laut Projektmanager Spitzbarth 250 bis 300 Euro und hat ein abwaschbares Plastikmundstück. „Man kann auch 20 Mundstücke kaufen und zum Beispiel an seine Gäste verteilen, wenn man eine Party hat oder so“, meint der Projektmanager.

Besonders groß ist die Nachfrage nach dem „Alcotest 3820“ in Skandinavien. „Schon das Vorgängermodell haben wir dort 70000- bis 80000-mal verkauft“, sagt Spitzbarth. Der Grund sei eine besonders strenge Gesetzgebung in Bezug auf Alkohol im Verkehr. Spitzbarth: „Viele Skandinavier fahren weite Strecken mit dem Auto, sie sind darauf angewiesen und wollen sicher sein, dass sie ihren Führerschein nicht wegen einem Glas zu viel verlieren.“ Und das ist letztlich in Deutschland ja nicht anders.

Das Unternehmen

Im Jahre 1889 gründeten Johann Heinrich Dräger und Carl Adolf Gerling in Lübeck die Firma Dräger & Gerling. Ihr erstes Produkt war das sogenannte Lubeca-Ventil, ein Druckminderer. Zehn Jahre später ließen sie ein Manometer für Atemgasflaschen patentieren. Ein 1902 von Dräger entwickeltes Narkosegerät wurde bis 1945 verwendet.

Heute produziert die Dräger AG weltweit Geräte und Systeme für Medizin-, Sicherheits- und Tauchtechnik. 2015 betrug der Umsatz nach vorläufigen Zahlen 2,61 Milliarden Euro.

Marcus Stöcklin

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