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Wirtschaft im Norden Boden wie Staub: Bauern hoffen auf Regen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Boden wie Staub: Bauern hoffen auf Regen
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10:24 22.09.2016
Landwirt Klaus Pritschau (47) zeigt den knochentrockenen Boden: Nach dem schönen und ungewöhnlich warmen Spätsommerwetter warten die Bauern in der Region Lübeck dringend auf Regen. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

„Regen würde der Entwicklung der Pflanzen jetzt sehr gut tun“, sagt Klaus Pritschau (47). Der Landwirt aus Bohnrade bei Stockelsdorf, der auch Flächen bei Schönberg (Kreis Nordwestmecklenburg) bewirtschaftet, beschreibt das, was viele seiner Kollegen im Raum Lübeck in diesen Tagen zu schaffen macht – die wochenlange Trockenheit. „Es ist keine Katastrophe, aber wir müssen mit dieser Situation umgehen.“

 

„„Wenn es jemanden gibt, der mit Regentänzen Erfolg hat, dann könnten wir ihn jetzt gut gebrauchen.“Landwirt Klaus Pritschau (47)

„So trocken, wie es zurzeit ist, bekommen wir die Saatkörner nicht gut platziert“, sagt auch Landwirt Olaf Stammer aus Bad Schwartau. „Und es staubt zurzeit wahnsinnig auf dem Acker.“ Für die Aussaat müsse man eigentlich eine feinkörnige Bodenstruktur schaffen. „Dafür müssten jetzt am besten so etwa 20 Millimeter Regen fallen“, sagt Stammer. Der Raps leide zurzeit am meisten darunter.

Der Bauernverband beobachtet die Witterung mit Sorge. „Die Böden sind knochentrocken, es staubt ohne Ende“, sagt Holger Schädlich vom Kreisverband Ostholstein/Lübeck. „Einige Landwirte haben deshalb schon mit dem Weizendrillen aufgehört“. Nach Schädlichs Schätzung müssten etwa 20 bis 30 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, um die Situation zu bessern. Gestern morgen habe es geringe Niederschläge gegeben, „aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Das warme Sonnenwetter der vergangenen Wochen habe die Böden vor allem in Ostholstein ausgetrocknet. Was für die Maisernte noch ganz gut sei, bedeute aber Probleme für die Aussaat der neuen Pflanzen.

In Ostholstein gebe es trockene Böden, bezogen auf das ganze Schleswig-Holstein sieht die Landwirtschaftskammer jedoch „keine gravierenden Probleme“, sagt Sprecherin Isa-Maria Kuhn. „Insgesamt betrachtet sind wir hier ein sehr begünstigter Standort mit hervorragendem Klima und sehr guten Böden.“

In Mecklenburg-Vorpommern ist im September bisher im Schnitt nur gut ein Fünftel der üblichen Niederschlagsmenge gefallen, teilte der Deutsche Wetterdienst gestern mit. Die Saaten von Winterraps und Wintergetreide könnten nicht keimen, sagte Jens Fildebrandt vom Agrarmeteorologischen Forschungsdienst in Braunschweig, der auch für Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist. Der Landesbauernverband in Neubrandenburg erklärte, noch schlimmer sei es, wenn die Samen keimten, die Pflanzen dann aber kein Wasser zum Weiterwachsen hätten.

Der Referent für Pflanzenproduktion Frank Schiffner erklärte, auf Rapsschlägen sei bereits sichtbar, dass Kuppen kahl blieben.

Die Trockenheit macht den Boden betonhart und erschwert auch Arbeiten wie das Pflügen oder das Roden von Zuckerrüben. Deren Erträge und ein Zuckergehalt von mehr als 18 Prozent seien aber sehr gut, auch die Kartoffelanbauer seien zufrieden, sagte Schiffner. Problematisch sehe es beim Silomais aus, der im Sommer hoch und dicht stand, durch die Hitze im September aber einen halben Monat zu früh reif geworden sei. Wenn der Mais zu trocken sei, sei das schlecht zum Silieren. Viele Maisfelder seien abgeerntet. Sonst habe die Ernte oft erst im Oktober begonnen.

„Wenn es jemanden gibt, der mit Regentänzen Erfolg hat, dann könnten wir ihn jetzt gut gebrauchen“, fügt Bauer Klaus Pritschau scherzhaft an.

 Christian Risch

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