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Bohrschlamm wurde einfach weggekippt

Kiel Bohrschlamm wurde einfach weggekippt

Erdölförderungen haben auch in Schleswig-Holstein giftige Abfälle hinterlassen. 100 solcher Flächen sind im Land bekannt.

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Auch im Kreis Ostholstein wurde Erdöl gefördert. So sah der alte Bohrturm in Grube aus – ein Foto aus dem Jahr 1953. An 100 Stellen im Land soll es Reste alten Bohrschlamms geben.

Quelle: Archiv Uwe Hartert

Kiel. Jahrzehntelang wurden auch in Schleswig-Holstein Erdöl und Erdgas gefördert. In kleinen Mengen nur. Dennoch: Es gab giftige Hinterlassenschaften, Öl- und Bohrschlamm. Und die kippte man bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts einfach in alte Bohrlöcher oder irgendwo auf den Acker. Bis heute sind im Land 100 solcher Flächen bekannt, insgesamt 70 Gemeinden in Schleswig-Holstein sind von Ablagerungen giftigen Öl- und Bohrschlamms betroffen. Das hat das Umweltministerium in Kiel jetzt auf Anfrage der Piraten- Fraktion bekanntgegeben.

„„Wieso hat es hier in den letzten zehn Jahren keine einzige Sanierungsmaßnahme gegeben?“ Patrick Breyer, Abgeordneter der Piraten

„Vier Standorte liegen in Wasserschutz- und neun Standorte in Trinkwassereinzugsgebieten“, sagt Pirat Patrick Breyer. Betroffen ist zum Beispiel das Wasserschutzgebiet Glinde im Kreis Stormarn, außerdem sind es die Trinkwassereinzugsgebiete Lankau, Schwarzenbek und Escheburg im Kreis Herzogtum Lauenburg sowie Grube im Kreis Ostholstein. Ob die giftigen Ablagerungen das Wasser, die Umwelt oder die Gesundheit gefährden, sei bis heute nicht geprüft. Aus anderen Bundesländern sei aber bekannt, dass Öl- und Bohrschlamm giftige und krebserregende Stoffe enthält.

Kiels Grüner Umweltminister Robert Habeck hält dagegen. Ja, es könnte grundsätzlich eine Gefahr von den Ablagerungen ausgehen. Deshalb versuche man seit zwei Jahren in Zusammenarbeit mit den zuständigen Kreisen gezielt, die Standorte ausfindig zu machen und bei Bedarf zu sanieren. Aber, so betont der Minister, Trinkwasser werde vor der Abgabe in die Leitungen in jedem Wasserwerk gründlich auf Schadstoffe geprüft. Und es habe bisher nirgendwo auffällige Werte gegeben. Das Trinkwasser sei daher sicher, da könne er die Bürger beruhigen.

Die alten Ablagerungsflächen ausfindig zu machen, sei gar nicht so einfach, sagt der Minister. Oft müsse man versuchen, noch Augenzeugen zu finden, die genauere Angaben machen können, wann und wo genau die Schlämme vergraben wurden. Alte Akten müssen studiert, alte Fotos ausgewertet werden. Detektivarbeit. Breyer dauert das alles zu lang. „Wieso hat es hierzulande in den letzten zehn Jahren keine einzige nennenswerte Sanierungsmaßnahme gegeben?“, fragt der Pirat. In Niedersachsen würde die Erdölindustrie dem Land Millionen für Analyse und Sanierung von Schlammgruben zahlen, Habeck verzichte auf eine solche Beteiligung. „Altablagerungen sind das belastende Erbe einer mehr als 100-jährigen Gewerbe- und Industriegeschichte“, kontert der Minister. Es sei eine Mammutaufgabe für die Behörden, solche Altlasten abzuarbeiten. Die Bohrschlämme seien ein kleiner Teil der Gesamtaltlasten, viele stammten aus Bohrungen der 30er und 40er Jahre. In Kürze werde man aber ein Gutachten in Auftrag geben, um die Standorte herauszufiltern, bei denen sich der Verdacht auf Bohrschlammgruben konkretisiert. Insgesamt gebe es über 10000 Altlastenflächen im Land. Man habe sie seit den 80er Jahren immer mehr in den Blick genommen. Die Bedrohung, die zum Beispiel von vergrabenen Chemikalien von Fabriken ausgehen, würden Fachleute als höher einstufen.

Glindes Bürgermeister Rainhard Zug wurde von der Berichterstattung zum Bohrschlamm überrascht. „Ich hätte mir gewünscht, vom Ministerium vorher informiert worden zu sein“, sagt er. Es gehe um Bohrschlämme, die in den 60er Jahren im gesamten Stadtgebiet entsorgt worden sein sollen. Beim Wasserwerk gebe es seines Wissens nach aber keine Auffälligkeiten. Zwischen den ostholsteinischen Dörfern Grube und Gruberhagen wurde seit 1953 nach Öl gesucht, berichtet Dorfarchivar Hans-Uwe Hartert. „Was man fand, waren starke Gasvorkommen.“ Um nach dem Ende der Förderung das Bohrloch wieder zu verschließen, sei dann ein Beton-Ölschlamm-Gemisch verwendet worden. Der alte Bohrturm war zuvor in der Zeitung noch euphorisch bejubelt worden. „Wahrzeichen der Neuzeit“ war zum Beispiel ein Zeitungsbericht vom 12. Dezember 1956 überschrieben.

wh/ba/lg

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