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Boostedt: IG Bau attackiert Putzfirma

Boostedt/Kiel Boostedt: IG Bau attackiert Putzfirma

Gewerkschaft spricht von schlechter Hygiene und nicht gezahltem Lohn. Unternehmen wehrt sich gegen Vorwürfe.

Putzen ist oft ein Knochenjob. Nach Gewerkschaftsangaben herrschen in der Branche „knallharte Bedingungen“.

Quelle: Jens Büttner/dpa

Boostedt/Kiel. Nicht gezahlte Löhne, mangelnde Gesundheitsvorsorge, Ausbeutung — die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) erhebt öffentlich massive Vorwürfe gegen die Flensburger Reinigungsfirma Beyersdorf. Konkret beziehen sich die Vorwürfe auf die Flüchtlingsunterkunft in Boostedt, wo Beyersdorf als Dienstleister des Landes tätig ist. Das Unternehmen weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Nach Angaben von IG-Regionalleiter André Grundmann seien die 15 Mitarbeiter in der Boostedter Unterkunft nicht nur „mehrfach um ihren Lohn geprellt“ worden, sondern litten auch unter „mittlerweile unhaltbaren hygienischen Zuständen“. Teilweise müssten die Beschäftigten 13 Stunden am Stück arbeiten, kritisiert der Gewerkschafter. Ruhezeiten von zwei Stunden, die die Reinigungskräfte zwischendurch einlegen müssten, würden nicht bezahlt, wodurch sowohl der Branchen-Mindestlohn von 9,80 Euro als auch der gesetzliche deutlich unterschritten werde.

Noch schwerer wögen aber die hygienischen Bedingungen, die für die Mitarbeiter inzwischen gesundheitsgefährdende Ausmaße annähmen, sagt Grundmann. Die acht Toiletten, die den 80 Flüchtlingen der Wohneinheit zur Verfügung stünden, würden stark beansprucht und müssten durchgängig gereinigt werden. Weder gebe es Hygienestandards, noch seien die Reinigungskräfte vorschriftsmäßig gegen Hepatitis und andere übertragbare Krankheiten geimpft. Da die Pitzkräfte Rumänen seien und kaum Deutsch verstünden, sei es zweifelhaft, dass sie über die Risiken aufgeklärt worden seien.

Versuche der IG Bau, die Angelegenheit einvernehmlich zu klären, seien jedoch an der Geschäftsführung gescheitert. „Stattdessen wird jetzt versucht, die Vorwürfe unter den Teppich zu kehren“, sagt Grundmann. „Widerspenstigen“ Mitarbeitern sei sogar mit der Kündigung gedroht worden.

Thomas Müller, Geschäftsführer von Beyersdorf, weist die Angriffe der Gewerkschaft vehement zurück. Da der zuständige Arzt mitgeteilt habe, dass die in Boostedt untergebrachten Flüchtlinge nicht unter ansteckenden Krankheiten litten, seien Schutzimpfungen für die Mitarbeiter nicht erforderlich gewesen. Zudem zahle seine Firma von jeher nach Tarif — und das sei „auch in Boostedt nicht anders“. Es gebe aber eine Uneinigkeit mit der Gewerkschaft hinsichtlich der Vergütung von Pausenzeiten, die laut Müller „abreitsrechtlich nicht als vergütungspflichtige Arbeitszeit anzusehen“ seien.

Tatsächlich hätten Mitarbeiter in den ersten 14 Tagen nach Auftragsbeginn „ohne Kenntnis der Firmenzentrale bis zu 13 Stunden gearbeitet“. Das sei vergütet worden und der personelle Engpass inzwischen behoben.

Ebenfalls sei unwahr, dass die rumänischen Mitarbeiter nicht geschult worden seien. Eine langjährige Mitarbeiterin, die freigestelltes Betriebsratsmitglied sei, spreche rumänisch und habe die Mitarbeiter unterwiesen. Wegen der „extrem verurteilenden und geschäftsschädigenden Sprache“ der IG Bau wolle das Unternehmen jetzt rechtliche Schritte gegen die Gewerkschaft prüfen, droht Müller.

Auch das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH), das als Auftraggeber zuständig ist, will von Missständen nichts wissen. In der Vergangenheit habe es keine Hinweise gegeben, dass es Probleme bei Entlohnung oder Hygienestandards gebe, so eine Sprecherin auf Anfrage. Die Firma habe vielmehr zugesichert, alle geforderten Standards auch einzuhalten.

Die IG Bau hat jetzt den Zoll eingeschaltet. Zur Sache konnte das Hauptzollamt in Kiel gestern aber keine Auskunft geben.

Von Oliver Vogt

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