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Wirtschaft im Norden „Branche wird in den Ruin getrieben“
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden „Branche wird in den Ruin getrieben“
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13:21 30.12.2017
In Nordfriesland stehen besonders viele Windräder, doch der Ausbau ist weitgehend zum Stillstand gekommen.
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Kiel

Christiansen verweist auf den Genehmigungsstopp für neue Windanlagen (bis auf wenige Ausnahmen) wegen der Erarbeitung neuer Regionalpläne in Schleswig-Holstein. Die Landesregierung will sie bis zum Sommer 2018 fertig haben und dann für die zweite Anhörung ein halbes Jahr auslegen.

Auch Christiansens Rückblick auf das Jahr 2017 fällt durchweg negativ aus: Es sei ein weiteres Jahr ohne wirtschaftlich sichere Rahmenbedingungen für die Branche gewesen. Alle Bauanträge, die auf den geltenden Regeln (mit 400/800 Metern) geplant und vorfinanziert wurden von tausenden Bürgern im Land, seien mit dem Antreten der neuen Landesregierung im Juni 2017 hinfällig geworden.

„Investitionen hängen seitdem in der Luft, und unendlich viele Gutachten verlieren ihre Gültigkeit. Somit haben wir in den nächsten Jahren einen fast kompletten Stillstand beim Ausbau der Windenergie in Schleswig-Holstein“, sagte Christiansen. Lediglich 25 Baugenehmigungen habe es seit Antreten der neuen Landesregierung gegeben. „Wir sind nicht mehr das Energiewendeland Nummer eins, die Branche steht vor riesigen wirtschaftlichen Schäden, die ersten Entlassungen finden bereits statt, eine unternehmerische Planung für 2018 und 2019 ist aktuell nicht möglich, Kurzarbeit und Entlassungen sind die Folge. Es hätte nicht schlimmer kommen können.“

Um an bundesweiten Ausschreibeverfahren teilzunehmen und so Zuschläge für neue Windanlagen zu erhalten, seien zwingend Baugenehmigungen notwendig. „Diese werden aber weiterhin nicht erteilt, damit wird in Schleswig-Holstein also im kommenden Jahr kaum Zubau möglich sein“, kritisierte Christiansen. Wie die Landesregierung gleichzeitig ihre Klimaschutzziele erreichen wolle, bleibe ein Rätsel.

Sollte die Landesregierung Ausnahmegenehmigungen erteilen für Anlagen, die zweifelsfrei nicht gegen die gültigen Kriterien verstoßen, könnte man viele Arbeitsplätze erhalten. Aktuell hängen laut Christiansen über 2000 Megawatt im Genehmigungsverfahren fest. Das entspreche der Leistung von zwei Atomkraftwerken oder der mehr als zweifachen Menge, die pro Jahr im gesamten Netzausbaugebiet in der Ausschreibung bezuschlagt werden dürfe.

Dagegen sieht Energieminister Robert Habeck (Grüne) Schleswig-Holstein „trotz der schwierigen Neuaufstellung der Windplanung auf einem guten Weg“. Die Energiewende sei „gut vorangekommen“. „Die Ziele des Energie- und Klimaschutzgesetzes werden nicht angetastet und von der Landesregierung weiter mit Nachdruck verfolgt“, betonte Habeck. Etwa 24 Terrastunden Strom könnten die im Norden installierten Anlagen an erneuerbaren Energien im Jahr 2017 geliefert haben, das entspräche etwa 150 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs in Schleswig-Holstein. Im Vergleich zu 2016 gebe es einen Anstieg um 5 Terrastunden Strom.

Bis zum Jahr 2025 will Schleswig-Holstein 37 Terrawattstunden Öko-Strom produzieren. „Das ist vor allem angesichts der schwierigen Lage bei der Regionalplanung ambitioniert, aber durchaus noch zu schaffen“, sagte Habeck. „Klar ist aber auch, dass der Bund den Ausbaudeckel für die Windenergie an Land deutlich anheben und das Netzausbaugebiet wieder abschaffen muss.“

Habeck sieht Fortschritte beim Netzausbau, „den wir konsequent vorantreiben“. In Kürze werde die Mittelachse von Audorf bis Hamburg angeschlossen und den Strom aus dem Norden abführen. Die Westküstenleitung befindet sich bis zum dritten Abschnitt nach Husum im Bau – „wenngleich es bei dem Wetter des Jahres und dem weichen Baugrund Verzögerungen gibt: Der erste Abschnitt ist im Betrieb, das Dreibein, das das TenneT-Netz mit Hamburg verbindet, ebenso.“

LN

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