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Wirtschaft im Norden Brexit-Beben: Briten in Norddeutschland sind verunsichert
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18:27 25.06.2016
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Seit acht Jahren liegt das Wohl der Gemeinde Brunsmark im Kreis Herzogtum Lauenburg in den Händen von Iain Macnab. Der Schotte hat dafür gesorgt, dass in dem 160-Seelen-Dorf ein neues Gemeindehaus gebaut und dass die Feuerwehr unterstützt wird. Doch damit könnte nach dem Brexit Schluss sein. „Wenn Großbritannien nicht mehr in der EU ist, erlischt mein Wahlrecht für Kommunalwahlen“, erzählt der 66-Jährige. „Ich wollte ohnehin nur noch zwei Jahre arbeiten. Hoffentlich kann ich die noch voll machen.“ Den Brexit hält der Schotte aber nicht nur wegen seines persönlichen Schicksals für die falsche Richtung. „Man kann die Briten verstehen, aber ich habe nicht damit gerechnet. Es wäre eine Katastrophe, wenn sich Schottland jetzt noch abspaltet.“

Seit acht Jahren liegt das Wohl der Gemeinde Brunsmark im Kreis Herzogtum Lauenburg in den Händen von Iain Macnab.

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Auch Martin Waters, der aus Cornwall stammt, hat Verständnis für die Entscheidung. „Wir sind ein Inselvolk, alles Einzelkämpfer. Aber wenn uns jemand bedroht, stehen wir alle zusammen“, sagt er. Dass die EU in Aussicht gestellt hat, was Großbritannien bei einem Austritt erwarte, sei das falsche Druckmittel gewesen. Der 72-Jährige macht sich nun Sorgen um seine Krankenversicherung, die über sein Heimatland läuft und nur dank der Kooperation mit deutschen Krankenkassen funktioniert.

Den Grund für die Entscheidung sehen viele in der Übermacht der EU. „Es läuft zu viel schief. Die Briten haben das Gefühl, den eigenen Stolz zu verlieren“, meint Ross Brown. Der Bad Schwartauer findet es schade für Deutschland, aber er weiß auch, dass seine Familie in Großbritannien über das Ergebnis jubelt. „Ich hoffe nur, dass die Entscheidung bei anderen Ländern keinen Zorn auslöst“, sagt der 52-Jährige. Das hofft auch Benjamin Watkins. Der 36-Jährige stammt aus Bristol und war überrascht vom Abstimmungsergebnis. „Damit habe ich nicht gerechnet. In Zeiten des Terrors, der Flüchtlingskrise und der unsicheren wirtschaftlichen Situation sollten alle näher zusammenrücken.“ Auch Una Doherty (54) hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht. „Ich habe die Befürchtung, dass nun die Schotten und die Nordiren mit England und Wales brechen“, sagt die Lübeckerin. Der Scharbeutzer Jakob Siegeris (34) lebt seit Jahren in London. Auch er ist geschockt, obwohl er es hat kommen sehen. „Die großen Tageszeitungen wie die ,Sun‘ und die ,Times‘ haben den Brexit befürwortet und letztlich viel Stimmung gemacht“, sagt er.

 Maike Wegner

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