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Wirtschaft im Norden Britische Erdbeeren bedroht
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20:10 26.06.2017
London

Erdbeeren gehören zum legendären Tennisturnier in Wimbledon wie der auf acht Millimeter getrimmte „heilige Rasen“. Rund 28 Tonnen Erdbeeren verspeisen die Tennisfans jedes Jahr. Um die Früchte so frisch wie möglich anzubieten, werden die meisten in den Morgenstunden desselben Tages gepflückt. Doch wenn am 3. Juli der erste Spieler aufschlägt, könnte es sein, dass die Zuschauer diesmal ohne frische Erdbeeren zuschauen müssen. Schuld daran ist der bevorstehende Brexit.

Der Branchenverband British Summer Fruits hat jetzt Alarm geschlagen und vor einer Zerstörung einer „Kult“-Industrie gewarnt. Durch die Folgen des EU-Austritts könnte erst die Zahl der Arbeiter sinken, dann der Anbau der Erdbeeren zurückgehen. Die Landwirtschaft auf der Insel hängt stark von den 80000 Saisonarbeitern ab, die jedes Jahr Gemüse und Früchte ernten. Drei Viertel der 13

400 Helfer, die zwischen Januar und Mai rekrutiert wurden, stammen aus Bulgarien und Rumänien, die anderen aus den übrigen osteuropäischen Ländern. Doch immer mehr Saisonarbeiter bleiben lieber zu Hause.

Das Königreich werde bei Arbeitskräften aus dem Ausland zunehmend als „ausländerfeindlich“ und „rassistisch“ wahrgenommen, sagen viele Landwirte. Zudem ist der Kurs des Pfunds stark gefallen – das schmälert die Verdienstmöglichkeiten der Arbeiter. Plötzlich melden sich gar Bauern, die vor einem Jahr den Brexit noch euphorisch gefeiert hatten. Landwirt Harry Hall etwa hat für den Austritt gestimmt. Doch heute bereut er das bitterlich. Seine

Früchtefarm im Süden Englands werde zugrunde gehen, wenn er nicht weiterhin einfach Arbeiter aus dem Rest der EU anheuern könne, klagt er. Preise für die beliebtesten Sommerfrüchte des Landes könnten dann um 35 bis 50 Prozent steigen. Dass arbeitslose Briten die Arbeit übernehmen, gilt als sehr unwahrscheinlich: Ein Mitarbeiter von Harry Hall erinnert sich an nur einen einzigen Engländer, der in den vergangenen Jahren bei der Ernte helfen wollte – der habe aber schon nach einem Tag gekündigt.

Katrin Pribyl

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