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Wirtschaft im Norden Cabrios werden ausgebremst
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22:27 23.10.2013
An schönen sonnigen Oktobertagen öffnen Cabrio-Fahrer gern noch mal das Verdeck. Quelle: dpa

Der Oktober lockt dieser Tage mancherorts noch einmal mit Cabrio-Wetter. Fahren „oben ohne“ ist hierzulande seit Jahren ein ungebrochener Trend. Anfang 2013 waren in Deutschland knapp 1,9 Millionen Cabrios unterwegs, und im laufenden Jahr kamen bislang weitere 70 000 neu hinzu. Global gesehen darbt die Branche eher. Nach dem starken Einbruch in den vergangenen Jahren hat sich der Markt 2013 zwar berappelt. „Dennoch liegt das Marktniveau deutlich unter den Prognosen der Analysten“, sagt Andreas Radics vom Münchner Beratungsunternehmen Berylls Strategy Advisors, das auf die Autoindustrie spezialisiert ist. „Insgesamt muss im Cabrio-Segment auch mittelfristig mit einem deutlich abgeflachten Volumen gerechnet werden.“

Während sich andere Fahrzeugsegmente vor allem dank des Wachstums in China schneller erholten, werden Cabrios noch immer vorwiegend in Deutschland, Großbritannien und den USA verkauft. Und dort ist lange nicht so viel Luft nach oben wie in den vier großen Wachstumsregionen Brasilien, Russland, Indien und China, kurz BRIC-Staaten genannt.

Hinzu kommt der Trend zu den Geländelimousinen (SUV). Er habe das Cabrio-Segment zwar weniger hart getroffen als vermutet, sagt Experte Radics. Dennoch biete die wachsende Zahl an Modellen und Varianten deutlich mehr Optionen für den Autokäufer als früher. Auch seien immer größere Panorama-Dächer für viele eine echte Alternative zum Open-Air-Gefühl. Etwas bremse auch generell: „Das Verständnis, dass Cabrios heute vollwertige Autos sind und nicht mehr als reine Zweit- oder Drittwagen zu sehen sind, hat sich auch noch nicht durchgesetzt“, gibt Branchenkenner Radics zu bedenken.

Dennoch seien Cabrios für viele Hersteller mehr als irgendeine Modellvariante — die Oben-Ohne-Autos prägen die Marken entscheidend. Kein Wunder also, dass die Kunden 2013 mit mehr als 60 verschiedenen Open-Air-Modellen die Qual der Wahl gehabt hätten. Der Trend zur Modulbauweise, mit der Hersteller aus Kostengründen immer mehr gleiche Bauteile in verschiedene Modelle bringen, spielt den Cabrios in die Karten. Sie können so vom selben Band laufen wie die übrigen Modelle.

Die BRIC-Staaten, auf denen die Hoffnungen der Branche ruhen, gelten kaum als cabrio-affin. Neben Aspekten zu Preis und Nutzen scheint es in Rio oder São Paulo schlicht zu unsicher ohne stabiles Dach. Auch lade die Luftqualität der Metropolen nicht zum offenen Fahren ein, so Radics. Offensichtlich müssen Cabrios dort erst zum Lifestyle-Objekt heranwachsen.

Das umwandelbare Auto
Ein Auto mit faltbarem Verdeck nennen die Deutschen kurz Cabrio. Der volle Name Cabriolet stammt aus dem Französischen und bedeutet „leichter, einspänniger Wagen“. Die Anfänge des Automobils als motorisierte Kutsche lassen grüßen. Bei den Franzosen ist auch der Begriff „décapotable“ gebräuchlich. Im Englischen heißt es „convertible“. In dem Wort steckt, dass etwas „umwandelbar“ ist — beim Cabrio eben von geschlossen zu offen.

Die Weltspitze der Cabrio-Hersteller ist fest in deutscher Hand. Mercedes führt die Liste mit voraussichtlich 60 500 Cabriolets im laufenden Jahr an. VW folgt dicht dahinter mit 59 700 Open-Air-Fahrzeugen. Platz drei hat BMW mit 41 800 Cabrios, dahinter folgt mit 32 600 Einheiten die Cabrio-Variante des Mini. Auf Rang fünf liegt Fiat mit 30 900 Fiat-500-Cabrios.

LN

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