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Wirtschaft im Norden Cannabis-Farmer scheffeln Millionen
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21:20 16.04.2016
Die unverwechselbaren Blätter der Hanfpflanze. In den Blüten steckt aber die eigentliche Droge. Quelle: Fotos: Dpa/jann

Im Geheimen wächst ein neuer Wirtschaftszweig: Der illegale Cannabis-Anbau im Norden floriert wie noch nie. Erst in dieser Woche hat die Polizei große Hanf-Plantagen mit tausenden Pflanzen zur Drogen-Produktion in Geesthacht und Stockelsdorf ausgehoben, 56 waren es im vergangenen Jahr. Wird die Polizei dem noch Herr?

Ein Zivilbeamter auf der Drogen- Plantage in Geesthacht.

Immerhin: Von einer Marihuana-Mafia, die das ganze Geschäft unter ihrer Kontrolle hat, geht das Landeskriminalamt (LKA) in Kiel nicht aus. „Nach unserer Wahrnehmung sind alleinverantwortlich handelnde Täter oder Tätergruppen am Werk, die für den Vertrieb im regionalen Bereich ,produzieren‘“, erklärt LKA-Sprecher Uwe Keller. Wie viele von diesen „Betrieben“ im Land existieren, ließe sich kaum schätzen. „Wir gehen jedenfalls von einem großen Dunkelfeld aus“, sagt Keller.

Die Erträge dürften immens sein. Der Großhandelspreis für ein Kilogramm Marihuana liegt bei 5000 Euro. Allein die jetzt sichergestellten 20 Kilogramm hätten dem 36-jährigen Betreiber und seinem Komplizen (33) demnach 100000 Euro eingebracht. Legt man den Straßenverkaufspreis von acht Euro pro Gramm zugrunde sogar 160 000 Euro. Mit ihren 2571 Pflanzen, die die Polizei in Geesthacht sicherstellte, sowie den weiteren 1568 aus Stockelsdorf hätten sie jedoch gut und gerne mehr als 400 Kilogramm der Droge pro Ernteperiode erzeugen können.

Eine explizite „Jagd“ auf die Cannabis-Bauern gebe es in Schleswig-Holstein zwar nicht, räumt LKA-Sprecher Keller ein. Durch Ermittlungen spezialisierter Beamter seien in der Vergangenheit aber schon häufig solche Plantagen entdeckt worden. Aber auch der Zufall habe der Polizei schon geholfen. So war beispielsweise im Dezember im segebergischen Weede eine Plantage auf einem Resthof aufgeflogen, nachdem in dem Gebäude ein Feuer ausgebrochen war. Genauso war es in Großhanstorf (Kreis Stormarn), als im Juli nach einem Feuer eine Klein-Plantage mit etwa 40 Hanfpflanzen entdeckt worden war.

Im Vergleich mit Profis der Branche waren sie aber nur kleine Fische. Von anderem Kaliber waren zum Beispiel zwei 34 und 53 Jahre alte Männer, die ab 2007 unter anderem in Dassendorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) in großem Stil Marihuana angebaut hatten. Mehr als acht Millionen Euro sollen sie damit verdient haben. Genießen können sie den Reichtum nicht: Das Landgericht Lüneburg verurteilte die Hamburger im Februar zu Haftstrafen von zehneinhalb und siebeneinhalb Jahren.

Auf die beiden Cannabis-Farmer von Geesthacht und Stockelsdorf dürften ähnliche Strafen zukommen. Während der Gesetzgeber beim Anbau zum Eigenbedarf die Täter meist mit Geld- oder Bewährungsstrafe davonkommen lässt, ist der Spaß spätestens beim kiloweisen Anbau vorbei. Nur wer die Droge nachweislich für medizinische Zwecke benötigt, hat in Deutschland das Recht, Cannabis zu züchten — unter strengen Auflagen.

Die kriminellen Täter haben zudem mit zwei großen Problemen zu kämpfen: Hanf verströmt einen starken Geruch — und sein Anbau kostet wegen des hohen Lichtbedarfs der Pflanzen jede Menge Strom, was auf Dauer kaum zu verschleiern ist. Das so gezüchtete Marihuana habe aber kaum mehr etwas mit dem „Gras“ der Hippie-Generation zu tun, warnt LKA-Sprecher Keller. „Cannabis ist durch gezielten Anbau, optimale Wachstumsbedingungen und Zucht eine hochpotente Droge geworden, deren Wirkstoffgehalt den früherer Zeiten um ein Vielfaches übersteigt.“

Nutzhanf und Drogenhanf

Hanf (oder Cannabis) ist in Deutschland nicht per se verboten. Unter das Betäubungsmittelgesetz fällt nur der darin enthaltene Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Industrieller Nutzhanf enthält aber nur geringe Anteile davon, so dass er als Droge wertlos ist. THC wirkt auf Rezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem, verändert die Wahrnehmung, führt zu Stimmungssteigerung und Gefühlen erhöhter Einsicht. Es steht aber in Verdacht, Psychosen auslösen zu können.

Von Oliver Vogt

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