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Wirtschaft im Norden China stoppt Plastikmüll-Importe
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden China stoppt Plastikmüll-Importe
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22:59 08.01.2018
Plastikmüll in einer Sammel- und Sortieranlage im Bezirk Shijingshan in Peking. Quelle: Rolex De La Pena/dpa
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Peking/Lübeck

Kaum ein Müllentsorger weiß offenbar wirklich, was aus dem Abfall im Gelben Sack wird. „Wir sammeln die nur und geben sie an die Verwerter ab“, sagt etwa Nicole Buschermöhle vom Zweckverband Ostholstein. Nicht einmal die Namen der Händler kenne sie. „Diese Verträge macht unser Partner im Dualen System.“ Das ist die Kölner RKD (Recycling Kontor Dual GmbH & Co. KG), eines von zehn zugelassenen dualen Systemen in Deutschland, die es neben dem bekannten Grünen Punkt gibt.

Die in Grambeck (Kreis Herzogtum Lauenburg) ansässige Entsorgungsfirma Damm sammelt die Gelben Säcke in den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn. „Was dann daraus wird, kann ich nicht sagen“, verdeutlicht auch Geschäftsführer Jens Göhner. „Wir bringen die meisten Säcke zur Sortieranlage der Abfallfirma Veolia in Hamburg.“ Dort gab es auf die Nachfrage, was weiter mit dem Müll geschieht, gestern keine Antwort.

Fest steht: Das deutsche Recycling-System ist kompliziert und undurchsichtig. Wer den Müll vermarktet, entscheidet das jeweils zuständige Duale System. „Die machen die Verträge“, sagt Göhner. „Und welches Duale System wo in einem Landkreis zum Zuge kommt, wird per Los entschieden. Wir haben hier mit allen zehn Dualen Systemen zu tun.“

Der Grüne Punkt selbst ist in Lübeck „Duales System-Partner“ der Entsorgungsbetriebe. Über den Grünen Punkt sei „Haushaltsmüll, wenn überhaupt, nur in verschwindend geringen Mengen nach China gelangt“, sagt Grüner- Punkt-Sprecher Norbert Völl. In erster Linie seien Abfälle aus Gewerbe und Produktion nach Fernost verkauft worden. Vor allem Folienreste. „Das ist ein globaler Markt.“ Auch andere Länder, zum Beispiel Malaysia und Vietnam, würden Müll importieren. Große Mengen des nach Südostasien verschifften Mülls seien wohl letztlich als Meeresmüll in die Ozeane gelangt, befürchtet Völl. „Insofern ist es gut, dass China als großer Abnehmer wegfällt.“ 2016 führte die Volksrepublik 7,3 Millionen Tonnen Plastikmüll im Wert von 3,7 Milliarden Dollar ein – über die Hälfte der weltweiten Importe.

Deutschland müsse nun eben noch mehr selbst recyceln, meint Völl. Derzeit würden hierzulande von 2,5 Millionen Tonnen Müll aus den Gelben Säcken nur 36 Prozent recycelt. Ein Teil gehe als Brennstoff an Zementwerke, über ein Drittel sei unbrauchbar. Ab 2019 sieht der Gesetzgeber eine Steigerung der Recyclingquote auf 58 und ab 2022 auf 63 Prozent vor. Völl: „Wir werden künftig doppelt so viel Kunststoff recyceln wie bisher.“ Wahrscheinlich werde auch Kunststoff aus Großbritannien oder den USA hinzukommen. „Dort fehlen die notwendigen Anlagen.“

Das Problem: Wohin mit dem ganzen recycelten Kunststoff, der dann den Markt überschwemmt? Aufgrund des Arbeitsaufwandes sei Recycling-Plastik teurer als neue Ware, sagt Völl.

„Die Vermarktung wird schwierig“, ist Jens Göhner von Damm überzeugt. Viele Verpackungen seien zu schlecht, um recycelt zu werden. „Es wird eine Lösung geben, aber die ist teuer.“ Die Kosten müssten die Hersteller tragen.

Umweltschützer jedenfalls loben Chinas Einfuhrverbot. China hat selbst genug Hausmüll: 2016 produzierte es rund 200 Millionen Tonnen.

 Von Marcus Stöcklin

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