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Wirtschaft im Norden DREI FRAGEN AN...
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22:19 11.03.2016

1 Was werden die Banken und Sparkassen nach der Entscheidung der EZB nun tun? Negativzinsen auf Spareinlagen erheben? Wir betreten hier Neuland, wir hatten bisher in der EU keinen Nullzins. Das, worüber die Kreditinstitute zuletzt laut nachgedacht haben, wird jetzt Realität. Sprich: Bevor man das Geld bei der EZB parkt und dafür Nacht für Nacht die 40 Basispunkte zahlt, werden die Banken das Geld sprichwörtlich im eigenen Tresor unterbringen. Negativzinsen sehe ich zunächst nicht auf Sparer zukommen. Die Kreditinstitute werden das eleganter lösen und zum Beispiel Kontoführungsgebühren oder ähnliches erhöhen. Selbstverständlich werden sie die Kosten weitergeben.

2 Wie sollen Sparer und Anleger nun reagieren? Auf dem Sparbuch verliert ihr Geld an Wert.Anleger werden verstärkt auf Betongold setzen. Ungeachtet aller Auf und Ab-Bewegungen halte ich es auch für sinnvoll, Aktien zu kaufen. Fatal ist: Anleger werden wieder risikofreudiger und weichen jetzt in Anlagen aus, die man früher gar nicht betrachtet hätte, nur um ein Quäntchen Rendite zu erwirtschaften. Das ist das Gegenteil von dem, was die EZB mit ihrer Geldpolitik erreichen wollte. Sie will ja, dass wir mehr konsumieren. Aber das hat schon bei den vorherigen Zinsschritten nicht funktioniert, warum sollte das jetzt klappen? Wer es sich leisten kann, wird in Aktien und Immobilien investieren. Aber jene, die nur kleine Sparguthaben haben, werden in die Röhre gucken. Ich habe große Probleme, ihnen zu erklären, warum sie das Geld nicht abheben und zu Hause unters Kopfkissen legen sollen.

3 Worauf müssen sich Anleger einstellen, die eine Lebensversicherung als Altersvorsorge haben?

Jene, die vor fünf oder zehn Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, profitieren vom relativ hohen Garantiezinssatz. Aber das Geschäft mit Lebensversicherungen ist jetzt zu Grabe getragen. Das ist keine Anlageform mehr, die sich lohnt. Die Finanzkrise ist 2007 entstanden, weil wir zu viel zu billigeres Geld in den Märkten hatten. Und das versucht die EZB jetzt zu korrigieren, indem sie noch billigeres Geld in den Markt pumpt. Die EZB muss höllisch aufpassen, dass ihre Geldpolitik nicht der Wegbereiter für die nächste Finanzkrise ist.

Von Interview: Christian Risch

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