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Wirtschaft im Norden Darum ist es auf dem Markt so schön
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20:22 19.11.2016

. Ach, wieder Markttag! Buden und Verkaufsstände sind auf dem Eutiner Marktplatz aufgebaut. Bunt und verlockend ist die Ware ausgelegt, die Kunden flanieren dazwischen herum.

Carolin Massa (50) bietet in Lübeck einen Octopus an. „Eineinhalb Stunden in Salzwasser kochen, dann mit Olivenöl und Knoblauch braten.“

„Ich wohne um die Ecke. Hier finde ich, was ich brauche.“Natalia Wessels (32), Lübeck

„Gefragt sind Dinge, die Sie im Supermarkt so nicht bekommen.“Händler Michael Kelling (60), Eutin

„Mal ’n Schnack am Stand, das gehört dazu.“ Jochen Maack (80), Lübeck

„Persönlicher Kontakt, frische Ware, ein guter Imbiss – super.“ Ulrike Pingel (72), Lübeck

„Hier hab’ ich einen schönen Weichkäse für Sie“, wirbt Käseverkäufer Michael Kelling (60) mit gewinnendem Lächeln. „Der ,Brie de Meaux’. 1815 auf dem Wiener Kongress zum König aller Käse gekürt.“ Er schneidet ein Stück zum Probieren ab. „Den hat schon Metternich gegessen“, sagt er augenzwinkernd. „Für mich mein Lieblingskäse.“ Der Geschmack überzeugt. Schon damals wusste man, was gut ist. Kundin Ingeborg Werner (87) freut sich und verstaut ihren Einkauf in der Tasche. „Das wär’s für heute.“ Sie kaufe immer auf dem Markt ein, erzählt die Seniorin vergnügt. „Hier ist alles frisch und regional.

Und bio.“

3300 Wochenmärkte gibt es in Deutschland, mindestens 100 in Schleswig-Holstein – und sie erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Qualität und das Besondere im Angebot sind Trumpf, weiß Wursthändler Stefan Wegener (54) aus Neumünster, der Präsident des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute ist. Er ist 33 Jahre im Geschäft. „Früher hatte ich 40 Wurstsorten, heute führe ich 280.“

Die Nachfrage sei groß, besonders am Wochenende werde der Markt zum Event für die ganze Familie. „Die Kommunen unterstützen das“, so Wegner. „Sie haben erkannt, dass Märkte die Innenstädte beleben.“

In ländlichen Regionen dagegen hätten die Märkte einen wichtigen Anteil an der Grundversorgung mit Lebensmitteln übernommen.

Insgesamt aber sei die Nische die große Stärke der Händler. Die Palette der Spezialitäten sei breit gefächert: Von selbstgemachter Marmelade bis zu Wildfleisch.

Käsekenner Kelling nickt. „Die Kunden wollen Dinge, die sie im Supermarkt so nicht bekommen.“ Wie zum Beispiel den französischen Löffelkäse Vacheron Mon d’Or, den es nur saisonal gibt, von September bis April. Oder finnischen Juusto mit Brandy und Nuss. Oder geaschten Ziegenkäse. „Der ist auch sehr lecker“, sagt Stammkundin Ingeborg Werner.

Der Fischhändler nebenan hat nicht nur Dorsche und Flundern im Angebot. Es gibt Loup de Mer, Wolfsbarsch und Dorade. „Diese Fische hole ich jeden Morgen vom Großmarkt in Hamburg“, sagt Händler Jan Maaß (50). „Dafür stehe ich um ein Uhr morgens auf.“

Dies ist ein Grund, warum Nachwuchs für den Beruf inzwischen rar sei, bedauert Verbandspräsident Wegener. Auch die Kosten für die klimatisierten, fahrbaren Stände seien hoch. „Mein Wagen hat 180

000 Euro gekostet. Und in acht Jahren ist der alt“, so Wegener.

Doch es lohnt sich trotzdem – für die Händler und die Kunden. „Für jeden muss etwas dabei sein“, meint Obst- und Gemüsehändler Jens Königsmann (39) aus Dannau (Kreis Plön). Er führt Esskastanien für die Anspruchsvollen. „Ich habe aber immer auch Äpfel oder Ähnliches im Angebot, das sich jeder leisten kann.“

Auf dem Lübecker Wochenmarkt am Brink ist das nicht anders. Michaela Kling (55) hat ihren Korb mit Feldsalat, Petersilie, Muskatkürbis und Grünkohl gefüllt. Auch eine Ananas kommt mit dazu. „Hier weiß ich, wo die Sachen herkommen“, sagt sie. Sie sind nicht mit Gift behandelt, und man wird auch gut beraten.“ Dass es auf dem Markt manchmal etwas teurer sei, nehme sie gerne in Kauf.

Verkäuferin Maren Langhoff (52) vom Bio-Stand Jürgen Wulff kennt ihre Kunden und deren Wünsche. „Wir beziehen unser Gemüse und Obst von den Vorwerker Werkstätten und von einem Biohändler aus der Region“, sagt sie. „Früher sind wir zum Großmarkt gefahren. Heute werden wir beliefert.“

Eine Tagesmutter schiebt ihren Kinderwagen über den Markt. Für die Kinder sei das ein Erlebnis. „Manchmal kaufe ich Eier für die Kinder. Den Eiermann kennen sie schon.“ Und der führt auch Honig von heimischen Bienen.

Natalia Wessels (32) sucht im reichen Angebot des Blumenhändlers einen schönen Strauß. „Ich dekoriere für die Hochzeit einer Freundin“, erzählt sie. Sie wählt Herbstastern mit Schleierkraut.

Ulrike Pingel (72) dagegen kauft die selbst gemachte Fischsuppe am Stand von Carolin Massa (50). Matjessalat, Hering in Gelee und Graved Lachs: „Alles selbstgemacht“, sagt die Händlerin stolz. Die Kunden stehen Schlange.

„Mal ’n Schnack am Stand“, das gehört für Rentner Jochen Maack (80) dazu. „Im Supermarkt ist das alles so unpersönlich“, findet er. „Hier ist das doch viel schöner.“

Marcus Stöcklin

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