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Wirtschaft im Norden Das Aus für die deutschen Zechen
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18:23 16.12.2017
Ende 2018 schließen Deutschlands letzten Steinkohle-Zechen – hier die Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. Quelle: Foto: Roland Weihrauch/dpa
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Essen

Glück auf und vorbei – Ende des kommenden Jahres stellen die letzten Steinkohlezechen Deutschlands in Bottrop und Ibbenbüren am Rand des Münsterlandes die Förderung ein.

Eine stolze und traditionsreiche Industriebranche verschwindet damit. Die offizielle letzte Schicht ist am 21. Dezember in der Ruhrgebietszeche geplant.

Es ist ein Ausstieg mit langer Vorbereitung und ohne Entlassungen oder soziale Härten – aber dennoch keine Kleinigkeit. „Der Abschied tut sehr weh, trotz des langen Vorlaufs“, sagt der Chef des Zechenbetreibers RAG, Bernd Tönjes.

Von den derzeit noch 5000 Bergleuten gehen die meisten in den Vorruhestand. Einige Hundert werden in neue Jobs vermittelt. In den besten Zeiten in den 1950er Jahre hatten noch mehr als 600000 Menschen Arbeit in der Branche. Der Saar-Bergbau war bereits Mitte 2012 gestoppt worden. Das mühsame Fördern aus mehr als 1000 Metern Tiefe unter hohen Sicherheitsstandards in den deutschen Bergwerken hatte sich schon seit vielen Jahren nicht mehr gelohnt. In Australien kann die Konkurrenz etwa 30 Meter dicke Flöze teils mit dem Schaufelradbagger im Tagebau gewinnen.

Gut eine Milliarde Euro Kohlesubventionen pro Jahr fielen zuletzt an, um die Preisdifferenz zum Weltmarkt auszugleichen. Auch im Ausstiegsjahr 2018 kann die Branche noch mehr als 900 Millionen Euro öffentliches Geld in Anspruch nehmen. Hinzu kommen die Milliardenzuschüsse für die Vorruhestandsregelungen der Bergleute, die nach 25 Jahren unter Tage mit 50 gehen dürfen.

2007 hatte der Bundestag einen Fahrplan für den Ausstieg aus der defizitären Steinkohle bis Ende 2018 festgeschrieben. Die zunächst noch vorgesehene letzte Überprüfung des Beschlusses wurde 2011 gestrichen.

Bergbau-Kritiker warnen vor historischer Verklärung: „Die Steinkohleverstromung hat ganze Landstriche verrußt, das Klima massiv geschädigt und ist über viele Jahre teuer subventioniert worden“, sagt etwa die Grünen-Politikerin Wibke Brems. Und auch mit deutlich weniger aktivem Bergbau rumpelt in dem Abbauregionen weiter kräftig die Erde: 22 000 Bergschadensmeldungen – etwa Risse in Hausfassaden – bearbeitet und reguliert die RAG pro Jahr. Mit dem Aus für die letzten Zechen wird die Arbeit unter Tage noch lange nicht vorbei sein: Tief unter dem Ruhrgebiet und in oberflächennahen Senken, die durch den Abbau entstanden sind, muss dauerhaft Wasser in riesigen Mengen abgepumpt werden, damit das Grundwasser geschützt wird und die Region nicht versinkt. Ohne regelmäßiges Pumpen läge etwa der Essener Hauptbahnhof zwölf Meter tief unter Wasser. Die Kosten dafür – nach derzeitiger Schätzung 220 Millionen Euro jährlich – trägt die RAG-Stiftung aus Kapital- und Dividendenerträgen.

Eine neue Nutzung für die riesigen Zechengelände zu finden, bleibt eine Aufgabe für Jahrzehnte: Aktuell entwickelt eine RAG-Tochter 10 000 Hektar freier Bergwerksflächen in 100 Einzelprojekten.

Der Bedarf an Gewerbegebieten ist groß im Ruhrgebiet. Teils gelang auch schon der Umbau zu Kulturzentren, Naherholungsgebieten oder Wohnvierteln.

Um die Erinnerung wach zu halten, plant die RAG die Sanierung und Erweiterung des weltgrößten Bergbaumuseums in Bochum. Dort können Besucher sogar unter Tage fahren – dank eines „Seilfahrt-Simulators“ fast wie in der Praxis. Allerdings geht es dort nicht 1000 sondern nur 20 Meter tief in ein „Anschauungs-Bergwerk“ unter dem Museum.

Von Ralf Schraa

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