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Wirtschaft im Norden „Das Grippe-Risiko ist deutlich erhöht“
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden „Das Grippe-Risiko ist deutlich erhöht“
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21:36 27.10.2012
Lübeck

Sven Soecknick (45) ist Allgemeinmediziner und Vorsitzender des Lübecker Ärztenetzes mit etwa 110 Praxen. Die LN befragten ihn zur Grippeimpfung.

Pharmaindustrie: Die Kassen sind schuld am Chaos

Lübecker Nachrichten: In Schleswig-Holstein fehlen 300 000 Impfdosen. Wie ernst ist die Lage?

Sven Soecknick: Die Versorgung der Bevölkerung mit Grippeimpfstoff ist flächendeckend gefährdet. Die Gefahr, dass gerade Risikogruppen, also ältere Menschen, Heimpatienten und chronisch Kranke, schwer an Grippe erkranken, liegt dadurch deutlich höher als sonst.

LN: Können Sie abschätzen, wie viel Impfstoff es in der Region Lübeck gibt?

Soecknick: Das ist extrem schwer. Kleines Beispiel: Wir brauchen in der Praxis normalerweise etwa 300 Impfdosen, hatten bisher 50 erhalten. Nächste Woche bekommen wir vielleicht zehn neue Dosen. Wir verimpfen das wenige, das wir haben. Wenn wir dann zu Hausbesuchen fahren, werden wir keinen Impfstoff mehr haben.

LN: Wie groß ist die Verunsicherung der Patienten?

Soecknick: Sie war schon groß, und jetzt ist sie noch gewachsen durch die Informationen über Verunreinigungen der Impfstoffe. Wir haben viele Nachfragen. Wir hatten aber bisher keinerlei Nebenwirkungen durch die Impfungen.

LN: Wer ist schuld an der Misere?

Soecknick: Die Krankenkassen haben das verbockt, nur um durch den Exklusivvertrag mit Novartis Geld zu sparen. Patientenversorgung ist Aufgabe der Ärzte und nicht der Kassen. Das ist eine medizinische Entscheidung, keine Kostenentscheidung. Der Arzt muss entscheiden können, welchen Impfstoff er welchem Patienten gibt.

LN: Wir sind sehr spät dran. Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich eine Schutzimpfung nicht mehr lohnt?

Soecknick: Der Schutz braucht einige Zeit, um sich voll aufzubauen. Natürlich kann man auch im Dezember noch impfen. Aber wenn es schlecht läuft, geht dann schon die Grippewelle los, und dann sind viele nicht geschützt.

LN: Wie kann einer renommierten Firma wie Novartis das passieren?

Soecknick: Das weiß ich nicht. Es war aber schon Anfang September absehbar, dass es zu Lieferengpässen kommt. Die Politik hätte früher reagieren können, den Rabattvertrag auflösen und den Ärzten erlauben können, sich Impfstoff auf dem freien Markt zu besorgen. Zu lange wurde am Exklusivvertrag festgehalten, was die Lage verschärft hat. Wenn wir jetzt kaufen wollten, würden wir kaum etwas bekommen, weil andere Hersteller nicht so viel Impfstoff produziert haben.

LN: Es sollte also der erste und letzte Exklusivvertrag gewesen sein?

Soecknick: Ja. Wir erwarten, dass die Kassen die Entscheidung, was geimpft wird, denjenigen überlassen, die den medizinischen Sachverstand haben. Schließlich müssen wir Ärzte auch die Konsequenzen tragen und haften für Folgen.

LN: Was raten Sie verunsicherten Patienten?

Soecknick: Ich rate ihnen, sich mit ihrem Hausarzt zu besprechen, wie hoch ihr Gripperisiko ist. Und ob es vielleicht sinnvoll ist, sich später impfen zu lassen, wenn wieder Impfstoff da sein sollte.

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