Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Das Land mit den vielen Schiffen

Kiel Das Land mit den vielen Schiffen

Über Nacht ist Schleswig-Holstein zu einem großen Schiffseigner geworden, genauso wie Hamburg. Die Länder entlasten damit ihre HSH Nordbank.

Voriger Artikel
HSH: Das Land übernimmt heute Nacht 256 Schiffe
Nächster Artikel
Gründerpreis für Ernährungskonzept

Sieht ein großes Risiko: CDU-Finanzpolitiker Tobias Koch.

Kiel. D ieser 1. Juli ist ein schicksalsträchtiger Tag für die Steuerzahler in Schleswig-Holstein und Hamburg. Von heute an gehören den beiden Ländern zumindest indirekt 256 Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker, deren Besitzer Kredite der HSH Nordbank im Gesamtvolumen von fünf Milliarden Euro nicht mehr ordnungsgemäß bedienen können. Eigentümer dieser Schrottpapiere ist nun die ländereigene HSH Portfoliomanagement AöR. Auf Basis eines Wertgutachtens der EU-Kommission zahlt diese Abwicklungsanstalt für die Papiere einen Kaufpreis von 2,4 Milliarden Euro. Obwohl der Deal zur Rettung der Bank im Kern seit Monaten bekannt ist, schlagen die Wogen im Landeshaus hoch.

 

LN-Bild

256 Schiffe gehören seit heute Schleswig-Holstein und Hamburg – zumindest indirekt: Die beiden Ländern übernehmen faule Kredite der HSH Nordbank

Quelle: Fotolia/montage: Wapner
LN-Bild

Verteidigt den Deal: Finanzministerin Monika Heinold (Grüne).

Um welche Schiffe es sich im Detail handelt, will die Landesregierung erst bekannt geben, wenn der Eigentümerwechsel vollzogen ist. Nach Informationen der Kieler Nachrichten geht es zu einem bedeutenden Teil um Containerschiffe mit einer Kapazität von 2000 bis 8000 Standardcontainern, von denen ein großer Teil ohne Beschäftigung ist und in Asien aufliegt.

Um das mit der EU vereinbarte Rettungskonzept für die Bank umsetzen zu können, hatten die Länder-Parlamente Ende vergangenen Jahres Kreditermächtigungen in Milliardenhöhe beschlossen.

CDU-Finanzexperte Tobias Koch warnt: „Mit der Übernahme der Schiffskredite ist die Landesregierung ein weiteres großes Risiko eingegangen.“ Sollten die Schiffe nur noch Schrottwert haben, hafte der Steuerzahler mit weiteren 2,4 Milliarden Euro: „Am Ende könnte die heutige Übernahme der Kredite für Schleswig-Holstein teurer werden, als es eine sofortige Abwicklung der Bank gewesen wäre.“

Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) bezeichnete den Deal hingegen als Voraussetzung dafür, „dass wir die Altlasten für das Land so vermögensschonend wie möglich bewältigen“. Mit der Entlastung der Bank „tragen die Länder dazu bei, dass der Privatisierungsprozess gelingen kann“.

Der neue HSH-Vorstandschef Stefan Ermisch zeigte sich erfreut über das Geschäft: „Wir verbessern unser Risikoprofil und die Bilanzstruktur deutlich, stärken die Kapitalkennziffern und sind damit wieder einen wichtigen Schritt weiter auf dem Weg zum anstehenden Eigentümerwechsel.“ Mit dem Verkauf der Schrottpapiere kann die Bank die Hälfte ihrer notleidenden Schiffskredite von mehr als zehn Milliarden Euro abstoßen. Den bilanziellen Verlust durch das Geschäft infolge des Preisabschlages von rund 2,6 Milliarden Euro kann die Bank über die zehn Milliarden Euro schwere Ländergarantie abrechnen. Das heißt: Für diese Summe muss der Steuerzahler ebenso geradestehen wie für Risiken, die aus einem weiteren Wertverlust der übernommenen Schiffskredite drohen. Theoretisch ist zwar möglich, dass ein Teil der Schiffe künftig wieder Gewinne einfährt. Doch angesichts der katastrophalen Lage auf den Schiffsmärkten halten Experten dieses Szenario im Containermarkt für unwahrscheinlich.

Was seit 2008 in der Seeschifffahrt wütet, hätten Branchenkenner nie für möglich gehalten. Die Charterraten für Containerschiffe sind dramatisch abgerutscht. Besonders betroffen sind Containerschiffe mit einer Kapazität von mehr als 2000 Standardcontainern (TEU). Das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) hat gerade aktuelle Trends präsentiert. Danach hat nur ein Schiffstyp bei den Containerschiffen gute Perspektiven. Die kleinen Containerschiffe im Feederverkehr sind gut auf Kurs. Die im Nord-Ostsee-Kanal oft gesehenen Containerschiffe mit 725 bis 1000 TEU erzielen bis zu 5600 Dollar am Tag. Zum Vergleich: für 5776 Dollar bekommt eine Linienreederei wie Hapag- Lloyd oder Maersk auch einen Frachter mit 3500 TEU. Genau diese Schiffe sind es, die deutsche Reeder mit Hilfe der HSH Nordbank in den Jahren bis 2008 in großen Stückzahlen finanzieren ließen.

EU will Verkauf bis 2018

Die HSH Nordbank , die mehrheitlich den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg gehört, muss verkauft werden. Die EU-Kommission hatte in diesem Jahr endgültig eine Erhöhung der Ländergarantien für die Bank auf zehn Milliarden Euro genehmigt, im Gegenzug aber den Verkauf des Instituts bis 2018 durchgesetzt. Die Länder bereiten nun den Verkaufsprozess vor. Die Übertragung fauler Schiffskredite ist der erste Schritt. In einem zweiten Schritt will die HSH weitere Kredite in Höhe von 3,2 Milliarden Euro über den freien Markt verkaufen, die jedoch überwiegend keine Schiffskredite sind. Sollte der Verkauf nicht gelingen, müsste die Bank abgewickelt werden.

Im Zuge der Finanzkrise war die HSH in Schieflage geraten und konnte nur mit Milliardenhilfe der Länder gerettet werden. Zurzeit hat die Bank noch etwa 2500 Mitarbeiter, davon knapp 1000 in Kiel.

 Ulrich Metschies und Frank Behling

Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 13.008,00 -0,27%
TecDAX 2.497,75 -0,86%
EUR/USD 1,1812 -0,29%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

SAP 95,67 +0,74%
FMC 82,52 +0,63%
FRESENIUS... 70,75 +0,39%
DT. BÖRSE 91,10 -2,04%
BEIERSDORF 92,55 -1,68%
CONTINENTAL 213,14 -1,32%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 214,55%
Commodity Capital AF 153,66%
Apus Capital Reval AF 120,25%
Allianz Global Inv AF 116,43%
WSS-Europa AF 113,87%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.